<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"><channel><title><![CDATA[This & That]]></title><description><![CDATA[This & That - Dies & Das]]></description><link>https://tat.xbopp.com/</link><image><url>https://tat.xbopp.com/favicon.png</url><title>This &amp; That</title><link>https://tat.xbopp.com/</link></image><generator>Ghost 5.81</generator><lastBuildDate>Tue, 07 Apr 2026 11:53:35 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://tat.xbopp.com/rss/" rel="self" type="application/rss+xml"/><ttl>60</ttl><item><title><![CDATA[Raketen auf Mannheim – die Israeli haben die Lektion der Vernichtung spätestens am 7. Oktober 2023 gelernt, die Europäer träumen immer noch weiter]]></title><description><![CDATA[Lange hat Europa zugesehen, wie in Iran ein mörderisches Regime islamischer Fanatiker ein militärisches Arsenal aufbaute, das nicht nur Israel und die USA mit Vernichtung drohte, sondern auch den Nahen Osten auf Dauer zerrüttete. Die Zeit dieser Lebenslüge ist abgelaufen.]]></description><link>https://tat.xbopp.com/raketen-auf-mannheim-die-israeli-haben-die-lektion-der-vernichtung-spatestens-am-7-oktober-2023-gelernt-die-europaer-traumen-immer-noch-weiter/</link><guid isPermaLink="false">69d49bb8a319e3a944108c4a</guid><category><![CDATA[EU]]></category><category><![CDATA[Islam]]></category><category><![CDATA[Israel]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Apr 2026 05:58:20 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2026/04/2M92r1ze4Aj9XFrj36oPtL.webp" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2026/04/2M92r1ze4Aj9XFrj36oPtL.webp" alt="Raketen auf Mannheim &#x2013; die Israeli haben die Lektion der Vernichtung sp&#xE4;testens am 7. Oktober 2023 gelernt, die Europ&#xE4;er tr&#xE4;umen immer noch weiter"><p><em>NZZ, Chaim Noll, 4.4.2026</em></p><p><strong>Lange hat Europa zugesehen, wie in Iran ein m&#xF6;rderisches Regime islamischer Fanatiker ein milit&#xE4;risches Arsenal aufbaute, das nicht nur Israel und die USA mit Vernichtung drohte, sondern auch den Nahen Osten auf Dauer zerr&#xFC;ttete. Die Zeit dieser Lebensl&#xFC;ge ist abgelaufen.</strong></p><p>Seit dem iranischen Angriff auf die britisch-amerikanische Luftwaffenbasis Diego Garcia im Indischen Ozean mit einer Rakete von 4000 Kilometern Reichweite ist klar, dass auch Europa im Einschussbereich des Teheraner Regimes liegt. Was derzeit schon f&#xFC;r die arabischen Nachbarstaaten und Israel Alltag ist und f&#xFC;r die T&#xFC;rkei, Aserbaidschan und Zypern zumindest eine reale Bedrohung darstellt, k&#xF6;nnte auch Berlin, Z&#xFC;rich, Paris oder Rom treffen. Durch russische Satellitenaufnahmen und Geheimdienstinformationen ist die iranische F&#xFC;hrung &#xFC;ber strategisch lohnende Ziele gut im Bilde.</p><p>Angesichts der internationalen Bedrohung stellt sich die Frage, wie es m&#xF6;glich war, dass ein m&#xF6;rderisches Regime islamischer Fanatiker jahrzehntelang ungest&#xF6;rt ein Raketenarsenal bauen und Uran f&#xFC;r Atomwaffen anreichern konnte, obwohl seine Sprecher dem Westen den permanenten Krieg angesagt und ganz offen ihre Vernichtungsabsichten erkl&#xE4;rt hatten.</p><p>Ohne Frage wurde die Gefahr im Westen untersch&#xE4;tzt. Man hat den Massenm&#xF6;rdern in Teheran immer wieder die Hand gereicht, sich in &#xAB;Verhandlungen&#xBB; und &#xAB;Gespr&#xE4;chen&#xBB; hinhalten lassen, man hat mit ihnen Gesch&#xE4;fte gemacht und &#x2013; von Israel abgesehen &#x2013; tatenlos hingenommen, dass sie in den L&#xE4;ndern des Nahen Ostens ihre Milizen aufgebaut haben. Und das ist vielleicht die erste positive Wirkung des Krieges: dass man die Gefahr nun nicht mehr leugnen kann, dass der Westen gezwungen ist, einzugreifen und endlich seine technologische und milit&#xE4;rische &#xDC;berlegenheit ins Spiel zu bringen.</p><h2 id="sympathisch-aber-naiv">Sympathisch, aber naiv</h2><p>Aus muslimischer Weltsicht ist es nur als Schw&#xE4;che und Feigheit erkl&#xE4;rbar, dass die L&#xE4;nder des Westens, obwohl sie die bei weitem st&#xE4;rkeren Waffen besitzen, zugleich eine fast un&#xFC;berwindliche Scheu zeigen, sie einzusetzen. &#xAB;Nie wieder Krieg!&#xBB; ist eine sympathische, im von zwei Weltkriegen traumatisierten Europa verst&#xE4;ndliche, aber auch naive Formel. Wenn man angegriffen wird, ist Krieg unvermeidlich, es sei denn, man h&#xE4;tte suizidale Neigungen.</p><blockquote>Wer ehrlich ist und die Situation n&#xFC;chtern ins Auge fasst, muss sich eingestehen, dass Krieg mittlerweile zu unserer eigenen Realit&#xE4;t geh&#xF6;rt.</blockquote><p>Dass Europa seit 1945, also seit acht Jahrzehnten, keinen gr&#xF6;sseren Krieg mehr erlebt hat (wenn man die Sezessionskriege nach dem Untergang Jugoslawiens einmal grossz&#xFC;gig ausser acht l&#xE4;sst), ist eine historische Ausnahmeerscheinung. Diese Jahrzehnte haben gen&#xFC;gt, das Gefahrenbewusstsein der europ&#xE4;ischen Gesellschaften einzuschl&#xE4;fern und die Jugend in unt&#xE4;tige Fatalisten zu verwandeln. Doch die Friedfertigkeit von religi&#xF6;s fanatischen, Jihad-frommen Muslimen l&#xE4;sst sich nicht durch &#xDC;berredung oder, wie in der Kindererziehung, durch gutes Beispiel erreichen. Jetzt, im dritten Jahrzehnt des 21.&#xA0;Jahrhunderts, liegt auch in Europa Krieg in der Luft, und wer ehrlich ist und die Situation n&#xFC;chtern ins Auge fasst, gesteht sich ein, dass &#xAB;der Krieg&#xBB;, diese unbedingt zu verhindernde Ungeheuerlichkeit, von nun an zu unserer eigenen Realit&#xE4;t geh&#xF6;rt.</p><p>Die Menschen in Israel haben die Lektion sp&#xE4;testens am 7.&#xA0;Oktober 2023 begriffen: die Tatsache, dass einen selbst bei m&#xF6;glichst grosser eigener Friedfertigkeit der Nachbar &#xFC;berfallen und in einen Krieg hineinziehen kann, den man nicht wollte. Die Konstruktion europ&#xE4;ischer Medien, der Krieg Israels gegen Iran sei von einer &#xAB;rechtsextremen&#xBB; israelischen Regierung vom Zaun gebrochen worden (oder von Ministerpr&#xE4;sident Netanyahu, um von seinen Anklagen wegen Korruption abzulenken), verliert jeden Sinn angesichts der fast ungetr&#xFC;bten Zustimmung der israelischen Bev&#xF6;lkerung. Das v&#xF6;lkerm&#xF6;rderische Massaker der Hamas hat den Israeli vor Augen gef&#xFC;hrt, dass Wegschauen und falsche Toleranz im Umgang mit dem militanten Islam nichts n&#xFC;tzen. Dass es besser ist, sich einer Bedrohung zu stellen, statt ihr immer wieder auszuweichen.</p><p>In Europa ist der Krieg gegen die Mullahs in Iran extrem unpopul&#xE4;r. Seine Folgen sind steigende Benzinpreise, erh&#xF6;hte Terrorgefahr, wom&#xF6;glich eine neue Fl&#xFC;chtlingswelle. Unumwunden geben europ&#xE4;ische Medien zu verstehen, dass sie Trump f&#xFC;r sein gewagtes Vorhaben nichts Gutes w&#xFC;nschen, Israel ohnehin nicht, und dass sie den Status quo bei weitem einer &#x2013; und sei es am Ende auch f&#xFC;r Europa g&#xFC;nstigen &#x2013; Ver&#xE4;nderung vorgezogen h&#xE4;tten. Noch etwas macht diesen Krieg unbeliebt: Er setzt der bisherigen Politik einer Kollaboration mit dem Terrorregime in Teheran um wirtschaftlicher Vorteile willen ein Ende.</p><h2 id="die-v%C3%B6lkerrechtsfrage">Die V&#xF6;lkerrechtsfrage</h2><p>Unvermeidlich taucht das Argument auf, die USA und Israel h&#xE4;tten mit ihrem Angriff auf das Teheraner Regime &#xAB;V&#xF6;lkerrecht&#xBB; verletzt. Abgesehen davon, dass &#xAB;V&#xF6;lkerrecht&#xBB; eine ephemere, auf fl&#xFC;chtigen Mehrheiten und Absprachen beruhende Angelegenheit ist und de facto immer nur durchgesetzt werden konnte, wenn es vom amerikanischen Welthegemonen gedeckt war, lag mit der vom Mullahregime immer wieder erkl&#xE4;rten und unabl&#xE4;ssig aktiv betriebenen Vernichtungsabsicht anderen Staaten gegen&#xFC;ber l&#xE4;ngst ein Casus Belli vor.</p><p>Seit Jahrzehnten hat das Mullahregime seine imperialistischen Ambitionen offen deklariert, seine gegen andere Staaten gerichteten aggressiven Strategien, bis hin zu deren Ausl&#xF6;schung. Es hat im gesamten Nahen Osten Milizen aufgebaut, um dadurch andere L&#xE4;nder &#x2013; nicht nur Israel &#x2013; zu bedrohen und zu destabilisieren, es finanziert seit Jahrzehnten den Raketenkrieg der Hamas in Gaza, des Hizbullah in Libanon, der Hashd al-Shaabi im Irak, der Huthi in Jemen, wodurch Letztgenannte den Zugang zum Suez-Kanal blockieren und den internationalen Schiffsverkehr unterbrechen konnten.</p><p>Dieses Regime war in seinen kriegerischen Absichten von erstaunlicher Transparenz. Seine ganz auf die Produktion von Angriffswaffen ausgerichtete &#xD6;konomie, das Verelendenlassen der eigenen Bev&#xF6;lkerung, um gr&#xF6;ssenwahnsinnige R&#xFC;stungsprojekte zu realisieren, seine religi&#xF6;s unterlegte Hassrhetorik waren, zumindest als aussenpolitische Doktrin eines Staates, beispiellos.</p><p>2014 ver&#xF6;ffentlichte Ayatollah Khamenei, der geistliche F&#xFC;hrer des Regimes, ein Strategiepapier, bekannt als &#xAB;Islamic-Iranian Blueprint for Progress&#xBB;, das die iranische Politik f&#xFC;r die n&#xE4;chsten f&#xFC;nfzig Jahre vorstellte. Darin werden die Hegemonialanspr&#xFC;che einer machts&#xFC;chtigen islamisch-klerikalen Elite offen dargelegt, zun&#xE4;chst im Nahen Osten und nach dessen Unterwerfung global. Der &#xAB;Blueprint&#xBB; umreisst Khameneis Vision f&#xFC;r Iran: Er sieht das Land nicht bloss als dominierenden Nationalstaat, sondern als &#xAB;Vormund und H&#xFC;ter der muslimischen Welt&#xBB;, wie die iranischen Staatsmedien den Ayatollah tituliert hatten, und im weiteren Verlauf als F&#xFC;hrer einer &#xAB;neuen Zivilisation&#xBB;.</p><p>Iran werde in den kommenden Jahrzehnten &#xAB;eines der f&#xFC;nf f&#xFC;hrenden L&#xE4;nder der Welt in Wissenschaft und Technologie&#xBB; sein, verheisst der &#xAB;Blueprint&#xBB;, und seine auf dem Islam basierende Politik &#xAB;die wichtigste S&#xE4;ule der islamischen Einheit, der regionalen Stabilit&#xE4;t und der globalen Gerechtigkeit und des Friedens&#xBB;. Dieses Dokument wurde von den politischen Kreisen des Westens nicht ernst genommen (und von den Medien weitgehend ignoriert). In der Tat eignet diesem Text die Ausstrahlung von Geistesverwirrung und Realit&#xE4;tsverlust. Zugleich war das Teheraner Regime sehr klarsichtig, was die Schw&#xE4;chen des Westens betraf. Die Handlungsunf&#xE4;higkeit und Korrumpierbarkeit Westeuropas, so kalkulierte man, w&#xFC;rden Irans weltpolitische Ambitionen beg&#xFC;nstigen.</p><p>Dieses Regime hat den Westen seit &#xFC;ber vier Jahrzehnten unaufh&#xF6;rlich provoziert, ohne dass es zu nennenswerten Gegenreaktionen gekommen w&#xE4;re. Mit demonstrativer Grausamkeit, betont frauenfeindlich, christophob, antisemitisch, feindselig gegen&#xFC;ber freiem, kreativem Denken, als Bannertr&#xE4;ger des weltweiten Antiamerikanismus sowie erf&#xFC;llt von paranoidem Hass auf den Staat Israel und von schiitischen Hegemonial- und Rachegel&#xFC;sten gegen&#xFC;ber den sunnitisch-arabischen Staaten, unterwanderten die Mullahs und ihre Revolutionsw&#xE4;chter zun&#xE4;chst den Nahen Osten, indem sie schiitisch Minderheiten oder arabische Underdog-St&#xE4;mme mit Geldmitteln und modernen Waffen ausr&#xFC;steten.</p><p>Auf diese Weise haben sie die Zukunft Libanons zerst&#xF6;rt, das einst europ&#xE4;ische Partner als &#xAB;Schweiz des Nahen Ostens&#xBB; ertr&#xE4;umten und das heute nichts anderes ist als ein von B&#xFC;rgerkriegen ruiniertes Territorium. Auch die hoffnungslose Zerr&#xFC;ttung der pal&#xE4;stinensischen Sache in Gaza und im Westjordanland, die heute jede eigene Staatsgr&#xFC;ndung undenkbar macht, geht zum grossen Teil auf die W&#xFC;hlt&#xE4;tigkeit des iranischen Imperialismus zur&#xFC;ck.</p><h2 id="die-achse-teheran%E2%80%93peking">Die Achse Teheran&#x2013;Peking</h2><p>Eine verh&#xE4;ngnisvolle Zuspitzung erfuhr die nah&#xF6;stliche Situation im M&#xE4;rz 2021, als durch die Unt&#xE4;tigkeit der Biden-Administration der iranische Staatsvertrag mit China unterzeichnet werden konnte, den Trump in seiner ersten Amtszeit durch Sanktionsdrohungen verhindert hatte. Er sichert dem Mullahregime im Zeitraum der n&#xE4;chsten zwei Jahrzehnte die enorme Summe von 400 Milliarden Dollar f&#xFC;r den Verkauf von Roh&#xF6;l zu. Dieses Geld wird trotz der Armut, der Zur&#xFC;ckgebliebenheit und der maroden Infrastruktur des Landes zum gr&#xF6;ssten Teil f&#xFC;r die Aufr&#xFC;stung der ausw&#xE4;rtigen Milizen, den Bau von Angriffswaffen und die Anreicherung von Uran verwendet.</p><p>Durch den Massenmord an den jugendlichen Protestlern im Dezember 2025 und im Januar 2026 hat sich das iranische Regime als das zu erkennen gegeben, was es ist: inhuman, gemeingef&#xE4;hrlich, als Partner inakzeptabel. Hoffnung auf innere Reformierbarkeit dieses Systems besteht kaum, da die l&#xFC;ckenlose Kontrolle durch fundamentalistische Kleriker jedes alternative Denken im Keim erstickt.</p><p>F&#xFC;r den Nahen Osten gibt es keine Hoffnung auf Frieden, solange das Ayatollah-Regime und sein Repressionsapparat an der Macht sind. Sein Sturz w&#xE4;re ein Segen f&#xFC;r die gesamte Region, doch es bleibt Aufgabe der Iraner, ihn zu erzwingen. Auch wenn die amerikanisch-israelische Milit&#xE4;raktion nicht zum Sturz des Regimes f&#xFC;hrt, so werden die Machthaber in Teheran, ihre Ressourcen, ihr Milit&#xE4;r, ihre Aufr&#xFC;stung, auch ihre innenpolitische Schlagkraft erheblich geschw&#xE4;cht. Die &#xFC;berw&#xE4;ltigende Mehrheit der Bev&#xF6;lkerung, vor allem der iranischen Jugend, hasst das Regime, und die Erfahrung lehrt, dass sich bei der Bev&#xF6;lkerung verhasste Herrscher auch mit gr&#xF6;sster Brutalit&#xE4;t nur begrenzte Zeit an der Macht halten k&#xF6;nnen.</p><p><em>Chaim Noll, geboren 1954 in Berlin, wanderte 1995 mit seiner Familie nach Israel aus. Er unterrichtete an der Ben-Gurion-Universit&#xE4;t in Beer Sheva und verfasste zahlreiche B&#xFC;cher.</em></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[«Das Schockierendste ist: In mehreren afrikanischen Ländern kann man heute noch Menschen kaufen und verkaufen»]]></title><description><![CDATA[Sklaverei in Afrika existiert seit Jahrtausenden, mit Belegen, die bis 2900 v. Chr. zurückreichen, und betrifft auch heute noch schätzungsweise eine Million Menschen.]]></description><link>https://tat.xbopp.com/das-schockierendste-ist-in-mehreren-afrikanischen-landern-kann-man-heute-noch-menschen-kaufen-und-verkaufen/</link><guid isPermaLink="false">699afcfea319e3a944108c05</guid><category><![CDATA[Africa]]></category><category><![CDATA[Islam]]></category><category><![CDATA[Racism]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Sun, 22 Feb 2026 13:07:13 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2026/02/Untitled-2.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2026/02/Untitled-2.jpg" alt="&#xAB;Das Schockierendste ist: In mehreren afrikanischen L&#xE4;ndern kann man heute noch Menschen kaufen und verkaufen&#xBB;"><p>Der S&#xFC;dafrikaner Martin Plaut k&#xE4;mpfte gegen die Apartheid und berichtete f&#xFC;r die BBC jahrzehntelang aus Afrika. Er sagt, viele unangenehme Fakten zur Sklaverei werden aus politischen Gr&#xFC;nden ausgeblendet und eine Million Afrikaner seien weiterhin versklavt.</p><p><em>NZZ, </em><a href="https://www.nzz.ch/impressum/daniel-rickenbacher-ld.1909509?ref=tat.xbopp.com"><em>Daniel Rickenbacher</em></a><em>, 21.02.2026</em></p><hr><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/02/18/80bf37b0-37ca-4487-af38-275b78c4f397.jpg?width=654&amp;height=760&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="&#xAB;Das Schockierendste ist: In mehreren afrikanischen L&#xE4;ndern kann man heute noch Menschen kaufen und verkaufen&#xBB;" loading="lazy" width="515" height="598"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Ein Kindersklave in Sansibar (um 1890). Bildunterschrift: &#xAB;Die Strafe eines arabischen Meisters f&#xFC;r ein geringf&#xFC;giges Vergehen&#xBB;. Oman dominierte w&#xE4;hrend zweier Jahrhunderte den Sklavenhandel im Indischen Ozean.</span><a href="https://www.rmg.co.uk/collections/objects/rmgc-object-262003?ref=tat.xbopp.com" target="_blank"><span style="white-space: pre-wrap;">Royal Museums Greenwich</span></a><span style="white-space: pre-wrap;"> / </span><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Slavezanzibar2.JPG?ref=tat.xbopp.com" target="_blank"><span style="white-space: pre-wrap;">Wikimedia</span></a></figcaption></figure><p><em>Herr Plaut, Sie sind in S&#xFC;dafrika w&#xE4;hrend der Apartheid aufgewachsen. Inwiefern war Sklaverei damals ein Thema?</em></p><p>In S&#xFC;dafrika allgemein nicht so, aber in Kapstadt schon. Dort gibt es viele Menschen, die Kapmalaien genannt werden. Sie kamen aus Indien, Indonesien und von anderen Orten. Viele wurden als Sklaven an das Kap gebracht. Im Gesch&#xE4;ft meines Vaters arbeiteten Leute aus diesen Gruppen, und ich kannte sie pers&#xF6;nlich. Sie waren Muslime. Ich erinnere mich an Gebete und an Zeremonien &#x2013; zum Beispiel an eine Trance-Zeremonie, bei der jemand sich Schwerter durch Wangen oder Bauch stach, ohne zu bluten. Das ist heute selten, aber damals war es ein Ausdruck religi&#xF6;ser Hingabe.</p><div class="kg-card kg-toggle-card" data-kg-toggle-state="close">
            <div class="kg-toggle-heading">
                <h4 class="kg-toggle-heading-text"><span style="white-space: pre-wrap;">Ein profunder Kenner Afrikas</span></h4>
                <button class="kg-toggle-card-icon" aria-label="Expand toggle to read content">
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            <div class="kg-toggle-content"><p dir="ltr"><i><em class="italic" style="white-space: pre-wrap;">Der geborene S&#xFC;dafrikaner Martin Plaut war Afrika-Redaktor f&#xFC;r die BBC und wirkte als Berater f&#xFC;r das britische und das amerikanische Aussenministerium. Er ver&#xF6;ffentlicht regelm&#xE4;ssig B&#xFC;cher und Beitr&#xE4;ge zur afrikanischen Geschichte und Politik. Sein j&#xFC;ngstes Buch, &#xAB;Unbroken Chains. A 5000-Year History of African Enslavement&#xBB;, erschien 2025 bei Hurst Publishers.</em></i></p></div>
        </div><p><em>Waren es diese Erlebnisse, die Sie dazu bewogen, &#xFC;ber afrikanische Sklaverei zu schreiben?</em></p><p>Ja, aber es ist komplizierter. Ich schrieb eine Biografie &#xFC;ber den ersten nichtweissen Stadtrat von Kapstadt, Dr.&#xA0;Abdullah Abdurahman, der von Sklaven abstammt. Ich merkte: Ich wusste neben der transatlantischen Sklaverei fast nichts &#xFC;ber Sklaverei. Und dachte: Wie kann das sein?</p><h3 id="wichtigste-sklavenrouten-zirka-7%E2%80%9319-jahrhundert">Wichtigste Sklavenrouten (zirka 7.&#x2013;19. Jahrhundert)</h3><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://nzz-q-assets2.static-nzz.ch/cdn-cgi/image/format=auto,width=640/https://nzz-q-assets2.static-nzz.ch/2026/02/19/Content-d6eff7f3fafe46d56d729541562a652e.png" class="kg-image" alt="&#xAB;Das Schockierendste ist: In mehreren afrikanischen L&#xE4;ndern kann man heute noch Menschen kaufen und verkaufen&#xBB;" loading="lazy" width="640" height="413"></figure><blockquote><em>Quellen:&#xA0;</em><a href="https://espace-mondial-atlas.sciencespo.fr/en/topic-mobility/map-2C22-EN-western-and-eastern-slave-trades-7th-19th-centuries.html?ref=tat.xbopp.com" rel="noopener noreferrer"><em>Espace mondial l&#x2019;Atlas</em></a><em>,&#xA0;</em><a href="https://www.hurstpublishers.com/event/unbroken-chains-w-martin-plaut/?ref=tat.xbopp.com" rel="noopener noreferrer"><em>Martin Plaut: &#xAB;Unbroken Chains&#xBB;</em></a><em>NZZ&#x2009;/&#x2009;ida.</em></blockquote><p><em>Was sind die gr&#xF6;ssten Missverst&#xE4;ndnisse, wenn es um die afrikanische Sklaverei geht?</em></p><p>Mir fallen da drei grosse ein. Viele denken zun&#xE4;chst nur an den Atlantik und ignorieren die Sklaverei innerhalb Afrikas sowie jene &#xFC;ber den Indischen Ozean. Zweitens setzen viele Kolonialismus und Sklaverei gleich. Es gibt Verbindungen, aber es ist nicht dasselbe. In Grossbritannien wurde die Sklaverei im Empire 1833 abgeschafft, und in den folgenden Jahrzehnten gab es relativ wenig Kolonialismus in Afrika. 1870 waren nur etwa zehn Prozent von Afrika kolonisiert. Der europ&#xE4;ische Zugriff kam erst mit der Berlin-Konferenz von 1884. Und das Schockierendste: In mehreren afrikanischen L&#xE4;ndern kann man heute noch Menschen kaufen und verkaufen. Und die Afrikanische Union ist nicht daran interessiert, dar&#xFC;ber zu diskutieren.</p><p><em>Woher kommt dieses Desinteresse?</em></p><p>Es ist zu peinlich. Die Afrikanische Union m&#xFC;sste eigene Mitglieder zur Verantwortung ziehen und sagen: Das ist inakzeptabel, ihr m&#xFC;sst handeln.</p><p><em>Also ist es leichter, die europ&#xE4;ischen Kolonialm&#xE4;chte der Vergangenheit verantwortlich zu machen?</em></p><p>Nat&#xFC;rlich. Dann kann man Reparationsforderungen stellen und jemand anderen zahlen lassen. Aber wo sind die Rechnungen an Saudiarabien? Wo jene an Oman &#x2013; die wichtigste Macht im Sklavenhandel im Indischen Ozean?</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/02/20/8ad0ba34-7920-45c0-9635-bf22063c347e.jpg?width=654&amp;height=492&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="&#xAB;Das Schockierendste ist: In mehreren afrikanischen L&#xE4;ndern kann man heute noch Menschen kaufen und verkaufen&#xBB;" loading="lazy" width="654" height="492"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Befreite Sklaven auf einem britischen Schiff im Indischen Ozean (um 1880). Die britische Marine versuchte jahrzehntelang, den Sklavenhandel zu unterbinden.Royal Museums Greenwich / </span><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Slaves_on_HMS_%27London%27_(%3F)_RMG_E9092.tiff?ref=tat.xbopp.com" target="_blank"><span style="white-space: pre-wrap;">Wikimedia</span></a></figcaption></figure><p><em>Was ist der Grund daf&#xFC;r, dass gegen&#xFC;ber L&#xE4;ndern wie Oman oder &#xC4;gypten, die ebenfalls in den afrikanischen Sklavenhandel involviert waren, keine Reparationsforderungen erhoben werden?</em></p><p>Viele afrikanische L&#xE4;nder sind auf die Finanzierung aus diesen Staaten angewiesen. Und es gibt Arbeitsmigration: Zehntausende von &#xC4;thiopiern arbeiten beispielsweise in Saudiarabien, oft unter schrecklichen Bedingungen. Saudiarabien hat auf Fragen zur Sklaverei, die dort erst in den 1960er Jahren abgeschafft wurde, mit Archivschliessungen reagiert. Wer Fragen stellt, zahlt einen Preis.</p><p><em>Solche &#xDC;berlegungen erkl&#xE4;ren das Desinteresse afrikanischer Staaten. Aber warum wird der nichteurop&#xE4;ische Sklavenhandel im Westen nicht st&#xE4;rker beachtet?</em></p><p>Im Westen wird vor allem der transatlantische Sklavenhandel thematisiert, weil afroamerikanische Gemeinschaften nach dem Ende der Rassentrennung in den USA Zugang zu Universit&#xE4;ten erhielten, ihre Geschichte erforschten und politisch Druck machten. Darum sind etwa 95 Prozent der Forschung zur Sklaverei auf den Atlantik fokussiert. In Indien oder Saudiarabien gibt es kein vergleichbar grosses, politisch einflussreiches schwarzes Milieu. In Arabien wurden viele afrikanische Sklaven zudem zu Eunuchen gemacht, es gab weniger Nachkommenschaft. Frauen wurden in Harems oder in Beziehungen mit Arabern gezwungen &#x2013; daraus entstand keine schwarze Gemeinschaft wie in den USA.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/02/20/0b37a42f-7ec6-40be-8c84-e3c1b455906f.jpg?width=654&amp;height=477&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="&#xAB;Das Schockierendste ist: In mehreren afrikanischen L&#xE4;ndern kann man heute noch Menschen kaufen und verkaufen&#xBB;" loading="lazy" width="654" height="477"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">&#xC4;gyptische Soldaten bewachen nubische Gefangene, die als Zeichen der Unterwerfung am Boden sitzen (um 1330 v.&#xA0;Chr.).</span><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Horemheb_Saqqara_prisoners.JPG?ref=tat.xbopp.com" target="_blank"><span style="white-space: pre-wrap;">Wikimedia</span></a></figcaption></figure><p><em>Wann begann die Sklaverei in Afrika?</em></p><p>Wir wissen es nicht exakt. Wir haben Belege, etwa Gravuren aus der Zeit um 2900 v.&#xA0;Chr., die die Versklavung von Nubiern durch &#xC4;gypter zeigen. 5000 Jahre ist darum ein belegbarer Startpunkt. Aber die Sklaverei k&#xF6;nnte auch 10&#xA0;000 Jahre alt sein oder noch viel &#xE4;lter. Genau weiss man es nicht.</p><p><em>Warum war die Sklaverei so best&#xE4;ndig?</em></p><p>Ich kann es mir selbst nicht recht erkl&#xE4;ren, aber die Sklaverei war &#xFC;ber Jahrhunderte ein normaler Teil menschlicher Gesellschaften. Niemand will Sklave sein, aber wenn man erobert wurde, wurde man oft versklavt. Es gab immer wieder Sklavenaufst&#xE4;nde, aber vieles wurde als schreckliches Schicksal hingenommen.</p><p><em>Gab es denn schon fr&#xFC;her Kritik an der Sklaverei, beispielsweise aus religi&#xF6;sen Kreisen?</em></p><p>Religionen haben das unterschiedlich gehandhabt. Im Koran wird Sklaverei h&#xE4;ufig behandelt, aber nicht als etwas, das abgeschafft werden soll. Aber es stehen darin Regeln, wie man Menschen behandeln soll und unter welchen Umst&#xE4;nden Freilassung geboten ist. Das heisst nicht, dass die Menschen sich daran hielten. Im Christentum war es &#xE4;hnlich.</p><p><em>In Westafrika wurden viele Afrikaner von muslimischen Sklavenh&#xE4;ndlern versklavt. Wie stark hat die Verbreitung des Islams die afrikanische Sklaverei angetrieben?</em></p><p>Klar war das ein Faktor. Die meisten Versklavten in Westafrika waren Nichtmuslime und geh&#xF6;rten afrikanischen Religionen an. Aber es wurden auch Muslime versklavt. Es wurde gesagt, wer kein &#xAB;guter Muslim&#xBB; sei, d&#xFC;rfe versklavt werden. Und diese Definition wurde laufend angepasst: &#xAB;Du bist Muslim, aber dein Emir ist kein guter Muslim, also bist du nicht gesch&#xFC;tzt.&#xBB;</p><p><em>Ich sehe Parallelen zu Boko Haram, die auch st&#xE4;ndig neu definiert, wer Muslim ist und wer nicht.</em></p><p>Da gibt es definitiv Verbindungen. Eine der interessantesten Beobachtungen ist: Warum verlaufen die grossen Konfliktlinien in Afrika ausgerechnet quer durch den Sahel von Mauretanien bis Somalia? Weil dort &#xFC;ber Jahrhunderte islamische Sklavenj&#xE4;ger, Araber und Berber, nach S&#xFC;den kamen, um Sklaven zu nehmen. Diese Spannungen reichen mindestens bis ins 9.&#xA0;Jahrhundert zur&#xFC;ck.</p><p><em>Ab dem 15.&#xA0;Jahrhundert beteiligten sich auch die europ&#xE4;ischen Kolonialm&#xE4;chte am Handel mit schwarzen Sklaven. Wie gingen sie vor?</em></p><p>Die Europ&#xE4;er erbeuteten die Sklaven in der Regel nicht selbst, sondern setzten auf lokale Verb&#xFC;ndete. Sie bauten Forts an der K&#xFC;ste, hielten kleine Gebiete, suchten lokale afrikanische Handelspartner. Diese nahmen Feinde als Sklaven und tauschten sie gegen G&#xFC;ter: Pferde und vor allem Gewehre. Die Briten waren besonders gut darin, Gewehre zu verkaufen. Das machte lokale Eliten m&#xE4;chtiger und reicher. Nur die Portugiesen, die von den Europ&#xE4;ern am meisten Sklaven verschifften, gingen etwas anders vor. Sie kontrollierten Angola und Mo&#xE7;ambique und drangen, oft unter Mithilfe lokaler Verb&#xFC;ndeter, tief ins Hinterland vor und versklavten dort die Menschen direkt.</p><p><em>Was machten die Europ&#xE4;er anders als die anderen grossen Sklavenh&#xE4;ndler?</em></p><p>Was die Europ&#xE4;er einbrachten, war ihre industrielle F&#xE4;higkeit, Menschen in sehr viel gr&#xF6;sseren Zahlen zu transportieren, weil die Nachfrage in der Karibik und den USA nach Baumwolle und in Brasilien nach Zucker enorm war. Die europ&#xE4;ische Sklaverei in Afrika war k&#xFC;rzer als die arabische, aber intensiver.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/02/20/3029336c-fcb6-4692-a19d-a7df6b956ea3.jpg?width=654&amp;height=589&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="&#xAB;Das Schockierendste ist: In mehreren afrikanischen L&#xE4;ndern kann man heute noch Menschen kaufen und verkaufen&#xBB;" loading="lazy" width="654" height="589"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">1781 wirft der Kapit&#xE4;n der &#xAB;Zong&#xBB; &#xFC;ber 130 afrikanische Sklaven lebend &#xFC;ber Bord. Der Skandal befeuerte in Grossbritannien die Anti-Sklaverei-Bewegung.</span><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Slaves_being_thrown_overboard_from_an_unidentified_slave_ship.jpg?ref=tat.xbopp.com" target="_blank"><span style="white-space: pre-wrap;">Wikimedia</span></a></figcaption></figure><p><em>Waren die Europ&#xE4;er auch brutaler?</em></p><p>Die Europ&#xE4;er waren brutal, aber nicht brutaler als andere. Beim Transport schwarzer Sklaven durch die Sahara starben ganze Karawanen. Arabische Sklavenh&#xE4;ndler kastrierten Knaben oft, viele starben an Infektionen.</p><p><em>Welche Rolle spielte der Rassismus gegen&#xFC;ber dunklen Menschen in der afrikanischen Sklaverei?</em></p><p>Rassismus war ein Faktor, aber nicht immer. Es gibt die weitverbreitete Tendenz, die f&#xFC;r mich schwer erkl&#xE4;rbar ist, dass hellh&#xE4;utige Menschen sich als besser denn dunkelh&#xE4;utige sehen. Das gibt es in Arabien, China, Europa: Niemand ist immun. Rassismus existiert universell. In &#xC4;thiopien bezeichnen sich Hochland-&#xC4;thiopier oft als &#xAB;weiss&#xBB; und die s&#xFC;dlichen Nachbarn als &#xAB;schwarz&#xBB;, auch wenn wir das von aussen anders sehen. Rassismus ist also nicht nur ein Faktor beim Blick von Europa auf Afrika, sondern auch innerhalb Afrikas.</p><p><em>1833 schaffte Grossbritannien als erste Grossmacht weltweit die Sklaverei ab. Wie kam es zu diesem Sinneswandel?</em></p><p>Im 18.&#xA0;Jahrhundert entstand die Bewegung des Abolitionismus. Viele fr&#xFC;he Anti-Sklaverei-Akteure geh&#xF6;rten der christlichen Gemeinschaft der Qu&#xE4;ker an und bildeten den Kern der Bewegung. Es gab einen mentalen Wandel: Afrikaner wurden als Menschen gesehen, nicht als Dinge. Ein ber&#xFC;hmtes Abzeichen der Anti-Sklaverei-Bewegung zeigt einen knienden Afrikaner mit dem Satz: &#xAB;Bin ich kein Mann und Bruder?&#xBB; Wenn man jemanden als Bruder sieht, &#xE4;ndert sich alles. Dazu kam die juristische Entwicklung. Lord Mansfield urteilte in den 1770er Jahren, dass man Menschen nicht wie Ware behandeln k&#xF6;nne.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/02/20/802f56c7-f0c8-4456-bcb3-e6e9fd3430a6.jpg?width=654&amp;height=711&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="&#xAB;Das Schockierendste ist: In mehreren afrikanischen L&#xE4;ndern kann man heute noch Menschen kaufen und verkaufen&#xBB;" loading="lazy" width="609" height="662"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Abzeichen britischer Gegner der Sklaverei von 1788. Das Parlament beschloss 1807 das Ende des transatlantischen Sklavenhandels und 1833 die Abschaffung der Sklaverei im ganzen britischen Empire.</span><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Am_I_not_a_man.jpg?ref=tat.xbopp.com" target="_blank"><span style="white-space: pre-wrap;">Wikimedia</span></a></figcaption></figure><p><em>Die britische Navy verfolgte &#xFC;ber Jahrzehnte Sklavenschiffe und bezahlte einen hohen Preis.</em></p><p>Dazu gibt es B&#xFC;cher, aber ich habe die Royal Navy gefragt, wie viele britische Seeleute im Indischen Ozean gestorben seien. Sie sagte: &#xAB;Wir wissen es nicht.&#xBB; Heute liegt der Fokus der Erinnerung aber nicht auf der Sklavenbefreiung durch die Briten, sondern darauf, dass die Briten Entsch&#xE4;digungen an Sklavenhalter zahlten, nicht an die Versklavten. Das wird heute als moralisches Problem gesehen. Weil Grossbritannien die &#xAB;Eigent&#xFC;mer&#xBB; der Sklaven entsch&#xE4;digte, entstanden grosse Staatsschulden.</p><p><em>Was passierte mit den befreiten Sklaven?</em></p><p>Grossbritannien wusste nicht, was man mit den vielen Menschen tun sollte. Es gab Orte wie Sierra Leone und Liberia, in denen man die befreiten Sklaven ansiedelte, aber oft landeten die Menschen nicht dort, woher sie urspr&#xFC;nglich stammten. Das f&#xFC;hrte zu Spannungen mit lokalen Gemeinschaften.</p><p>In der Kapkolonie wurden viele nicht sofort frei, sondern wurden als Vertragsarbeiter eingesetzt. Nach f&#xFC;nf, sieben Jahren Arbeit erfolgte dann die Freilassung, und sie wurden Teil der lokalen Bev&#xF6;lkerung.</p><p><em>Wie reagierten afrikanische Gesellschaften auf die Abschaffung der Sklaverei?</em></p><p>Viele waren dagegen oder glaubten nicht daran, und lange funktionierte es auch nicht. Es unterminierte die soziale und wirtschaftliche Stellung afrikanischer Eliten und wurde oft nicht umgesetzt. In &#xC4;thiopien beispielsweise &#xFC;bte vor allem Grossbritannien &#xFC;ber Generationen Druck aus, die Sklaverei zu beenden. Trotzdem fanden die italienischen Invasoren 1935 bei der Eroberung &#xC4;thiopiens in grossem Umfang Sklaven und nutzten dies zu Propagandazwecken. Es war auch wahr. Es gibt Fotos &#x2013; etwa von Sklaven am Hof des &#xE4;thiopischen Kaisers Haile Selassie, der als Held des Antikolonialismus gilt.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/02/20/4312ae93-0598-4bf9-99ef-a40024be5777.jpg?width=654&amp;height=471&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="&#xAB;Das Schockierendste ist: In mehreren afrikanischen L&#xE4;ndern kann man heute noch Menschen kaufen und verkaufen&#xBB;" loading="lazy" width="654" height="471"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">&#xC4;thiopische Sklaven begleiten ihre Besitzer auf dem Weg zu Kaiser Haile Selassie, um ihm nach der italienischen Invasion im Oktober 1935 Spenden f&#xFC;r den Krieg zu &#xFC;berbringen. Italien nutzte die Sklavenbefreiung in seiner Propaganda zur Rechtfertigung der Besetzung.Martin Plaut</span></figcaption></figure><p><em>Welche Rolle spielt dieses Kapitel der Sklaverei heute noch in Afrika?</em></p><p>Eine grosse. Ich kenne das von &#xC4;thiopien. Im Buch erw&#xE4;hne ich einen Vertreter der Volksgruppe der Oromo, der sagte: &#xAB;Ich wurde mein ganzes Leben wie ein Sklave behandelt.&#xBB; Er meinte damit nicht Europ&#xE4;er, sondern andere Afrikaner. In Tigray in Nord&#xE4;thiopien erz&#xE4;hlten mir Leute, dass bei Heiraten die &#xC4;ltesten die vorhergehenden Generationen bis zum siebten Grad pr&#xFC;ften: erstens, um nahe Verwandtschaft zu vermeiden, und zweitens, um sicherzustellen, dass kein Sklave in der Linie sei. Man m&#xF6;chte keine Sklaven als Vorfahren haben. Auch die Erinnerung an den somalischen Feldherrn Ahmad ibn Ibrahim al-Ghazi, der fast die &#xC4;thiopier besiegt h&#xE4;tte und viele von ihnen versklavte, ist im historischen Ged&#xE4;chtnis &#xC4;thiopiens wach geblieben.</p><p><em>Sie k&#xE4;mpften gegen die Apartheid und arbeiteten lange f&#xFC;r die britische Labour-Partei. In einer Besprechung Ihres Buches wurde aber davor gewarnt, dass Ihre Forschung dazu genutzt werden k&#xF6;nne, die europ&#xE4;ische Sklaverei &#xAB;reinzuwaschen&#xBB;. Wie reagieren Sie darauf?</em></p><p>Ich habe darauf geachtet, nichts zu besch&#xF6;nigen. Ich anerkenne vollst&#xE4;ndig, was Europ&#xE4;er getan haben. Wer das Buch liest, sieht das. Einige sagten auch: &#xAB;Warum schreibt ein weisser Autor &#xFC;ber dieses Thema?&#xBB; Ich halte das f&#xFC;r eine uninformierte Frage. Ich w&#xFC;rde niemals behaupten, dass Schwarze nicht &#xFC;ber Grossbritannien, die Schweiz oder Deutschland schreiben sollten. Ich bin in Afrika geboren und aufgewachsen, und selbst wenn das nicht der Fall w&#xE4;re, w&#xE4;re meine ethnische Zugeh&#xF6;rigkeit irrelevant.</p><p><em>Wie waren die Reaktionen bei afrikanischen Lesern?</em></p><p>Die meisten waren positiv. Das Buch basiert stark auf der Arbeit anderer, auch afrikanischer Forscher. Ich wollte ihre Erkenntnisse aus dem akademischen Silo heraus in die &#xF6;ffentliche Debatte holen, weil es tragisch ist, wenn Leute ihr ganzes Leben zu einem Feld forschen und niemand ausserhalb der Akademie davon erf&#xE4;hrt.</p><p><em>Gibt es heute noch Leerstellen in der Forschung zur afrikanischen Sklaverei?</em></p><p>Diese Leerstellen sind riesig. Bei der einheimischen Sklaverei haben wir erst an der Oberfl&#xE4;che gekratzt. Auch &#xFC;ber die heutige Sklaverei ist vieles unbekannt. Ich meine damit nicht &#xAB;moderne Ausbeutung&#xBB; im weiten Sinn, sondern Menschen, die wirklich versklavt sind und als Eigentum gehalten werden. Die Dimension der afrikanischen Sklaverei ist weiterhin gewaltig.</p><p><em>Von wie vielen versklavten Menschen sprechen wir?</em></p><p>Wenn ich v&#xF6;llig aus dem Bauch sch&#xE4;tzen m&#xFC;sste: eine Million. Ein Uno-Berichterstatter fand 2023 etwa 200&#xA0;000 Sklaven allein in Mali. Dazu kommen Mauretanien, Libyen, der Sudan, Niger und vermutlich weitere L&#xE4;nder, in denen Sklaverei weiterhin existiert. Ich verstehe nicht, wie man nachts schlafen kann, wenn man weiss, dass das im eigenen Land passiert.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Rutte on Nato and Trump]]></title><description><![CDATA[... if somebody is doing good stuff, and President Trump is doing a lot of good stuff, I believe. I know I’m irritating a lot of you again ...]]></description><link>https://tat.xbopp.com/rutte-on-nato-and-trump/</link><guid isPermaLink="false">6985ccbfa319e3a944108bf4</guid><category><![CDATA[Trump]]></category><category><![CDATA[EU]]></category><category><![CDATA[NATO]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Fri, 06 Feb 2026 11:25:27 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2026/02/EMGMX2B6XBBRTD4ZCTZD34Z5GU.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2026/02/EMGMX2B6XBBRTD4ZCTZD34Z5GU.jpg" alt="Rutte on Nato and Trump"><p>Of course not all of our friends have been happy about this&#x2014;or about Donald Trump generally&#x2014;and they were fortunate to receive a reality check this week from NATO Secretary General&#xA0;Mark Rutte. The former prime minister of the Netherlands spoke at a meeting of the European Parliament&#x2019;s foreign affairs and security committees in Brussels. Here&#x2019;s an excerpt from the&#xA0;<a href="https://www.nato.int/en/news-and-events/events/transcripts/2026/01/26/remarks-by-nato-secretary-general-mark-rutte-at-the-meeting-of-the-european-parliaments-committee-on-security-and-defence?ref=tat.xbopp.com">official transcript</a>:</p><p><strong>On my relationship with the President, hey, listen, if somebody is doing good stuff, and President Trump is doing a lot of good stuff, I believe. I know I&#x2019;m irritating a lot of you again, but I think so, because as I said, also in Davos, the 2% reached by all NATO countries now at the end of 2025 would never, ever, ever have happened without Trump. Do you really think that Spain and Italy and Belgium and Canada would have decided to move from 1.5 to 2%? Italy spending 10 billion more now on defence at the beginning of the year without President Trump? No way. It would not have happened. And do you really think that in The Hague we would have come to the 5% commitment without President Trump? No way. So, I think he is very important to NATO.</strong></p><p><strong>He is totally committed to NATO. He had one big irritant, one big pebble in the shoe, which is there since Eisenhower, the fact that the Europeans were not paying up. And with the NATO defence commitment in The Hague, the outcome of The Hague summit on spending, and also on industrial production in Ukraine, but particularly here on spending, we are now equalising with the US. So that irritant is gone. So, there is a total commitment by the US to&#xA0;</strong><a href="https://www.nato.int/en/what-we-do/introduction-to-nato/collective-defence-and-article-5?ref=tat.xbopp.com"><strong>NATO Article Five</strong></a><strong>, but also an expectation that Europeans and Canadians will pay more. And we are doing so.</strong></p><p><strong>&#x2026; when President Trump is doing good stuff, I will praise him. And I don&#x2019;t mind him publishing text messages.</strong></p><p><strong>And if anyone thinks here, again, that the European Union, or Europe as a whole, can defend itself without the US, keep on dreaming. You can&#x2019;t. We can&#x2019;t. We need each other. And why do we need each other? I tell you, first of all, because also the US needs NATO. And the US is not only in NATO to prevent a mistake after the First World War, not to re-engage with Europe, and then again, the long arm of history reaching out to the US again in the Second World War &#x2014; as Churchill famously said in his speech in 1941 in the US Congress. They are also in NATO because for the US to stay safe, and by the way, Arctic region is evidence here, they need a secure Arctic. They need a secure Euro-Atlantic, and they also need a secure Europe. So, the US has every interest in NATO, as much as Canada and the European NATO Allies. But for Europe, if you really want to go it alone, and those who you are pleading for that, forget that you can never get there with 5%. It will be 10%. You have to build up your own nuclear capability. That costs billions and billions of euros. You will lose then in that scenario, you would lose the ultimate guarantor of our freedom, which is the US nuclear umbrella. So hey, good luck.</strong></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ist die Globalisierung am Ende? «Ach, das ist doch ein Witz», sagt eine der Vordenkerinnen von Donald Trumps zweiter Präsidentschaft]]></title><description><![CDATA[Seine wichtigste Botschaft war, dass er sich Sorgen über den wachsenden chinesischen und russischen Einfluss in Grönland mache. Und dass Grönland mehr Schutz brauche. ]]></description><link>https://tat.xbopp.com/ist-die-globalisierung-am-ende-ach-das-ist-doch-ein-witz-sagt-eine-der-vordenkerinnen-von-donald-trumps-zweiter-prasidentschaft/</link><guid isPermaLink="false">69735b4f25a86b947e16ce0a</guid><category><![CDATA[EU]]></category><category><![CDATA[Trump]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Fri, 23 Jan 2026 11:37:18 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2026/01/3920-1200x742.jpeg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2026/01/3920-1200x742.jpeg" alt="Ist die Globalisierung am Ende? &#xAB;Ach, das ist doch ein Witz&#xBB;, sagt eine der Vordenkerinnen von Donald Trumps zweiter Pr&#xE4;sidentschaft"><p><em><strong>Diana Furchtgott-Roth</strong> ist &#xD6;konomin bei der Heritage Foundation. Im Interview sagt sie, warum sie Zolldrohungen f&#xFC;r legitim h&#xE4;lt und weshalb sie glaubt, dass Europa wirtschaftlich schwere Zeiten bevorstehen.</em></p><p>NZZ, <a href="https://www.nzz.ch/impressum/lorenz-honegger-ld.1584016?ref=tat.xbopp.com">Lorenz Honegger</a>, 22.01.2026</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/01/22/4bf5ecbb-7a12-40ce-ad2b-4d2033273895.jpg?width=654&amp;height=430&amp;fit=bounds&amp;quality=75&amp;auto=webp&amp;crop=2789,1831,x122,y1548" class="kg-image" alt="Ist die Globalisierung am Ende? &#xAB;Ach, das ist doch ein Witz&#xBB;, sagt eine der Vordenkerinnen von Donald Trumps zweiter Pr&#xE4;sidentschaft" loading="lazy" width="654" height="429"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Sie hat viel Einfluss &#x2013; und viele Kritiker: die Heritage Foundation in Washington (DC).Daniel Becerril / Reuters</span></figcaption></figure><p>Reagan, Bush senior, Bush junior, Trump. Diana Furchtgott-Roth hat f&#xFC;r alle republikanischen Pr&#xE4;sidenten der j&#xFC;ngeren amerikanischen Geschichte gearbeitet. Die 67-J&#xE4;hrige ist Mitautorin von &#xAB;Project 2025&#xBB;, einem 900 Seiten langen Strategiepapier der Heritage Foundation, das als ideologisches Fundament der zweiten Trump-Administration gilt. Politisch steht die &#xD6;konomin dem Weissen Haus nahe, betont aber ihre Unabh&#xE4;ngigkeit von der Regierung.</p><p><em>Frau Furchtgott-Roth, Donald Trump hat am Mittwoch in Davos mit seiner Rede viel Irritation ausgel&#xF6;st. Er hat seine wirtschaftliche Bilanz verteidigt, neue Z&#xF6;lle angedroht und den amerikanischen Anspruch auf Gr&#xF6;nland bekr&#xE4;ftigt, bevor er wieder davon abr&#xFC;ckte. Sie arbeiten f&#xFC;r eine Denkfabrik mit engen Verbindungen zum republikanischen Machtzentrum. Wie haben Sie Trumps Auftritt am WEF erlebt?</em></p><p>Zun&#xE4;chst m&#xF6;chte ich sagen: Die Heritage Foundation wird nicht vom Weissen Haus kontrolliert. Das Weisse Haus &#xFC;bernimmt manchmal unsere Ratschl&#xE4;ge und manchmal nicht. Es sind also getrennte Institutionen. Ich bin allerdings Mitautorin von &#xAB;Project 2025&#xBB; und habe ein Kapitel verfasst.</p><p><em>Wie beurteilen Sie also seine Rede in Davos?</em></p><p>Entscheidend ist: Pr&#xE4;sident Trump hat sich am Abend nach seiner Rede mit der Nato geeinigt und seine Zolldrohung gegen mehrere europ&#xE4;ische L&#xE4;nder aufgehoben. Er will nicht in Gr&#xF6;nland einmarschieren, und er will Gr&#xF6;nland auch nicht kaufen.</p><p><em>Sondern?</em></p><p>Seine wichtigste Botschaft war, dass er sich Sorgen &#xFC;ber den wachsenden chinesischen und russischen Einfluss in Gr&#xF6;nland mache. Und dass Gr&#xF6;nland mehr Schutz brauche. Danach drohte er mit Z&#xF6;llen und stellte kurz darauf einen Kompromiss in Aussicht. Das ist sein Modus Operandi: erst die Zolldrohung, dann das Entgegenkommen der Gegenseite, am Ende der R&#xFC;ckzug. So lief es vor einigen Monaten auch mit der kanadischen Digitalsteuer. Kanada wollte sie einf&#xFC;hren, Trump drohte mit Z&#xF6;llen, wenige Tage sp&#xE4;ter war die kanadische Steuer vom Tisch.</p><p><em>Sie halten also den Einsatz von Z&#xF6;llen, und sei es als Druckmittel, f&#xFC;r sinnvoll?</em></p><p>Ich sage nicht, dass ich den Einsatz von Z&#xF6;llen bef&#xFC;rworte. Was ich bef&#xFC;rworte, sind Zolldrohungen als Verhandlungsinstrument. Eine Ausnahme ist China, wo der tats&#xE4;chliche Einsatz von Z&#xF6;llen aufgrund ungleicher Wettbewerbsbedingungen gerechtfertigt ist.</p><p><em>Viele Beobachter halten die st&#xE4;ndigen Zolldrohungen der Wirtschaftsmacht USA nicht f&#xFC;r ein harmloses Verhandlungsinstrument. Sie sehen darin das Ende der Globalisierung und des vom World Economic Forum propagierten Freihandels.</em></p><p>Ach, das ist doch ein Witz.</p><p><em>Warum?</em></p><p>Das World Economic Forum propagiert nicht Freihandel. Schauen Sie sich all die nichttarif&#xE4;ren Handelshemmnisse f&#xFC;r amerikanische Produkte an, zum Beispiel amerikanische Autos. Dann gibt es die <strong>Corporate Sustainability Due Diligence Directive</strong>. Das ist ein EU-Gesetz, das vorschreibt, dass Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Dollar Umsatz ihre Gesch&#xE4;ftst&#xE4;tigkeit auf Netto-Null ausrichten und ihre Emissionen offenlegen m&#xFC;ssen &#x2013; ebenso die Emissionen ihrer Auftragnehmer und jene der Auftragnehmer ihrer Auftragnehmer. Ein anderes Beispiel: Chinesische Unternehmen d&#xFC;rfen ihre Aktien an der B&#xF6;rse in den USA kotieren lassen. Amerikanische Unternehmen haben dieses Recht in China nicht. Chinesische Unternehmen k&#xF6;nnen hundert Prozent eines amerikanischen Unternehmens kaufen. Unternehmen aus den USA d&#xFC;rfen das nicht. Das ist kein Freihandel. Pr&#xE4;sident Trump versucht, einige dieser Missst&#xE4;nde zu beheben.</p><p><em>Ihr Vorwurf an Amerikas Handelspartner lautet also Doppelz&#xFC;ngigkeit?</em></p><p>Genau. Dazu geh&#xF6;rt auch Grossbritannien, das kein amerikanisches H&#xFC;hnerfleisch importiert, weil es angeblich mit Chlor behandelt ist. Interessant ist auch die Ausrichtung der &#xAB;Aussenpolitischen Strategie 2024&#x2013;2027&#xBB; der Schweiz, die sich st&#xE4;rker an Europa orientiert und den Kampf gegen den Klimawandel in den Vordergrund stellt, statt wie zuvor eine neutralere Position einzunehmen. Daran st&#xF6;rt sich der Pr&#xE4;sident eher als am Handelsbilanzdefizit.</p><p><em>Das ist eine ziemlich ungew&#xF6;hnliche Perspektive auf diese Debatte.</em></p><p>Ich kann mir gut vorstellen, wie die Berater des Pr&#xE4;sidenten ihn in dieser Angelegenheit informieren und wie er darauf reagiert: Wenn die Schweiz in ihrer aussenpolitischen Strategie die Treibhausgasemissionen senken und gleichzeitig ihre Energiesicherheit erh&#xF6;hen will, erkennt Pr&#xE4;sident Trump darin vor allem eine gr&#xF6;ssere Offenheit f&#xFC;r chinesische Elektrofahrzeuge und f&#xFC;r chinesische Batterien und andere erneuerbare Technologien.</p><p><em>Und das gilt dann als adverse Politik in den Augen des Weissen Hauses?</em></p><p>Korrekt, weil diese Art der Politik China unterst&#xFC;tzt. Ausserdem glaubt der Pr&#xE4;sident, wie er in Davos gesagt hat, dass der Einsatz erneuerbarer Energien den Strom verteuert und die L&#xE4;nder wirtschaftlich schw&#xE4;cht. Dieselben Staaten gelangen an den Pr&#xE4;sidenten und bitten ihn um Unterst&#xFC;tzung im Ukraine-Krieg. Er fragt sich dann: Warum kommen sie zu mir, wenn sie mit ihren Netto-Null-Zielen ihre eigenen Volkswirtschaften schw&#xE4;chen und damit China st&#xE4;rken?</p><p><em>Sie finden also, Europa sollte vollst&#xE4;ndig aus den erneuerbaren Energien aussteigen?</em></p><p>Europa sollte die Subventionierung von erneuerbaren Energien einstellen. In den vergangenen zwanzig Jahren hat die Welt 9&#xA0;Billionen Dollar f&#xFC;r die Subventionierung von Wind- und Solarenergie ausgegeben, und trotzdem k&#xF6;nnen diese Technologien ohne Subventionen nicht eigenst&#xE4;ndig bestehen. Der Markt soll entscheiden.</p><p><em>Wie soll Europa seine Energieversorgung k&#xFC;nftig sicherstellen?</em></p><p>Nun, das ist in jedem Land unterschiedlich, weil jedes Land &#xFC;ber andere Ressourcen verf&#xFC;gt. Aber klar ist: Das, was Europa derzeit tut, funktioniert nicht. Wie man sieht, liegt das Wirtschaftswachstum seit der Corona-Pandemie praktisch bei null, vielleicht bei etwa einem Prozent pro Jahr. Das ist ausserordentlich niedrig. Der Einkommensabstand pro Kopf zwischen den USA und Europa vergr&#xF6;ssert sich, statt kleiner zu werden. Europa muss also sehr genau pr&#xFC;fen, was es tut &#x2013; auch in der Energiepolitik, die meiner Ansicht nach zur Deindustrialisierung Europas beitr&#xE4;gt. Energieintensive Industrie verlagert sich mehr und mehr nach China, wo die Emissionen sogar h&#xF6;her sind, als sie es in Europa w&#xE4;ren.</p><p><em>Dass die USA selbst ihre industrielle Basis zur&#xFC;ck ins eigene Land holen, ist doch genauso unrealistisch.</em></p><p>Nun, die Hightech-Industrie w&#xE4;chst in den Vereinigten Staaten stark. Sie ist nie wirklich verschwunden. Das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal 2025 lag laut den neuesten verf&#xFC;gbaren Daten bei 4,3 Prozent. Amerika w&#xE4;chst also kr&#xE4;ftig. Wir haben eine Arbeitslosenquote von nur 4,4 Prozent. Viele europ&#xE4;ische L&#xE4;nder w&#xFC;rden sich diese Zahlen w&#xFC;nschen. Und wir haben eine Inflation von unter 3&#xA0;Prozent.</p><p><em>Und das liegt nicht nur an den gewaltigen Investitionen im KI-Sektor?</em></p><p>Nein, wenn man sich die Hightech-Industrie anschaut &#x2013; Medizintechnik, andere kapitalintensive Anlagen &#x2013;, dann sieht man dort viele Exporte und starkes Wachstum. Auch im Automobilsektor gibt es viel Wachstum.</p><p><em>In ihrem Verh&#xE4;ltnis zur Wirtschaft verfolgt die Trump-Regierung einen ungew&#xF6;hnlich interventionistischen Kurs. Sie dr&#xE4;ngt &#xD6;lkonzerne zu Investitionen in Venezuela, sie fordert eine Obergrenze f&#xFC;r Kreditkartenzinsen, und der Staat steigt bei Intel ein. Finden Sie das richtig?</em></p><p>Ich glaube nicht, dass es ideal ist, wenn eine Regierung in private Unternehmen investiert, ausser es gibt einen klaren Grund in der nationalen Sicherheit. Wenn ein Unternehmen schlecht wirtschaftet und staatliches Geld darin steckt, dann verliert der Staat Geld. Wenn ein Unternehmen schlecht wirtschaftet und kein Steuergeld darin steckt, dann verlieren nur die Aktion&#xE4;re ihr Geld.</p><p><em>Apropos staatliche Eingriffe: Ebenfalls am Mittwoch gab es eine Anh&#xF6;rung vor dem Supreme Court zu der von Donald Trump angestrebten Entlassung von Lisa Cook, einem Mitglied des Fed-Direktoriums. Die Richter schienen den Argumenten der Regierung gegen&#xFC;ber recht kritisch zu sein. Was ist Ihre Haltung?</em></p><p>Das ist eine rechtliche Frage, zu deren juristischen Aspekten ich mich nicht &#xE4;ussern kann. Was ich sagen kann: Niemand steht &#xFC;ber dem Gesetz, auch nicht ein Mitglied des Federal Reserve Board. Wenn diese Gouverneurin behauptet hat, einer ihrer Wohnsitze sei ihr Hauptwohnsitz, obwohl er es nicht war, um einen g&#xFC;nstigeren Hypothekarzins zu erhalten, dann ist das problematisch. Wenn normale Amerikaner so etwas t&#xE4;ten, h&#xE4;tten sie ernsthafte Probleme. Es sollte also niemand &#xFC;ber dem Gesetz stehen. Und wenn sie das tats&#xE4;chlich getan hat &#x2013; und meines Wissens hat sie das nicht bestritten &#x2013;, dann bin ich mir nicht sicher, ob sie geeignet ist, Gouverneurin des Federal Reserve Board zu sein, das ja die Banken beaufsichtigt. Aber das ist eine rechtliche Angelegenheit, und ich bin sicher, dass sie vor Gericht gekl&#xE4;rt wird.</p><p><em>Die Trump-Regierung ist der F&#xFC;hrung des Fed gegen&#xFC;ber generell kritisch eingestellt und ist der Meinung, diese m&#xFC;sse die Leitzinsen viel st&#xE4;rker senken. Teilen Sie diese Haltung?</em></p><p>Ich finde es sehr verd&#xE4;chtig, dass der Fed-Pr&#xE4;sident Jerome Powell kurz vor der Wahl zwischen Kamala Harris und Pr&#xE4;sident Trump 2024 beschlossen hat, die Zinsen deutlich zu senken, um die Wirtschaft anzukurbeln und das Land besser dastehen zu lassen. Das legt nahe, dass sein Urteil nicht immer rein wirtschaftlich ist, sondern manchmal auch politisch.</p><p><em>Das w&#xFC;rden viele Fed-Kenner bestreiten.</em></p><p>Er hat die Zinsen damals um 50 Basispunkte gesenkt &#x2013; also um einen halben Prozentpunkt &#x2013; direkt vor der Wahl. Das stellt seine Unabh&#xE4;ngigkeit und seine politische Neutralit&#xE4;t durchaus infrage.</p><p><em>Sie sind seit langem in der Politik t&#xE4;tig, arbeiteten f&#xFC;r Ronald Reagan, George H. W. Bush, George W.&#xA0;Bush und Donald Trump in seiner ersten Amtszeit. Wie unterscheidet sich Trumps Wirtschaftspolitik von jener seiner republikanischen Vorg&#xE4;nger?</em></p><p>Trump ist in Sachen Steuersenkungen weitergegangen als alle seine Vorg&#xE4;nger. In seiner ersten Amtszeit senkte er die Einkommenssteuern. Diese Senkungen hat er nun gesichert und ausgeweitet. Unternehmen k&#xF6;nnen Investitionen sofort abschreiben, &#xDC;berstunden und Trinkgelder bleiben steuerfrei, und die Erbschaftssteuer zwingt Firmen beim Tod des Eigent&#xFC;mers nicht mehr zur Zerschlagung. Auch beim Abbau von Regulierung ist Trump weitergegangen als seine Vorg&#xE4;nger. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Regulierung unter Pr&#xE4;sident Biden stark zugenommen hatte &#x2013; und Trump nun viel zur&#xFC;ckdrehen konnte.</p><p><em>Wo sehen Sie die amerikanische und die Weltwirtschaft am Ende von Donald Trumps zweiter Amtszeit?</em></p><p>Ich erwarte eine deutlich st&#xE4;rkere amerikanische Wirtschaft dank Steuersenkungen und Deregulierung. F&#xFC;r Europa sind das schlechte Nachrichten. Wenn Trump die Netto-Null-Politik beendet und die Strompreise senkt, entsteht ein Sog: Unternehmen wandern aus Europa in die USA ab. Europa deindustrialisiert sich, auch wegen der Arbeitsmarktregulierung. Es ist nahezu unm&#xF6;glich, in Europa einen Arbeitnehmer zu entlassen. In der Folge sind die Erwerbsquote und die Besch&#xE4;ftigung niedriger. Die Industrieproduktion wandert in die USA, nach China, nach Indien ab. Das ist eine sehr gef&#xE4;hrliche Situation f&#xFC;r Europa.</p><p><em>Diana Furchtgott-Roth wurde 1958 in England geboren und kam als Kind mit ihren Eltern in die USA. Heute ist sie Direktorin des Zentrums f&#xFC;r Energie, Klima und Umwelt bei der konservativen Heritage Foundation. Die &#xD6;konomin war unter vier US-Pr&#xE4;sidenten &#x2013; von Ronald Reagan bis Donald Trump &#x2013; in f&#xFC;hrenden Funktionen im Weissen Haus und in Bundesbeh&#xF6;rden t&#xE4;tig. Sie gilt als einflussreiche Stimme und als Kritikerin gr&#xFC;ner Industriepolitik. Sie lehrt als Dozentin an der George Washington University und studierte Wirtschaftswissenschaften in den USA und in Oxford. Sie ist verheiratet und Mutter von sechs Kindern. (lho.)</em></p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/01/22/d5c5490a-d676-42c8-a41d-09146d6c3495.jpg?width=654&amp;height=872&amp;fit=bounds&amp;quality=75&amp;auto=webp&amp;crop=338,450,x34,y0" class="kg-image" alt="Ist die Globalisierung am Ende? &#xAB;Ach, das ist doch ein Witz&#xBB;, sagt eine der Vordenkerinnen von Donald Trumps zweiter Pr&#xE4;sidentschaft" loading="lazy" width="338" height="450"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Seit Jahrzehnten f&#xFC;r republikanische US-Regierungen t&#xE4;tig: Diana Furchtgott-Roth.PD</span></figcaption></figure>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die erfolgreichste Dekolonisierungsbewegung aller Zeiten – die Gründung Israels war keineswegs ein Geschenk der Uno]]></title><description><![CDATA[Der Mythos, die Juden hätten Israel 1947 von der Uno auf einem Silbertablett bekommen, ist eine Verzerrung der Geschichte. Israel existiert, weil seine Menschen einen Plan hatten und den Preis dafür bezahlten, die Resolution 181 von Papier in Leben zu verwandeln.]]></description><link>https://tat.xbopp.com/die-erfolgreichste-dekolonisierungsbewegung-aller-zeiten-die-grundung-israels-war-keineswegs-ein-geschenk-der-uno/</link><guid isPermaLink="false">696e560a25a86b947e16cdf5</guid><category><![CDATA[Israel]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Mon, 19 Jan 2026 16:09:09 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2026/01/juedische-buerger-1947-g-80630866-jpg--76323-.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2026/01/juedische-buerger-1947-g-80630866-jpg--76323-.jpg" alt="Die erfolgreichste Dekolonisierungsbewegung aller Zeiten &#x2013; die Gr&#xFC;ndung Israels war keineswegs ein Geschenk der Uno"><p><strong><em>Der Mythos, die Juden h&#xE4;tten Israel 1947 von der Uno auf einem Silbertablett bekommen, ist eine Verzerrung der Geschichte. Israel existiert, weil seine Menschen einen Plan hatten und den Preis daf&#xFC;r bezahlten, die Resolution 181 von Papier in Leben zu verwandeln.</em></strong></p><p><em>NZZ, Jan Kapusnak, 17.01.2026</em></p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/01/16/c3f6a023-855e-4f0c-917a-39dca656875c.jpg?width=654&amp;height=439&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="Die erfolgreichste Dekolonisierungsbewegung aller Zeiten &#x2013; die Gr&#xFC;ndung Israels war keineswegs ein Geschenk der Uno" loading="lazy" width="654" height="439"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Jubel &#xFC;ber den von der Uno angenommenen Teilungsplan auf den Strassen von Tel Aviv.Hans Pins / Hulton Archive / Getty</span></figcaption></figure><p>Am Abend des 29.&#xA0;November 1947, als die Ergebnisse der Abstimmung der Uno-Generalversammlung &#xFC;ber die Resolution 181 &#xFC;ber die Radios kamen, str&#xF6;mten die Juden im Land Israel auf die Strassen. Nach Jahrhunderten des Gebets, Jahrzehnten diplomatischer Bem&#xFC;hungen, des Landerwerbs und des Aufbaus eigener Institutionen war die Vision eines eigenen Staates greifbar nah. Die internationale Gemeinschaft hatte soeben vorgeschlagen, das britische Mandatsgebiet Pal&#xE4;stina in zwei Staaten zu teilen &#x2013; &#xAB;einen arabischen und einen j&#xFC;dischen&#xBB;.</p><p>Aus diesem Moment der Euphorie erwuchs ein hartn&#xE4;ckiger Mythos: dass die Uno den Juden einen Staat auf dem Silbertablett serviert habe. In der heutigen antizionistischen Rhetorik erscheint Israel als westlicher Kolonialposten, angeblich in New York durch eine &#xAB;j&#xFC;dische Verschw&#xF6;rung&#xBB; heraufbeschworen und durch das Ausspielen einer &#xAB;Holocaust-Mitleidskarte&#xBB; gegen&#xFC;ber einer schuldbewussten Welt &#x2013; und dieselben undankbaren Zionisten sollen seither die Geburt eines arabischen Staates verhindert haben.</p><p>Ironischerweise hallt dieses Narrativ heute in einer eigenen Gedenkfeier der Uno zum 29.&#xA0;November wider, dem &#xAB;Internationalen Tag der Solidarit&#xE4;t mit dem pal&#xE4;stinensischen Volk&#xBB; &#x2013; einem Ritual feierlich-trauriger Reden, die den &#xAB;unerf&#xFC;llten&#xBB; arabischen Staat betrauern, oft durchzogen von antisemitischen Anspielungen und einseitiger Schuldzuweisung an Israel. Bei einer solchen Veranstaltung sass Kofi Annan, damals Generalsekret&#xE4;r, unter einer Landkarte, auf der Israel schlicht nicht existierte: Das gesamte Gebiet zwischen Fluss und Meer war als &#xAB;Pal&#xE4;stina&#xBB; beschriftet &#x2013; die kartografische Phantasie heutiger Pal&#xE4;stina-Aktivisten und eine Szene, die den Geist dieses Solidarit&#xE4;tstages treffend einf&#xE4;ngt.</p><h2 id="nur-scheinbar-grossz%C3%BCgig">Nur scheinbar grossz&#xFC;gig</h2><p>Diese Erz&#xE4;hlungen verschleiern, was die Resolution tats&#xE4;chlich sagte &#x2013; und wer damals daf&#xFC;r sorgte, dass der besagte arabische Staat nicht entstand.</p><p>Die Generalversammlung hat keine Macht, Staaten zu schaffen. Die Resolution 181 empfahl lediglich die Teilung des Gebiets des britischen Mandats, dessen Grundlage in der Balfour-Deklaration von 1917 lag &#x2013; dem Versprechen, &#xAB;in Pal&#xE4;stina die Errichtung einer nationalen Heimst&#xE4;tte f&#xFC;r das j&#xFC;dische Volk&#xBB; zu unterst&#xFC;tzen und zugleich die b&#xFC;rgerlichen und religi&#xF6;sen Rechte der nichtj&#xFC;dischen Gemeinden zu gew&#xE4;hrleisten.</p><p>1922 &#xFC;berf&#xFC;hrte der V&#xF6;lkerbund, der Vorg&#xE4;nger der Uno, dieses Versprechen in das V&#xF6;lkerrecht, erkannte die &#xAB;historische Verbindung des j&#xFC;dischen Volkes mit Pal&#xE4;stina&#xBB; an und beauftragte Grossbritannien, dieses Versprechen in die Realit&#xE4;t umzusetzen &#x2013; faktisch der Beginn eines Dekolonisierungsprozesses.</p><p>Das Mandat war darauf angelegt, zu bestehen, bis seine Ziele erreicht waren. Stattdessen zog sich Grossbritannien Schritt f&#xFC;r Schritt aus seinen Verpflichtungen zur&#xFC;ck &#x2013; zum Teil blockierte es aktiv die Entstehung eines j&#xFC;dischen Staates &#x2013; und verlor den Willen, sie durchzusetzen. Am Ende &#xFC;bergab London die ungel&#xF6;ste Pal&#xE4;stinafrage an die neugegr&#xFC;ndeten Vereinten Nationen.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/01/16/50148804-3a87-49e6-b531-50b91aa126ca.jpg?width=654&amp;height=461&amp;fit=bounds&amp;quality=75&amp;auto=webp&amp;crop=3738,2624,x0,y331" class="kg-image" alt="Die erfolgreichste Dekolonisierungsbewegung aller Zeiten &#x2013; die Gr&#xFC;ndung Israels war keineswegs ein Geschenk der Uno" loading="lazy" width="654" height="459"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Vorsitz der Uno-Debatte &#xFC;ber den Teilungsbeschluss 1947. Rechts der damalige Uno-Generalsekret&#xE4;r, der Norweger Trygve Lie.Bettmann / Getty</span></figcaption></figure><p>Die Resolution wies dem vorgesehenen j&#xFC;dischen Staat rund 56 Prozent des Gebiets zu, dem arabischen etwa 43 Prozent. Auf dem Papier schien der j&#xFC;dische Anteil grossz&#xFC;gig; in der Realit&#xE4;t bestand ein grosser Teil davon aus der kargen Negevw&#xFC;ste.</p><p>Einige Monate vor der Abstimmung bereiste der elfk&#xF6;pfige Sonderausschuss der Uno f&#xFC;r Pal&#xE4;stina (UNSCOP) das Mandatsgebiet, um die Fakten zu erheben, auf denen seine Empfehlungen beruhen sollten. Die Grenzen, die er schliesslich vorschlug, waren kein Produkt &#xAB;kolonialer Willk&#xFC;r&#xBB;, sondern folgten sinnhaft einer bereits bestehenden demografischen und wirtschaftlichen Realit&#xE4;t.</p><p>In den Jahrzehnten zuvor hatten Zionisten staatsbildende Institutionen aufgebaut, St&#xE4;dte und Kibbuzim gegr&#xFC;ndet, Strassen und H&#xE4;fen gebaut. Das j&#xFC;dische Siedlungsgebiet wuchs nicht durch Enteignung arabischen Eigentums, sondern durch Landerwerb und die Wiedergewinnung von Gebieten, die zuvor Sumpf oder &#xD6;dland waren. Wissenschaftlich fundierte Anti-Malaria-Kampagnen verwandelten S&#xFC;mpfe an der K&#xFC;ste, im Jesreel-Tal und in Teilen Galil&#xE4;as in Agrar- und Siedlungsland &#x2013; ein Magnet nicht nur f&#xFC;r j&#xFC;dische, sondern auch f&#xFC;r arabische Zuwanderer. UNSCOP verband diese zusammenh&#xE4;ngenden Zonen zu einer territorialen Einheit &#x2013; dies wurde zur Grundlage des j&#xFC;dischen Staates.</p><h2 id="nur-kein-j%C3%BCdischer-staat">Nur kein j&#xFC;discher Staat</h2><p>Arabische F&#xFC;hrer boykottierten UNSCOP und behaupteten, seine Mitglieder h&#xE4;tten sich bereits vor ihrer Ankunft festgelegt. Der Vorwurf war haltlos. Der niederl&#xE4;ndische Delegierte Nicolas Blom &#x2013; dessen proarabische Haltung durch die niederl&#xE4;ndische Herrschaft im muslimischen Indonesien gepr&#xE4;gt war &#x2013; lehnte eine Teilung fast bis zum Ende ab und &#xE4;nderte seine Meinung erst, nachdem er das Land bereist und gesehen hatte, dass die zionistische Gemeinschaft modern, gut organisiert und eindeutig f&#xE4;hig war, einen Staat zu tragen.</p><p>Der iranische Diplomat Nasrollah Entezam, ebenfalls als antizionistisch geltend, verliess einen Kibbuz in der Negev mit den Worten: &#xAB;Was sind die Araber f&#xFC;r Esel! Das Land ist so sch&#xF6;n, und man kann es entwickeln. Wenn man es den Juden g&#xE4;be, w&#xFC;rden sie daraus Europa machen.&#xBB; Seine schonungslose Bemerkung machte deutlich, wie sehr die Karte von 1947 der dort investierten Arbeit folgte.</p><p>Die Uno vermochte eine Karte zu zeichnen, aber sie konnte die Teilung nicht durchsetzen; das hing von den Akteuren vor Ort ab. Nach schmerzhaften inneren Debatten akzeptierte die zionistische F&#xFC;hrung die Resolution als Kompromiss: Jerusalem sollte unter ein internationales Regime gestellt, viele historische Gebiete in Jud&#xE4;a und Samaria dem arabischen Staat zugeschlagen werden &#x2013; und doch blieb dies der einzige Weg zu anerkannter Souver&#xE4;nit&#xE4;t. David Ben-Gurion, Staatsgr&#xFC;nder und erster Ministerpr&#xE4;sident, sprach nach der Abstimmung vom &#xAB;gr&#xF6;ssten Erfolg des j&#xFC;dischen Volkes in seiner langen Geschichte, seit es ein Volk geworden ist&#xBB;.</p><p>Die arabischen F&#xFC;hrer wiesen den Plan hingegen rundweg zur&#xFC;ck. Das Arabische Oberkomitee in Pal&#xE4;stina lehnte jede Regelung ab, die einen j&#xFC;dischen Staat &#x2013; und sei er noch so klein &#x2013; anerkannte, und k&#xFC;ndigte an, die Umsetzung der Resolution &#xAB;mit allen notwendigen Mitteln&#xBB; zu verhindern. Es war ein bekanntes Muster: Schon fr&#xFC;here Teilungspl&#xE4;ne wie den Peel-Plan von 1937 hatten sie verworfen, und sp&#xE4;tere Angebote sollten sie ebenfalls ablehnen. F&#xFC;r sie lag das Problem nicht in den Grenzen, sondern in der blossen Existenz eines j&#xFC;dischen Staates. Abdel Rahman Azzam, Generalsekret&#xE4;r der Arabischen Liga, wies warnend darauf hin, dessen Entstehung bedeute &#xAB;einen Vernichtungskrieg und ein gewaltiges Massaker, von dem man sprechen wird wie von den Massakern der Mongolen und den Kreuzz&#xFC;gen&#xBB;.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2023/11/02/e8452e3c-1d8f-4c3c-b82f-fa08ad887dda.jpeg?width=654&amp;height=464&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="Die erfolgreichste Dekolonisierungsbewegung aller Zeiten &#x2013; die Gr&#xFC;ndung Israels war keineswegs ein Geschenk der Uno" loading="lazy" width="654" height="464"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Arabische K&#xE4;mpfer begutachten einen zerst&#xF6;rten Nachschubtransport der israelischen Haganah, 1948.Universal History / Getty</span></figcaption></figure><p>Die Ereignisse vor Ort best&#xE4;tigten diese Drohungen sofort. Schon am n&#xE4;chsten Tag, dem 30.&#xA0;November 1947, &#xFC;berfielen arabische Terroristen zwei j&#xFC;dische Busse bei Kfar Sirkin und t&#xF6;teten sieben Passagiere &#x2013; weithin als Auftakt des B&#xFC;rgerkriegs von 1947/48 im britischen Mandatsgebiet Pal&#xE4;stina gesehen. Das Land versank in brutalen K&#xE4;mpfen zwischen dem j&#xFC;dischen Jischuw und arabischen Milizen, w&#xE4;hrend die britischen Truppen, bereits im R&#xFC;ckzug, kaum noch eingriffen.</p><p>Die damaligen Einsch&#xE4;tzungen in Washington waren alles andere als optimistisch. Ein CIA-Bericht mit dem Titel &#xAB;The Consequences of the Partition of Palestine&#xBB;, datiert auf den 28.&#xA0;November 1947 &#x2013; einen Tag vor der Abstimmung &#x2013;, sagte bewaffnete Auseinandersetzungen voraus und warnte davor, in einem l&#xE4;ngeren Abnutzungskrieg w&#xFC;rden &#xAB;die Juden nicht l&#xE4;nger als zwei Jahre Widerstand leisten k&#xF6;nnen&#xBB;, sofern sie keine massive Unterst&#xFC;tzung von aussen erhielten. Die Zweifel, ob ein j&#xFC;discher Staat einem koordinierten arabischen Angriff standhalten k&#xF6;nne, waren gross.</p><p>Wenige Monate sp&#xE4;ter wurde dieses Szenario auf die Probe gestellt. Am 14.&#xA0;Mai 1948, mit dem Ende des britischen Mandats, rief Ben-Gurion den Staat Israel aus. Binnen Stunden marschierten Armeen aus &#xC4;gypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und dem Irak ein. Aus einem B&#xFC;rgerkrieg war ein regionaler Krieg geworden.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/01/16/d6660108-82c1-4dad-968d-82d2c134188f.jpg?width=654&amp;height=445&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="Die erfolgreichste Dekolonisierungsbewegung aller Zeiten &#x2013; die Gr&#xFC;ndung Israels war keineswegs ein Geschenk der Uno" loading="lazy" width="654" height="445"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">David Ben-Gurion verk&#xFC;ndet die Gr&#xFC;ndung des Staates Israel, 14. Mai 1948.Universal History / Getty</span></figcaption></figure><h2 id="%C3%BCberfall-ohne-strategie">&#xDC;berfall ohne Strategie</h2><p>Der neue Staat k&#xE4;mpfte unter &#xE4;usserst schwierigen Bedingungen. Ein Uno-Waffenembargo galt zwar f&#xFC;r die gesamte Region, traf in der Praxis jedoch die Juden st&#xE4;rker als die arabischen Staaten, von denen viele bereits &#xFC;ber regul&#xE4;re, von den Briten ausgebildete Armeen mit organisierten Kommandostrukturen und gut gef&#xFC;llten Arsenalen verf&#xFC;gten. Der Krieg war eine Kette verzweifelter Abwehrgefechte. An den j&#xFC;dischen milit&#xE4;rischen Umst&#xE4;nden war nichts &#xAB;silbern&#xBB;.</p><p>Und doch f&#xFC;hrte dieser materielle Vorteil nicht zum arabischen Sieg, weil es den Angreifern an einer koh&#xE4;renten politisch-milit&#xE4;rischen Strategie fehlte. Die arabischen Armeen bildeten keine einheitliche Streitmacht, sondern eine Koalition von Regimen mit konkurrierenden Zielen, Rivalit&#xE4;ten und roten Linien: Jordaniens Arabische Legion, die professionellste Formation, k&#xE4;mpfte nach eigenen Priorit&#xE4;ten; &#xC4;gypten f&#xFC;hrte seinen eigenen Feldzug im S&#xFC;den und versuchte zugleich, jordanische Gewinne zu verhindern; Syrien und der Irak operierten auf anderen Fronten mit nur begrenzter Koordination. Manche f&#xFC;rchteten sogar einen neuen arabischen Staat als k&#xFC;nftigen Rivalen.</p><p>F&#xFC;r viele wurde der Krieg weniger von pal&#xE4;stinensischer Staatlichkeit getrieben als von territorialen Ambitionen &#x2013; und schlicht vom Ziel, jede j&#xFC;dische Souver&#xE4;nit&#xE4;t zu verhindern. Israel hingegen k&#xE4;mpfte auf inneren Linien mit einem einzigen &#xFC;bergeordneten Ziel: dem &#xDC;berleben.</p><p>Wenn die Uno den Juden keinen Staat &#xAB;geschenkt&#xBB; hat, dann hat ihnen die Tschechoslowakei wom&#xF6;glich geholfen, ihn zu halten. In einer geheimen Lieferkette mit dem Decknamen &#xAB;Operation Balak&#xBB; nutzte Prag seine R&#xFC;stungsindustrie und eine schon vor dem Zweiten Weltkrieg vorhandene Sympathie f&#xFC;r den Zionismus, um Waffen und &#x2013; entscheidend &#x2013; Avia-S-199-Jagdflugzeuge, umger&#xFC;stete Messerschmitts, an das bedr&#xE4;ngte Israel zu liefern.</p><p>Hinter diesen Gesch&#xE4;ften stand intensive zionistische Diplomatie: Emiss&#xE4;re der Haganah reisten durch europ&#xE4;ische Hauptst&#xE4;dte und trugen ihr Anliegen vor. Eine Schl&#xFC;sselfigur war der tschechoslowakische Aussenminister Jan Masaryk &#x2013; Sohn des Staatsgr&#xFC;nders, langj&#xE4;hriger Freund einer j&#xFC;dischen Staatsgr&#xFC;ndung und selbst eine &#xAB;Ja&#xBB;-Stimme f&#xFC;r die Resolution 181 &#x2013;, der dem Haganah-Gesandten Ehud Avriel sogar half, &#xE4;thiopische Tarnpapiere zu erhalten, damit die Waffen offiziell als nach Addis Abeba bestimmt schienen.</p><p>Die Tschechoslowakei bildete auch israelische Piloten aus, unter ihnen ein junger Ezer Weizman, der sp&#xE4;tere Luftwaffenchef und Staatspr&#xE4;sident. Was als Initiative Prags begann, geschah nicht im luftleeren Raum: Nach dem kommunistischen Umsturz im Februar 1948 war die Tschechoslowakei fest im sowjetischen Einflussbereich, und Ausfuhren dieser Gr&#xF6;ssenordnung waren nur mit Zustimmung Moskaus m&#xF6;glich. Stalin sah eine Chance, Grossbritannien im Nahen Osten zu schw&#xE4;chen, hoffte, ein von Arbeiterzionisten gef&#xFC;hrtes Israel w&#xFC;rde zum sozialistischen Lager tendieren, f&#xFC;rchtete aber zugleich, die arabischen Staaten offen vor den Kopf zu stossen.</p><p>F&#xFC;r einen kurzen Moment hing die Zukunft Israels an einigen gebrauchten Flugzeugen &#x2013; und am Mut eines kleinen Staates, internationale Beschr&#xE4;nkungen zu ignorieren.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/01/16/207f3353-6114-41a2-a999-00d2511be69f.jpg?width=654&amp;height=1189&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="Die erfolgreichste Dekolonisierungsbewegung aller Zeiten &#x2013; die Gr&#xFC;ndung Israels war keineswegs ein Geschenk der Uno" loading="lazy" width="654" height="1189"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Sinnhaft der bereits bestehenden demografischen und wirtschaftlichen Realit&#xE4;t verpflichtet: Die Karte Pal&#xE4;stinas nach dem Teilungsplan der Uno.Universal History / Getty</span></figcaption></figure><h2 id="zerst%C3%B6rung-des-j%C3%BCdischen-viertels-in-jerusalem">Zerst&#xF6;rung des j&#xFC;dischen Viertels in Jerusalem</h2><p>Das Ergebnis des Krieges von 1948/49 spiegelte die Priorit&#xE4;ten beider Seiten wider. Auf israelischer Seite war sie klar: &#xFC;berleben. Israel ging aus dem Krieg mit rund einem Drittel mehr Gebiet hervor, als die Uno urspr&#xFC;nglich zugeteilt hatte &#x2013; um den Preis von etwa 6000 Toten, rund einem Prozent einer Bev&#xF6;lkerung von kaum 600&#xA0;000 Menschen, viele davon erst kurz zuvor den NS-Vernichtungslagern entkommen, und vielen weiteren Verwundeten.</p><p>Gleichzeitig fiel die Altstadt Jerusalems, einschliesslich Klagemauer und Tempelberg, an die jordanische Arabische Legion, das j&#xFC;dische Viertel wurde zerst&#xF6;rt, und der Grossteil des f&#xFC;r einen arabischen Staat vorgesehenen Territoriums ging an Jordanien im Westjordanland und an &#xC4;gypten im Gazastreifen. Die Beseitigung eines j&#xFC;dischen Staates, nicht der Aufbau eines arabischen, entsprach den Interessen der benachbarten Regime &#x2013; ein Faktum, das bei den 29.-November-Zeremonien der Uno kaum je zur Sprache kommt. Stattdessen entsteht h&#xE4;ufig der Eindruck, Israel m&#xFC;sse sich daf&#xFC;r entschuldigen, dass es der Teilung zugestimmt und gewagt hatte, um seine Existenz zu k&#xE4;mpfen.</p><p>In der Gewissheit eines schnellen Sieges hatten im Krieg viele arabische F&#xFC;hrer und Medien die arabische Zivilbev&#xF6;lkerung vor Ort aufgefordert zu fliehen &#x2013; verbunden mit dem Versprechen einer raschen R&#xFC;ckkehr nach Israels Niederlage. Jahre sp&#xE4;ter schrieb Khaled al-Azm, 1948 Ministerpr&#xE4;sident Syriens, in seinen Memoiren: &#xAB;Wir .&#xA0;.&#xA0;. haben sie zum Weggehen ermuntert .&#xA0;.&#xA0;. Wir haben &#xFC;ber eine Million arabischer Fl&#xFC;chtlinge ins Verderben gest&#xFC;rzt, indem wir sie aufforderten und anflehten, ihr Land zu verlassen.&#xBB;</p><p>Das erkl&#xE4;rt nicht die ganze Fl&#xFC;chtlingsgeschichte &#x2013; es gab auch Brutalit&#xE4;t, Vertreibung und Chaos &#x2013;, aber es zeigt, wie arabische Selbst&#xFC;bersch&#xE4;tzung eine &#xAB;taktische Flucht&#xBB; in ein langfristiges Desaster f&#xFC;r das eigene Volk verwandelte. Dieses wurde sp&#xE4;ter unter dem Namen Nakba (Katastrophe) mythologisiert, im propagandistischen Bem&#xFC;hen, es dem Narrativ des Holocaust gleichzustellen und dadurch eine pal&#xE4;stinensische Identit&#xE4;t zu schaffen.</p><p>Doch die Geschichte ist unvollst&#xE4;ndig ohne einen weiteren, oft &#xFC;bersehenen Fakt: 1948 blieb eine betr&#xE4;chtliche arabische Bev&#xF6;lkerung innerhalb der Grenzen Israels und wurde zu israelischen Staatsb&#xFC;rgern &#x2013; etwa ein F&#xFC;nftel der fr&#xFC;hen Bev&#xF6;lkerung &#x2013; und bildet bis heute den Kern der arabischen Minderheit. Israels Unabh&#xE4;ngigkeitserkl&#xE4;rung, mitten im Krieg verabschiedet, rief die arabischen Einwohner auf, &#xAB;den Frieden zu bewahren&#xBB;, und versprach &#xAB;volle und gleiche Staatsb&#xFC;rgerschaft&#xBB;.</p><p>Ungeachtet sp&#xE4;terer Reibungen und Beschwerden w&#xE4;hlen arabische Staatsb&#xFC;rger, gr&#xFC;nden Parteien, sitzen in der Knesset, studieren an israelischen Universit&#xE4;ten und nutzen dasselbe &#xF6;ffentliche Gesundheitssystem &#x2013; mit weit gr&#xF6;sseren politischen Freiheiten und einem h&#xF6;heren Lebensstandard als in weiten Teilen der Region. Diese Realit&#xE4;t untergr&#xE4;bt die notorische Behauptung, Israel sei von suprematistischen Zionisten als ethnisch oder religi&#xF6;s &#xAB;reines&#xBB; Projekt konzipiert worden.</p><h2 id="zionismus-heisst-j%C3%BCdische-selbstbestimmung">Zionismus heisst: j&#xFC;dische Selbstbestimmung</h2><p>Fast schon wie durch ein Wunder bezeichnete der Pr&#xE4;sident der Pal&#xE4;stinensischen Autonomiebeh&#xF6;rde, Mahmud Abbas, 2011 die arabische Ablehnung des Teilungsplans von 1947 als historischen Fehler: &#xAB;Es war unser Fehler. Es war ein arabischer Fehler insgesamt&#xBB;, sagte er &#x2013; und r&#xE4;umte damit ein, dass die Araber eine Chance auf Staatlichkeit neben Israel verpasst hatten. Doch bis heute weigert sich die Pal&#xE4;stinensische Autonomiebeh&#xF6;rde &#x2013; ganz zu schweigen von der Hamas &#x2013;, Israel als den in der Resolution 181 vorgesehenen j&#xFC;dischen Staat anzuerkennen.</p><p>Noch aufschlussreicher ist, dass pal&#xE4;stinensische Staatlichkeit h&#xE4;ufig in ausschliessenden Kategorien gedacht wird: als ein Staat, in dem Juden nicht leben d&#xFC;rften &#x2013; oder zumindest nicht als B&#xFC;rger mit gleichen Rechten. Darin liegt eine eklatante Asymmetrie, die die internationale Gemeinschaft allzu oft &#xFC;bergeht: Israel wird immer wieder verurteilt, obwohl es eine grosse arabische Minderheit als Staatsb&#xFC;rger integriert hat, w&#xE4;hrend bei einem zuk&#xFC;nftigen pal&#xE4;stinensischen Staat nicht selten selbstverst&#xE4;ndlich von einem &#xAB;judenfreien&#xBB; Gemeinwesen ausgegangen wird &#x2013; und diese Annahme kaum mit derselben moralischen Dringlichkeit hinterfragt wird.</p><p>Was also haben die Vereinten Nationen den Juden am 29.&#xA0;November 1947 tats&#xE4;chlich gegeben? Sie gaben ihnen weder sichere Grenzen noch Sicherheit; beides wurde in einem Krieg errungen, in dem Juden schon am Morgen nach der Abstimmung unter Beschuss standen. Sie gaben ihnen keinen Sieg; der wurde &#x2013; wie der Dichter Natan Alterman voraussah &#x2013; mit dem Leben junger Frauen und M&#xE4;nner bezahlt, der eigentlichen &#xAB;Silberplatte&#xBB;.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2023/11/02/eb52eb57-9be6-459b-b9b9-7f17ce1b5a95.jpeg?width=654&amp;height=445&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="Die erfolgreichste Dekolonisierungsbewegung aller Zeiten &#x2013; die Gr&#xFC;ndung Israels war keineswegs ein Geschenk der Uno" loading="lazy" width="654" height="445"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">&#xAB;Nakba&#xBB;: Von ihrer F&#xFC;hrung im Vertrauen auf den k&#xFC;nftigen Sieg zur Flucht aufgefordert, verl&#xE4;sst ein grosser Teil der arabischen Bev&#xF6;lkerung die Israel zugedachten Gebiete, 1948.Getty</span></figcaption></figure><p>Die Resolution 181 bot etwas Bescheideneres, aber Entscheidendes: internationale Legitimit&#xE4;t f&#xFC;r einen j&#xFC;dischen Staat im Land Israel. Sie brachte den Begriff &#xAB;j&#xFC;discher Staat&#xBB; in die Sprache der Uno und verlieh einem Anspruch, den Juden &#xFC;ber Generationen hinweg erhoben hatten, rechtlich-diplomatische Anerkennung. F&#xFC;r einen kurzen historischen Moment deckte sich der Wortschatz der Uno mit der schlichten Bedeutung des Zionismus: j&#xFC;dische Selbstbestimmung &#x2013; das organisierte, schliesslich erf&#xFC;llte Verlangen eines von Antisemitismus und wiederkehrenden Pogromen gezeichneten Volkes, einen eigenen Staat zu haben.</p><p>Alles andere leisteten Menschen, nicht die Vereinten Nationen &#x2013; zionistische F&#xFC;hrungspers&#xF6;nlichkeiten, die jahrelang die Welt bearbeiteten und zugleich die Verteidigung organisierten; Holocaust-&#xDC;berlebende, die wenige Wochen nach dem Verlassen eines Displaced-Persons-Lagers das Gewehr in die Hand nahmen; Frauen, die Waffen schmuggelten; Jugendliche in improvisierten Uniformen, die abgelegene Kibbuzim bewachten.</p><p>Der Mythos, die Juden h&#xE4;tten Israel auf einem Silbertablett bekommen, verf&#xE4;lscht nicht nur die Geschichte; er beleidigt diejenigen, die dieses Silbertablett tats&#xE4;chlich waren. Der j&#xFC;dische Staat existiert nicht, weil er den Juden als Gunstbeweis gew&#xE4;hrt wurde, sondern weil seine Menschen den Preis daf&#xFC;r bezahlt haben, eine Resolution auf Papier in ein lebendiges Land zu verwandeln &#x2013; und damit den Zionismus wohl zur erfolgreichsten Dekolonisierungsbewegung der modernen Geschichte &#xFC;berhaupt gemacht haben.</p><p><em><strong>Jan Kapusnak</strong>&#xA0;lebt als freier Autor in Tel Aviv und schreibt &#xFC;ber den Nahen Osten, Israel sowie geopolitische Themen.</em></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der Himmel über Jerusalem]]></title><description><![CDATA[Der Tempelberg in Jerusalem ist der konfliktträchtigste religiöse Ort der Welt. Hier standen die beiden jüdischen Tempel, von hier soll Mohammed in den Himmel aufgestiegen sein. Die Aksa-Moschee dient der Mystifikation des palästinensischen Kampfes gegen Israel.]]></description><link>https://tat.xbopp.com/untitled-3/</link><guid isPermaLink="false">6960e66725a86b947e16cddf</guid><category><![CDATA[Islam]]></category><category><![CDATA[Israel]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Fri, 09 Jan 2026 11:35:44 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2026/01/DSC04084_DxO_09_15_2024.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2026/01/DSC04084_DxO_09_15_2024.jpg" alt="Der Himmel &#xFC;ber Jerusalem"><p><strong>Wie der erfundene j&#xFC;dische Plan zur Zerst&#xF6;rung der Al-Aksa-Moschee die Gewaltdoktrin der Hamas st&#xFC;tzt.</strong></p><p><strong>Der Tempelberg in Jerusalem ist der konflikttr&#xE4;chtigste religi&#xF6;se Ort der Welt. Hier standen die beiden j&#xFC;dischen Tempel, von hier soll Mohammed in den Himmel aufgestiegen sein. Die Aksa-Moschee dient der Mystifikation des pal&#xE4;stinensischen Kampfes gegen Israel.</strong></p><p><em>NZZ, Jan Kapusnak08.01.2026</em></p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/01/06/d1da61d9-9ebf-442b-9b8e-8617126c6cbf.jpg?width=654&amp;height=492&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="Der Himmel &#xFC;ber Jerusalem" loading="lazy" width="654" height="492"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Blick aus der Vogelperspektive &#xFC;ber die Anh&#xF6;he in Jerusalem, auf der einst der j&#xFC;dische Tempel stand. Vorn mit grauer Kuppel die Al-Aksa-Moschee, in der Mitte mit goldener Kuppel der Felsendom.Ilan Rosenberg / Reuters</span></figcaption></figure><p>An vielen Morgen in Jerusalem wirkt das Gel&#xE4;nde der Al-Aksa-Moschee weniger wie ein Ort des Gebets denn wie eine Frontlinie. Im Inneren verschanzen sich junge Pal&#xE4;stinenser mit Steinen, Feuerwerksk&#xF6;rpern und Kameras und warten auf die israelische Bereitschaftspolizei. Ein kurzer Zusammenstoss &#x2013; Steine, Blendgranaten, Rauch &#x2013;, und schon geht durch die sozialen Netzwerke die Schlagzeile: &#xAB;Al-Aksa wird angegriffen.&#xBB; Wo al-Aksa als vom Untergang bedroht und der Endkampf gegen die muslimische Welt lanciert scheint, wird Gewalt zur heiligen Pflicht und Terrorismus zur &#xAB;Verteidigung des Islam&#xBB;. Ein lokales Scharm&#xFC;tzel wird zu einem Zivilisationskampf stilisiert, in dem Blutvergiessen geheiligt ist.</p><p>Als die Hamas am 7.&#xA0;Oktober 2023 ihren verheerenden Angriff auf Israel startete, nannte sie die Operation &#xAB;Tufan al-Aksa&#xBB; &#x2013; &#xAB;Al-Aksa-Flut&#xBB;. In westlichen Ohren mag das wie ein Slogan klingen, doch die Botschaft war eindeutig: Das Massaker sei kein Verbrechen, sondern eine &#xAB;Verteidigungsschlacht&#xBB; in einem heiligen Krieg um die Moschee. Im Zentrum dieser Erz&#xE4;hlung steht die seit Jahrhunderten kursierende Verleumdung, Juden oder Israel planten, die Moschee zu zerst&#xF6;ren und an ihrer Stelle einen dritten j&#xFC;dischen Tempel zu errichten. Das ist &#xFC;ble und leider auch t&#xF6;dliche Propaganda.</p><h2 id="heiliger-mythischer-ort">Heiliger mythischer Ort</h2><p>Der Ruf verf&#xE4;ngt, weil der Al-Aksa-Komplex auf dem Tempelberg liegt &#x2013; Har Habayit auf Hebr&#xE4;isch, al-Haram al-Sharif (&#xAB;Edles Heiligtum&#xBB;) auf Arabisch &#x2013;, dem wohl konflikttr&#xE4;chtigsten religi&#xF6;sen Ort der Welt. Lange bevor sich der Islam in der Gegend breitmachte, war dies die Achse der j&#xFC;dischen Heilsgeografie: der Ort, wo Abraham beinahe Isaak opferte, wo Salomos Tempel den Babyloniern zum Opfer fiel und wo der zweite Tempel stand, bis ihn die R&#xF6;mer im Jahr 70 n.&#xA0;Chr. zerst&#xF6;rten. In seinem Innersten lag der Grundstein (Even ha-Shetiya), von dem aus die Sch&#xF6;pfung begonnen haben soll. Heute ist davon noch ein Teil der St&#xFC;tzmauer sichtbar: die Westmauer.</p><blockquote>Israel behielt Souver&#xE4;nit&#xE4;t und Sicherheit, doch die Verwaltung der Al-Aksa-Anlage blieb bei Jordanien.</blockquote><p>Der Islam legte seine eigene Geschichte &#xFC;ber denselben Stein. Sp&#xE4;tere &#xDC;berlieferungen berichten, Mohammed sei von hier aus in der Nacht der Himmelsreise in den Himmel aufgestiegen. Der Koran bleibt hier jedoch auffallend vage. Er spricht von einer n&#xE4;chtlichen Reise von der &#xAB;heiligen Moschee&#xBB; in Mekka zur &#xAB;fernsten Moschee&#xBB; (al-Masjid al-Aksa), nennt aber weder Jerusalem noch dessen sp&#xE4;teren arabischen Namen al-Kuds und beschreibt weder einen bestimmten Felsen noch ein Geb&#xE4;ude. Einige fr&#xFC;he Traditionen verorteten diese &#xAB;fernste Moschee&#xBB; sogar im Himmel.</p><p>Erst nach Mohammeds Tod und der arabischen Eroberung Jerusalems &#x2013; im 7.&#xA0;Jahrhundert unter Kalif Umar ibn al-Khattab dem Byzantinischen Reich abgerungen &#x2013; wurde der Tempelberg als al-Majid al-Aksa beansprucht und sodann zum drittheiligsten Ort des Islam nach Mekka und Medina erkl&#xE4;rt. Unter christlicher Herrschaft war das fr&#xFC;here Tempelareal weitgehend eine Ruinenlandschaft geblieben, stellenweise als M&#xFC;llkippe genutzt &#x2013; eine &#xAB;Theologie aus Stein&#xBB;, die signalisieren sollte, dass der j&#xFC;dische Tempel endg&#xFC;ltig Vergangenheit sei. Auf diesen Tr&#xFC;mmern errichteten die Umayyaden ihre eigenen Monumente: 691/692 liess Kalif Abdelmalik den goldenen Felsendom &#xFC;ber dem Grundstein bauen, wenige Jahrzehnte sp&#xE4;ter vollendete sein Sohn al-Walid I. die heute silbern bekuppelte Al-Aksa-Moschee. Eine architektonische Machterkl&#xE4;rung dazu, wer nun den H&#xFC;gel beherrschte.</p><p>Im Lauf der Jahrhunderte begannen muslimische Autorit&#xE4;ten, den gesamten H&#xFC;gel &#x2013; einschliesslich der Klagemauer &#x2013; als ausschliesslich islamisch zu betrachten; j&#xFC;disches Gebet galt als Entweihung. Erst unter den Osmanen (1517&#x2013;1918) wurden j&#xFC;dische Gebetsrechte an der Mauer anerkannt. Anfang des 20.&#xA0;Jahrhunderts waren die Heiligt&#xFC;mer sichtbar vernachl&#xE4;ssigt. In den 1920er Jahren sammelte der Grossmufti von Jerusalem, Haj Amin al-Husseini, Spenden zur Renovierung des Areals und machte al-Aksa zu einem Symbol des panarabischen, sp&#xE4;ter des pal&#xE4;stinensischen Nationalismus gegen den zionistischen St&#xE4;dtebau in Jerusalem.</p><p>Es war auch der mit den Nazis paktierende al-Husseini, der das Narrativ lancierte: &#xAB;Al-Aksa ist in Gefahr&#xBB; &#x2013; Code f&#xFC;r einen angeblichen zionistischen Plan, die Moschee zu zerst&#xF6;ren. Der Slogan wanderte rasch in das ideologische Repertoire des Islamismus und wurde sp&#xE4;ter von der Hamas bewirtschaftet und perfektioniert.</p><h2 id="bemerkenswerte-selbstbeschr%C3%A4nkung">Bemerkenswerte Selbstbeschr&#xE4;nkung</h2><p>1948, nach der Annexion der Altstadt durch Jordanien, wurden Juden vertrieben und von der Klagemauer ausgeschlossen, Synagogen im j&#xFC;dischen Viertel gesprengt und der Friedhof am &#xD6;lberg gesch&#xE4;ndet. Als Israel im Sechstagekrieg 1967 die Altstadt eroberte, h&#xE4;tte es mit dem Recht des Siegers die volle Kontrolle &#xFC;ber den H&#xFC;gel beanspruchen k&#xF6;nnen. Stattdessen liess der Verteidigungsminister Moshe Dajan die israelische Fahne vom Felsendom holen und schmiedete einen &#xAB;Status quo&#xBB;: Israel behielt Souver&#xE4;nit&#xE4;t und Sicherheit, doch die Verwaltung der Al-Aksa-Anlage blieb beim jordanisch gest&#xFC;tzten islamischen Wakf.</p><p>Muslime konnten weiterhin frei auf dem Plateau beten; Juden und andere Nichtmuslime durften den Ort nur zu bestimmten Zeiten besuchen, &#xF6;ffentliche Gebete waren untersagt, w&#xE4;hrend der Platz an der Klagemauer darunter f&#xFC;r j&#xFC;disches Gebet bestimmt war. Es war ein Akt bemerkenswerter Selbstbeschr&#xE4;nkung: eine nichtmuslimische Macht, die muslimischen Zugang zu al-Aksa garantiert. Gen&#xFC;tzt hat es wenig &#x2013; seither stellen viele muslimische Akteure selbst simple j&#xFC;dische Besuche als &#xAB;St&#xFC;rmung&#xBB; der Moschee dar.</p><p>Die modernen grossen Zusammenst&#xF6;sse auf dem Tempelberg fallen mit dem Aufstieg der Hamas zusammen. Die 1987 gegr&#xFC;ndete radikalislamische Bewegung verpflichtet sich in ihrer Charta, die &#xAB;Aksa-Moschee zu verteidigen&#xBB;. Ihre erste grosse Kampfprobe suchte sie am 8.&#xA0;Oktober 1990: Obwohl die israelische Polizei den Marsch einer kleinen extremistischen j&#xFC;dischen Gruppe f&#xFC;r den Wiederaufbau des Tempels mit einem symbolischen Grundstein verboten hatte, half das der Hamas, Tausende zum &#xAB;Schutz&#xBB; der Moschee zu mobilisieren. Steine prasselten auf Juden an der Klagemauer nieder, ein Polizeiposten auf dem Plateau wurde gest&#xFC;rmt. Polizisten, die sich in Lebensgefahr sahen, schossen, siebzehn Pal&#xE4;stinenser starben. Die Hamas schrieb das Ereignis als &#xAB;Al-Aksa-Massaker&#xBB; in ihre Mythologie ein.</p><p>Eine der folgenreichsten Eruptionen al-Aksa-inspirierter Gewalt war die zweite Intifada, ein f&#xFC;nfj&#xE4;hriger Terrorkrieg gegen israelische Zivilisten, der als &#xAB;Al-Aksa-Intifada&#xBB; verkauft wurde. &#xD6;ffentlich wurde sie Ariel Sharons kurzem Besuch auf dem Tempelberg im Jahr 2000 angelastet, doch die Gewalt war vorbereitet; der Besuch lieferte nur den Vorwand nach Wochen von Arafat- und Hamas-Parolen wie &#xAB;Nach al-Aksa marschieren wir &#x2013; M&#xE4;rtyrer zu Millionen&#xBB;. Pal&#xE4;stinensische Selbstmordattent&#xE4;ter beriefen sich in Abschiedsvideos auf die Moschee und sprengten sich in ihrem Namen in die Luft.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2026/01/06/9c9008a8-eb31-4304-820e-7d004002c879.jpg?width=654&amp;height=417&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="Der Himmel &#xFC;ber Jerusalem" loading="lazy" width="654" height="417"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Unruhen auf dem Tempelberg anl&#xE4;sslich des Spaziergangs von Ariel Sharon, September 2000.AP</span></figcaption></figure><p>Mitte der 2010er Jahre lebte der Mythos durch eine neue Welle der Gewalt auf. Die Hamas fand einen Verb&#xFC;ndeten in Scheich Raed Salah, dem selbsternannten &#xAB;Scheich al-Aksa&#xBB;, dessen n&#xF6;rdlicher Zweig der Islamischen Bewegung auf Dauermobilisierung setzte: Es gab Massenkundgebungen unter dem Motto &#xAB;Al-Aksa ist in Gefahr&#xBB;, organisierte Fahrten nach Jerusalem und Schikanetrupps, die j&#xFC;dische Besucher bedr&#xE4;ngten und Bildmaterial f&#xFC;r Propaganda lieferten. Dieses Umfeld bereitete den Boden f&#xFC;r die &#xAB;Messer-Intifada&#xBB; 2014 bis 2017, als vor allem pal&#xE4;stinensische Jugendliche Terroranschl&#xE4;ge als &#xAB;Martyrium f&#xFC;r al-Aksa&#xBB; ver&#xFC;bten. Israel verbot die Bewegung schliesslich wegen systematischer Volksverhetzung.</p><p>Ende der 2010er Jahre glitt die tats&#xE4;chliche Autorit&#xE4;t auf dem Plateau zunehmend vom jordanischen Wakf zu losen &#xAB;Verteidiger-Netzwerken&#xBB; junger Ostjerusalemer, die offen im Namen der Hamas agierten. Ihren ersten Erfolg verbuchten sie 2017: Nach einem Terroranschlag auf israelische Polizisten auf dem Berg und der Installation von Metalldetektoren durch Israel erzwangen Unruhen und Massenproteste deren Entfernung und vertrieben den von der Pal&#xE4;stinensischen Autonomiebeh&#xF6;rde eingesetzten Mufti unter Sprechch&#xF6;ren zu Ehren des Hamas-Kommandanten Mohammed Deif.</p><h2 id="nachsicht-mit-folgen">Nachsicht mit Folgen</h2><p>Anfang der 2020er Jahre war der Spruch &#xAB;Al-Aksa ist in Gefahr&#xBB; zum festen Ramadan-Ritual geworden: mit Jugendlichen, die sich mit Steinen in der Moschee verbarrikadieren, mit Provokationen der Polizei, Raketen aus Gaza &#xAB;f&#xFC;r al-Aksa&#xBB; sowie Hamas-Fahnen &#xFC;ber dem Gel&#xE4;nde. Im Ramadan 2021 trugen die Unruhen auf dem Berg dazu bei, dass ein elft&#xE4;giger Krieg ausbrach, als die Hamas ihren Raketenbeschuss &#xAB;Schwert Jerusalems&#xBB; startete und Israel darauf mit der Operation &#xAB;W&#xE4;chter der Mauern&#xBB; reagierte. Der Hamas gelang es, den Konflikt als Religionskrieg zu rahmen.</p><p>Gleichzeitig ver&#xE4;nderte sich die j&#xFC;dische Pr&#xE4;senz auf dem Plateau. Seit 2015 steigen zunehmend Juden aus dem nationalreligi&#xF6;sen Lager auf den Tempelberg, nicht als Touristen, sondern als Beter. Unter politischem Druck duldet die Polizei stilles j&#xFC;disches Gebet in bestimmten Ecken, obwohl das Oberrabbinat dies weiterhin ablehnt. Die Hamas deutet jeden j&#xFC;dischen Besuch &#x2013; insbesondere Besuche rechter Politiker &#x2013; als staatliche Strategie zur Zerst&#xF6;rung der Moschee.</p><p>Zwei Wochen vor dem Massaker vom 7.&#xA0;Oktober 2023 rief die Hamas zu einer eskalierten &#xAB;Auseinandersetzung um al-Aksa&#xBB; auf; &#xAB;Al-Aksa-Flut&#xBB; wurde als Erf&#xFC;llung dieses Aufrufs pr&#xE4;sentiert. Die Botschaft an Millionen war brutal einfach: Der Weg nach Jerusalem ist mit j&#xFC;dischem Blut gepflastert. Es war dies kein Ausrutscher, sondern hatte System. Der Westen hat das Narrativ von der von Zerst&#xF6;rung bedrohten Al-Aksa-Moschee lange als blosse Rhetorik abgetan &#x2013; doch blieb diese Nachsicht nicht ohne Folgen: Die Zahl der Israeli und der Pal&#xE4;stinenser, die aufgrund der Folgen dieser Verleumdung ihr Leben liessen, ist Legion. Und es wird weiterhin Opfer geben, solange die Entwaffnung der Hamas Wunschdenken bleibt.</p><p><em><strong>Jan Kapusnak</strong>&#xA0;lebt als freier Autor in Tel Aviv und schreibt &#xFC;ber den Nahen Osten, Israel sowie geopolitische Themen.</em></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Revenge of the Climate Realists]]></title><description><![CDATA[For years, those who questioned the calamity of climate change were treated like pariahs. Now, their day of vindication has come.]]></description><link>https://tat.xbopp.com/revenge-of-the-climate-realists/</link><guid isPermaLink="false">693c160b7c2e3ba83507ace3</guid><category><![CDATA[Global Warming]]></category><category><![CDATA[Science]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Fri, 12 Dec 2025 13:26:06 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/12/agw.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/12/agw.jpg" alt="Revenge of the Climate Realists"><p><em>The Free Press, Peter Savodnik, 12.11.25</em></p><p><strong>For years, those who questioned the calamity of climate change were treated like pariahs. Now, their day of vindication has come.</strong></p><figure class="kg-card kg-embed-card"><iframe src="https://substack.com/visited-surface-frame" width="0" height="0" class="visitedSurfacesIFrame-yy8AJL" style="--tw-border-spacing-x: 0; --tw-border-spacing-y: 0; --tw-translate-x: 0; --tw-translate-y: 0; --tw-rotate: 0; --tw-skew-x: 0; --tw-skew-y: 0; --tw-scale-x: 1; --tw-scale-y: 1; --tw-pan-x: ; --tw-pan-y: ; --tw-pinch-zoom: ; --tw-scroll-snap-strictness: proximity; --tw-gradient-from-position: ; --tw-gradient-via-position: ; --tw-gradient-to-position: ; --tw-ordinal: ; --tw-slashed-zero: ; --tw-numeric-figure: ; --tw-numeric-spacing: ; --tw-numeric-fraction: ; --tw-ring-inset: ; --tw-ring-offset-width: 0px; --tw-ring-offset-color: #fff; --tw-ring-color: rgb(59 130 246 / 0.5); --tw-ring-offset-shadow: 0 0 #0000; --tw-ring-shadow: 0 0 #0000; --tw-shadow: 0 0 #0000; --tw-shadow-colored: 0 0 #0000; --tw-blur: ; --tw-brightness: ; --tw-contrast: ; --tw-grayscale: ; --tw-hue-rotate: ; --tw-invert: ; --tw-saturate: ; --tw-sepia: ; --tw-drop-shadow: ; --tw-backdrop-blur: ; --tw-backdrop-brightness: ; --tw-backdrop-contrast: ; --tw-backdrop-grayscale: ; --tw-backdrop-hue-rotate: ; --tw-backdrop-invert: ; --tw-backdrop-opacity: ; --tw-backdrop-saturate: ; --tw-backdrop-sepia: ; border: none; display: block;"></iframe></figure><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mOuK!,w_750,h_440,c_fill,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep,g_auto/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F8ee8c8a0-b56e-480c-b565-8c57a45990bf_1024x686.jpeg" class="kg-image" alt="Revenge of the Climate Realists" loading="lazy" width="750" height="440"></figure><p>For years, those who questioned the calamity of climate change were treated like pariahs. Now, their day of vindication has come.By&#xA0;<a href="https://www.thefp.com/w/peter-savodnik?ref=tat.xbopp.com">Peter Savodnik</a>12.11.25&#xA0;&#x2014;<a href="https://www.thefp.com/s/us-politics?ref=tat.xbopp.com">U.S. Politics</a>U.S. Politics</p><p>Breaking news, deep investigations, and eye-opening commentary that favor no party.Roger Pielke Jr., a public-policy expert who had studied the intersection of politics and climate science, had been battling the prophets of doom for years. Those who insisted we were on the brink of civilizational collapse. Mass death. A biblical confrontation with ourselves that would out-Flood the Flood.</p><p>But it was his argument that the rising cost of natural disasters had no tie to greenhouse gases that cost him his career.</p><p>In February 2015, Congressman Ra&#xFA;l Grijalva<a href="https://www.politico.com/story/2015/02/climate-change-study-funding-raul-grijalva-115568?ref=tat.xbopp.com"><u>&#xA0;</u>announced an investigation</a>&#xA0;into Pielke&#x2019;s climate research, sending letters to several universities suggesting that faculty members, including Pielke, who taught at the University of Colorado, were secretly working for energy companies.&#x201C;Companies with a direct financial interest in climate and air quality standards,&#x201D; Grijalva wrote to the universities, are behind &#x201C;research that influences state and federal regulations and shapes public understanding of climate science.&#x201D;</p><p>&#x201C;Pretty much all the invitations to workshops and speaking engagements were canceled,&#x201D; Pielke told me. &#x201C;People were saying, &#x2018;I&#x2019;d love to support you, but I&#x2019;m afraid they&#x2019;ll come after me, too.&#x2019;&#x2009;&#x201D;</p><p>It was upsetting but hardly shocking: Even though Pielke agreed global warming was a big problem, he was skeptical of the &#x201C;catastrophizing&#x201D; that has gripped the scientific establishment and the elites for the last decade.</p><p>&#x201C;Our ability to live is what&#x2019;s at stake,&#x201D; former vice president&#xA0;<a href="https://youtu.be/CH-qO9RRchc?si=Wo8GxfGFHNzZZwh2&amp;t=141&amp;ref=tat.xbopp.com">Al Gore declared</a>&#xA0;in his 2006 documentary&#xA0;<em>An Inconvenient Truth</em>.</p><p>Soon, &#x201C;climate change would move beyond man&#x2019;s control,&#x201D; the&#xA0;<a href="https://www.nobelprize.org/prizes/peace/2007/prize-announcement/?ref=tat.xbopp.com">Nobel Prize Committee chairman warned</a>&#xA0;while awarding Gore the Nobel Peace Prize the following year.</p><p>To question any of the science behind the emotion was to invite disdain, marginalization, outrage. That was Roger Pielke&#x2019;s crime.</p><p>In the next few decades, &#x201C;every place on Earth&#x2014;the temperature will be hotter than it&#x2019;s ever been,&#x201D; environmental activist Bill McKibben&#xA0;<a href="https://youtu.be/58cAD9Uw8XA?si=2CQO3tcP7_axlyGg&amp;t=408&amp;ref=tat.xbopp.com">said in 2013</a>.</p><p>We are &#x201C;the last generation that can do something,&#x201D; President Barack Obama insisted&#xA0;<a href="https://obamawhitehouse.archives.gov/the-press-office/2015/11/30/remarks-president-obama-first-session-cop21?ref=tat.xbopp.com">while addressing</a>&#xA0;the 2015 climate change summit in Paris.</p><p>&#x201C;You have stolen my dreams and my childhood with your empty words!&#x201D;&#xA0;<a href="https://youtu.be/xVlRompc1yE?si=F0BjVNNfQVTAjTqJ&amp;t=14&amp;ref=tat.xbopp.com">Greta Thunberg thundered</a>&#xA0;while addressing world leaders in 2019.</p><p>And on and on.</p><p>At the time, it was hard to imagine that one day the fury would ebb.</p><p>To question any of the science behind the emotion was to invite disdain, marginalization, outrage. That was Roger Pielke&#x2019;s crime. He had&#xA0;<a href="https://theclimatefix.wordpress.com/2015/02/25/i-am-under-investigation/?ref=tat.xbopp.com">clashed with</a>&#xA0;President Obama&#x2019;s science adviser, John Holdren. And Grijalva, apparently taking his cue from the White House, wanted to know if Pielke was secretly funded by Big Oil.</p><p>Pielke vehemently denied the accusations. But at the University of Colorado and across the academic world, his exit was met with quiet approval. &#x201C;No one on my campus talked to me about any of the events,&#x201D; Pielke recalled. &#x201C;I only heard from the university lawyers. For me, that was one of the strangest aspects of it. The department chair, the dean, the provost&#x2014;it would have been a great chance for the university to stand up for academic freedom, but that wasn&#x2019;t in the cards.</p><p>&#x201C;It was the announcement of the investigation that was the point,&#x201D; Pielke added.</p><p>The Democratic probe ultimately pushed Pielke out of climate research and into a new field of study: the governance of sports organizations.</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!cZnY!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fc15091fc-9432-4018-9789-5debc0138cd7_1320x30.png" class="kg-image" alt="Revenge of the Climate Realists" loading="lazy" width="1320" height="30"></figure><p>They had been promising for two decades that the end was near&#x2014;that Greenland would melt, and the Amazon would shrivel up, and sub-Saharan Africa would turn into a perma-desert, and New York City would be swallowed up by the Atlantic while climate refugees from the global South invaded Europe.</p><p>A handful of voices&#x2014;including Pielke; the environmental scientist Steven Koonin; Judith Curry, the former chair of Georgia Tech&#x2019;s School of Earth and Atmospheric Sciences; the Danish political scientist Bjorn Lomborg; and Michael Shellenberger, the former activist and author of&#xA0;<a href="https://bookshop.org/a/93116/9780063001695?ref=tat.xbopp.com"><em>Apocalypse Never: Why Environmental Alarmism Hurts Us All</em></a><em>,</em>&#xA0;among others&#x2014;questioned the orthodoxy.</p><p>They didn&#x2019;t doubt that the globe was warming, but they disagreed about the extent to which the warming was &#x201C;anthropogenic,&#x201D; or man-made, and they criticized the 1997 Kyoto Protocol and 2015 Paris Agreement and proposals like the Green New Deal, which they considered excessive at best, and probably counterproductive.</p><p>It wasn&#x2019;t just Pielke who had paid for questioning the dogma.</p><p>After a prominent Pennsylvania State University climatologist called climatologist Curry a &#x201C;<a href="https://www.huffpost.com/entry/climate-change-report_b_3999277?ref=tat.xbopp.com">serial climate disinformer</a>&#x201D; in a 2013&#xA0;<em>HuffPost</em>&#xA0;piece, she &#x201C;began planning my exit strategy from academia,&#x201D; she told me. Koonin, who formerly worked in the Obama administration, said he was stung when, in 2021,&#xA0;<em>Scientific American</em>&#xA0;<a href="https://www.scientificamerican.com/article/that-obama-scientist-climate-skeptic-youve-been-hearing-about/?ref=tat.xbopp.com">said he was</a>&#xA0;a &#x201C;a crank who&#x2019;s only taken seriously by far-right disinformation peddlers.&#x201D; (The magazine declined to publish Koonin&#x2019;s response.) Shellenberger said he had been &#x201C;censored&#x201D; by Facebook in 2020, when it slapped a &#x201C;partly false&#x201D; rating on his article: &#x201C;On Behalf of Environmentalists, I Apologize for the Climate Scare&#x201D;&#x2014;prompting Shellenberger to write an&#xA0;<a href="https://environmentalprogress.org/big-news/2020/7/7/i-have-been-censored-by-facebook-for-telling-the-truth-about-climate-change-and-extinctions?ref=tat.xbopp.com#:~:text=July%202%2C%202020,the%20scientific%20evidence%20to%20date.">open letter</a>&#xA0;to Mark Zuckerberg.</p><p>The old guard called them &#x201C;deniers&#x201D; or &#x201C;denialists,&#x201D; Shellenberger said, because it made them sound &#x201C;fascist-adjacent.&#x201D; &#x201C;It links you with the Holocaust,&#x201D; he told me. &#x201C;I think it&#x2019;s a very deliberate strategy.&#x201D;</p><p>And then, over the past year, almost imperceptibly, a sea change started and the outsiders<strong>&#xA0;</strong>were no longer on the fringe.</p><p>The first unmistakable sign that the contours of the debate were shifting came in late January, during the Energy and Natural Resources Committee&#x2019;s hearing for Donald Trump&#x2019;s nominee for Energy Secretary, Chris Wright.</p><p>Wright, an MIT-trained mechanical engineer who previously founded a fracking company, calls himself a &#x201C;<a href="https://www.cpr.org/2025/05/05/climate-change-trump-secretary-of-energy-chris-wright/?ref=tat.xbopp.com">climate realist</a>&#x201D;&#x2014;he agrees climate change is real but supports developing new energy technologies, not capping fossil fuels.</p><p>Two Democrats on the committee&#x2014;John Hickenlooper and Michael Bennet, both from Colorado&#x2014;<a href="https://www.hickenlooper.senate.gov/press_releases/hickenlooper-bennet-announce-support-for-chris-wrights-nomination/?ref=tat.xbopp.com">supported Wright</a>, noting that they didn&#x2019;t always agree with him but adding that he &#x201C;believes in science&#x201D; and American &#x201C;energy independence.&#x201D;</p><p>The old guard called them &#x201C;deniers&#x201D; or &#x201C;denialists,&#x201D; Michael Shellenberger said, because it made them sound &#x201C;fascist-adjacent.&#x201D; &#x201C;It links you with the Holocaust,&#x201D; he told me. &#x201C;I think it&#x2019;s a very deliberate strategy.&#x201D;</p><p>Then, in April, the Council on Foreign Relations&#x2014;the beating heart of the foreign-policy establishment&#x2014;launched its&#xA0;<a href="https://www.cfr.org/news-releases/cfr-launches-new-climate-realism-initiative-advance-climate-and-clean-energy-policy?ref=tat.xbopp.com">Climate Realism Initiative</a>, which aims to &#x201C;leverage technology and finance&#x201D; to rein in warming in &#x201C;a way that spurs U.S. competitiveness.&#x201D; (In a recent TED Talk, Gore&#xA0;<a href="https://www.ted.com/dubbing/al_gore_why_climate_action_is_unstoppable_and_climate_realism_is_a_myth?audio=en&amp;language=en&amp;ref=tat.xbopp.com">dismissed climate realism</a>, portraying it as a pet project of the energy companies.)</p><p>Six months later, Bill Gates, whose foundation had spent billions combating climate change,&#xA0;<a href="https://www.gatesnotes.com/home/home-page-topic/reader/three-tough-truths-about-climate?ref=tat.xbopp.com">shifted his tone</a>: &#x201C;Although climate change will have serious consequences&#x2014;particularly for people in the poorest countries&#x2014;it will not lead to humanity&#x2019;s demise. People will be able to live and thrive in most places on Earth for the foreseeable future.&#x201D;</p><p>Canada&#x2019;s Liberal prime minister Mark Carney, who once championed net-zero carbon emissions as the UN&#x2019;s Special Envoy on Climate Action and Finance, soon after&#xA0;<a href="https://subscriber.politicopro.com/article/eenews/2025/11/05/carney-scraps-canadas-anti-greenwashing-rules-ee-00636323?ref=tat.xbopp.com">introduced a budget</a>&#xA0;seeking to revivify the country&#x2019;s liquefied natural gas sector while eliminating anti-&#x201C;greenwashing&#x201D; measures favored by his predecessor, Justin Trudeau.</p><p>Even UN Secretary-General Ant&#xF3;nio Guterres is sounding more restrained these days.</p><p>A year ago, at a UN climate summit in oil-rich Azerbaijan,&#xA0;<a href="https://www.un.org/en/desa/%E2%80%98pay-or-humanity-will-pay-price%E2%80%99-guterres-warns-cop29-climate-summit?ref=tat.xbopp.com#:~:text=Change/Habib%20Samadov.-,&apos;Pay%20up%20or%20humanity%20will%20pay%20the%20price&apos;%2C%20Guterres,by%20human%2Dmade%20climate%20change.">Guterres warned</a>&#xA0;that we face a &#x201C;ticking clock&#x201D;&#x2014;adding that &#x201C;we are in the final countdown to limit global temperature rise to 1.5 degrees Celsius.&#x201D;</p><p>But last month, the secretary-general conceded that it was now inevitable that we would exceed the 1.5-degree threshold. Instead of warning of any looming catastrophes, he was now talking about ushering in a new era of &#x201C;clean energy.&#x201D;</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Wrh3!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F7e64190f-ef6d-4d18-9ac4-382d668f82fa_1024x683.jpeg" class="kg-image" alt="Revenge of the Climate Realists" loading="lazy" width="1024" height="683"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">They had been promising for two decades that the end was near&#x2014;that Greenland would melt, and New York City would be swallowed up by the Atlantic. (Charly Triballeau / AFP via Getty Images)</span></figcaption></figure><p>Lomborg, the political scientist, told me: &#x201C;I believe that we are witnessing a broader, more balanced reassessment of climate change.&#x201D;</p><p>The reassessment was driven by several factors&#x2014;starting with the all-important fact that we were still here.</p><p>&#x201C;We see no long-term trends in most extreme weather events,&#x201D; Steven Koonin, a theoretical physicist who spent most of his career at Caltech, said.</p><p>The number of hurricanes&#xA0;<a href="https://www.gfdl.noaa.gov/global-warming-and-hurricanes/?ref=tat.xbopp.com">had plateaued</a>.</p><p>There were not more tornadoes or cyclones or dust bowls or floods.</p><p><a href="https://science.nasa.gov/earth/explore/wildfires-and-climate-change/?ref=tat.xbopp.com#:~:text=Fire%20weather%20is%20becoming%20more,the%20potential%20for%20extreme%20fires.">The wildfires</a>&#xA0;that had ravaged California, Oregon, and much of South America could not be blamed on warming, although climate scientists did say climate change exacerbated their effects.</p><p>Even UN Secretary-General Ant&#xF3;nio Guterres is sounding more restrained these days.</p><p>Nor had there been any &#x201C;accelerated sea-level rise,&#x201D; Shellenberger said, &#x201C;and island atolls&#x2014;89 percent of them have either grown or stayed the same size.&#x201D;</p><p>Pielke added that emissions&#xA0;<a href="https://www.carbonbrief.org/analysis-global-co2-emissions-will-reach-new-high-in-2024-despite-slower-growth/?ref=tat.xbopp.com#:~:text=11.13.24-,Multiple%20Authors,some%20modest%20progress%20tackling%20emissions.">had stabilized</a>, as coal use had declined.</p><p>&#x201C;With the exception of China and India, global coal consumption peaked about 15 years ago,&#x201D; Pielke said. That&#x2019;s because we are producing more innovative energy than ever, with a shift toward natural gas and nuclear.</p><p>Looking to the future, Koonin said: &#x201C;What you&#x2019;re going to see is the small nuclear reactors&#x2014;let&#x2019;s say a tenth of the size of the older ones. You build them in a factory, and then you put them on a train or a truck and move them to where they go. They&#x2019;re all the same design, so the licensing is a lot less burdensome.&#x201D;</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!cZnY!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fc15091fc-9432-4018-9789-5debc0138cd7_1320x30.png" class="kg-image" alt="Revenge of the Climate Realists" loading="lazy" width="1320" height="30"></figure><p>The new thinking&#x2014;that climate change was bad but not&#xA0;<em>that</em>&#xA0;bad&#x2014;reflected the political sea change in Washington.</p><p>&#x201C;The election of President Trump was an important trigger for this reassessment,&#x201D; Judith Curry said in an email. &#x201C;He effectively gave other governments the green light to slow down or even drop their ambitions for net-zero.&#x201D;</p><p>Curry and Koonin were co-authors of a recently released&#xA0;<a href="https://www.energy.gov/sites/default/files/2025-07/DOE_Critical_Review_of_Impacts_of_GHG_Emissions_on_the_US_Climate_July_2025.pdf?ref=tat.xbopp.com">Department of Energy climate change report</a>&#xA0;that argued, among other things, that &#x201C;models and experience suggest that CO2-induced warming might be less damaging economically than commonly believed, and excessively aggressive mitigation policies could prove more detrimental than beneficial.&#x201D;</p><p>The new politics dovetailed with the rise of artificial intelligence, which, Koonin and Pielke said, was about to dramatically ratchet up energy demand with its data centers.</p><p>&#x201C;Reality has bitten,&#x201D; Koonin said.</p><p>Pielke added: &#x201C;We&#x2019;re going to need a lot more power going forward.&#x201D; Meaning, more wind, plus space-based solar power and batteries with greater storage capacity. And, above all, more nuclear.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Ajid!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0cba0974-0bac-493e-af6e-f68a1fbf2919_1024x767.jpeg" class="kg-image" alt="Revenge of the Climate Realists" loading="lazy" width="1024" height="767"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">We are producing more innovative energy than ever, with a shift toward natural gas and nuclear. (Chip Somodevilla/Getty Images)</span></figcaption></figure><p>The public appears&#xA0;<a href="https://www.pewresearch.org/short-reads/2025/10/16/support-for-expanding-nuclear-power-is-up-in-both-parties-since-2020/?ref=tat.xbopp.com">open to that</a>: 69 percent of Republicans and 52 percent of Democrats would like to see more nuclear power.</p><p>&#x201C;The future looks great for energy,&#x201D; Pielke said.</p><p>The new thinking around climate comes at the same time that progressives&#x2014;including Ezra Klein and Derek Thompson, the authors of the highly influential 2025 book&#xA0;<a href="https://bookshop.org/a/93116/9781668023488?ref=tat.xbopp.com"><em>Abundance</em></a>&#x2014;rethink decades of regulation that have limited construction of housing, transportation and, of course, power plants.</p><p>The new thinking&#x2014;that climate change was bad but not&#xA0;<em>that</em>&#xA0;bad&#x2014;reflected the political sea change in Washington.</p><p>Marc Dunkelman, a political historian at Brown University and the author of the recently published&#xA0;<a href="https://bookshop.org/a/93116/9781541700215?ref=tat.xbopp.com"><em>Why Nothing Works: Who Killed Progress&#x2014;and How to Bring It Back</em></a>,<strong>&#xA0;</strong>told me<strong>&#xA0;</strong>that the &#x201C;governing infrastructure&#x201D;&#x2014;and mindset&#x2014;is only slowly catching up with reality.</p><p>&#x201C;The dirty secret is that the old notion that we need to abandon the economic advantage of using cheap, dirty energy to satisfy the moral imperative of taking advantage of clean, expensive energy doesn&#x2019;t really apply anymore,&#x201D; Dunkelman wrote in an email. &#x201C;We&#x2019;ve got the technology to make clean energy cheap.&#x201D;</p><p>Even Greta Thunberg, who sailed across oceans in search of climate justice, seems to have given up: In the past year, she ditched the environment in exchange for a keffiyeh.&#xA0;<a href="https://www.thefp.com/p/greta-thunberg-and-swedens-lost-children?ref=tat.xbopp.com">Her new cause is Gaza</a>.</p><p>The reassessment was anticipated by a famous 1962 book written by the philosopher of science Thomas Kuhn,&#xA0;<a href="https://bookshop.org/a/93116/9780226458120?ref=tat.xbopp.com"><em>The Structure of Scientific Revolutions</em></a>, Koonin said.</p><p>Central to Kuhn&#x2019;s argument is the insight that scientific progress does not unfold the way we might imagine it happening&#x2014;in laboratories filled with bespectacled, data-focused scientists immune to politics and culture. On the contrary, the people who do science&#x2014;not only the researchers, but those who administer their departments and universities, the philanthropists and billionaires who fund their research, the influencers and politicians who align themselves with it and talk about it and build their brands around it&#x2014;have a vested interest in whatever hypothesis or scientific theory they have constructed their careers around.</p><p>Alas, progress often happens only after a very gradual accretion of counter-evidence builds and there&#x2019;s a &#x201C;paradigm shift,&#x201D; as Kuhn noted. Sometimes that process stretches across decades. Or centuries.</p><p>Exhibit A: Copernicus overthrowing the 1,400-year-old geocentric model of the universe. Or, Koonin said, eugenics, or Soviet agriculture, a.k.a. Lysenkoism&#x2014;both of which were all the rage. Until they weren&#x2019;t.</p><p>Or&#x2014;maybe, just maybe&#x2014;climate alarmism.</p><p>&#x201C;The whole world believed these sciencey ideas and then came to understand that they were just wrong,&#x201D; Koonin said. &#x201C;People get invested in their careers, their reputations, their businesses, and it&#x2019;s very hard to let those go&#x2014;you have to wait until people die.&#x201D;</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!cZnY!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fc15091fc-9432-4018-9789-5debc0138cd7_1320x30.png" class="kg-image" alt="Revenge of the Climate Realists" loading="lazy" width="1320" height="30"></figure><p>It was easy to forget how many lives had been turned upside down by the alarmists.</p><p>A 2021 study published in&#xA0;<em>The</em>&#xA0;<em>Lancet</em>&#xA0;found that&#xA0;<a href="https://www.thelancet.com/journals/lanplh/article/PIIS2542-5196(21)00278-3/fulltext?ref=tat.xbopp.com">60 percent of young people</a>&#x2014;ages 16 to 25&#x2014;suffered from what has been called eco-depression or eco-anxiety. A 2025 survey published in the&#xA0;<em>Proceedings of the National Academy of Sciences</em>&#xA0;reported that&#xA0;<a href="https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2311400122?ref=tat.xbopp.com">one in five people</a>&#xA0;ages 16 to 24 did not want to bring children into the world, given the state of the climate.</p><p><a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10693336/?ref=tat.xbopp.com">Depression, domestic violence, lethargy, suicide</a>&#x2014;they were all, apparently, compounded by rising temperatures and melting ice caps and, perhaps more importantly, the belief that these things were being driven by huge, inexorable forces.</p><p><a href="https://www.thefp.com/p/the-suspected-la-arsonist-and-the-nihilistic-violent-extremists-fire?ref=tat.xbopp.com">Jonathan Rinderknecht</a>, the 29-year-old man suspected of starting the Palisades fire in Los Angeles, was enraged by his deeply held conviction that the people in charge were doing nothing to stop the climate apocalypse. (The fire left 12 dead, and razed nearly 7,000 buildings.)</p><p>&#x201C;People should be angry,&#x201D; Shellenberger said.</p><p>When I asked Curry whether any of her critics had quietly reached out to her to concede that maybe she&#x2019;d had a point, she replied: &#x201C;Many people have been telling me that for the past decade.&#x201D; Like Lomborg, she was cautiously optimistic.</p><p>&#x201C;I don&#x2019;t see this as personal vindication, but rather as progress toward a more rational debate,&#x201D; Lomborg said.</p><p>Of course, Shellenberger said, the decline of climate alarmism does not mean the decline of alarmism. We had segued seamlessly from the Cold War&#x2013;era fear of nuclear war to the fear of overpopulation to the fear of climate change.</p><p>And now?</p><p>&#x201C;Now, it&#x2019;s probably going to be AI security,&#x201D; Koonin said. &#x201C;That&#x2019;s a big one. Or maybe microplastics. It could definitely be microplastics.&#x201D;</p><p>It did not help that we inhabited a supremely political moment, Pielke said. The polarization, the anger, the constant ratcheting up of our emotions&#x2014;it made us more susceptible to other people&#x2019;s moral crusades.</p><p>&#x201C;I would not expect a reckoning,&#x201D; Pielke added.</p><p>He recalled that, after news of the Grijalva investigation broke, he called the University of Maine, where he was scheduled to give a talk at the Senator George J. Mitchell Center for Sustainability Solutions&#x2014;after the Democratic former Senate minority leader.</p><p>&#x201C;I said, &#x2018;I don&#x2019;t know if you saw&#xA0;<em>The New York Times</em>&#xA0;story,&#x2019;&#x2009;&#x201D; Pielke said, &#x201C;and they laughed and said, &#x2018;Senator Mitchell knows how Congress works, and he looks forward to welcoming you in September.&#x2019; That kind of buoyed me.&#x201D;</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Generation C as in ‘Confused’]]></title><description><![CDATA[I fear we are turning out the most confused generation, with an affliction of contradiction. Now we have Gen C, for confused. You can’t blame them; look at the Sybil-like multipersonality splits at Wellesley and most universities.]]></description><link>https://tat.xbopp.com/generation-c-as-in-confused-andy-kessler-by-andy-kessler-follow-nov-23-2025-3-41-pm-et/</link><guid isPermaLink="false">6924100d983f4d5fe58665c2</guid><category><![CDATA[Economy]]></category><category><![CDATA[Politics]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Mon, 24 Nov 2025 08:02:25 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/11/08-03-2018-5-factors-defining-Generation-Z-1.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/11/08-03-2018-5-factors-defining-Generation-Z-1.jpg" alt="Generation C as in &#x2018;Confused&#x2019;"><p></p><p><strong>Lucidity will come when they figure out that capitalism will solve their problems.</strong></p><p><em>WSJ, Andy Kessler, Nov. 23, 2025</em></p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://opinion-images.wsj.net/im-93083362/?size=1.5" class="kg-image" alt="Generation C as in &#x2018;Confused&#x2019;" loading="lazy" width="1280" height="853"></figure><p>Recent college graduates are moaning about their struggle to find jobs. Fair enough. But now there&#x2019;s a backlash on campuses over &#x201C;career funneling&#x201D;&#x2014;schools only allowing interviews on campus for what students consider objectionable jobs, like finance and consulting. Can you spot the contradiction?</p><p>A Wellesley College junior, majoring in economics as well as &#x201C;peace and justice studies,&#x201D; complained to the Journal about narrow job opportunities. While Wellesley&#x2019;s economics department offers solid macro and micro courses, even &#x201C;ECON 312: The Economics of Globalization,&#x201D; peace and justice studies was new to me. So I did a little digging and found these courses: &#x201C;PEAC 346: Decolonizing the Bible&#x201D; and PEAC 205, which lectures students on &#x201C;how gender as a symbolic construct configures how we make sense of war making and peacebuilding.&#x201D;</p><p>What a disconnect. You&#x2019;d think learned professors would teach that capitalism drives peace and justice, while constantly failing socialism delivers, I don&#x2019;t know, human-rights-abusing Cuba and Venezuela? No cap, that&#x2019;s sus (translation: no lie, that&#x2019;s suspicious). Universities are living contradictions.</p><p>I fear we are turning out the most confused generation, with an affliction of contradiction. I&#x2019;ve written before about&#xA0;<a href="https://www.wsj.com/articles/a-nation-of-quitters-great-enabling-exodus-working-age-men-parents-stimulus-covid-quit-retirement-bohemian-videogame-11664112795?mod=article_inline&amp;ref=tat.xbopp.com">Cy-Bos</a>&#x2014;cyber bohemian quitters&#x2014;and&#xA0;<a href="https://www.wsj.com/articles/SB10001424127887324853704578589902110093308?mod=article_inline&amp;ref=tat.xbopp.com">Gen G</a>&#x2014;generation guilty. Now we have Gen C, for confused. You can&#x2019;t blame them; look at the Sybil-like multipersonality splits at Wellesley and most universities.</p><p>I have to believe that most corporate recruiters by now see &#x201C;peace and justice&#x201D; and other squishy majors as red flags after marketing disasters by social-justice warriors. You know, how marketing executive&#xA0;Alissa Heinerscheid&#xA0;destroyed Bud Light, how Cracker Barrel CEO&#xA0;Julie Felss Masino&#xA0;botched a logo rebranding, and how Target offered &#x201C;tuck-friendly&#x201D; product selections. Billions of dollars were lost in stunts like those. Justice jobs are sparse for a reason. And this before artificial intelligence kicks in.</p><p>Maybe government can help. Rep. Ro Khanna (D., Calif.) tweeted, &#x201C;We need regulations that prevent companies from using AI to eliminate jobs to extract greater profits.&#x201D; Mr. Khanna was the 2020 campaign co-chair for democratic socialist (another contradiction) Bernie Sanders. He somehow represents prosperity-creating Silicon Valley. Make sense?</p><p>Young people complain (and yes, I&#x2019;m generalizing) about affordability and food deserts while sipping Mocha Cookie Crumble Frappuccinos at&#xA0;<a href="https://www.wsj.com/market-data/quotes/SBUX?ref=tat.xbopp.com">Starbucks</a>. They demand land acknowledgments but have no sense of history. They stand for &#x201C;gender equality&#x201D; but sing along to vile and misogynist music. They love actress&#xA0;Sydney Sweeney&#xA0;in shows like &#x201C;Euphoria&#x201D; but hate her for not apologizing for her great jeans or genes. They love to be influencers but are closed-minded and uninfluenceable. They abhor violence but play gory videogames. I recently learned of &#x201C;classy trashy&#x201D; parties. I overheard, &#x201C;Let&#x2019;s dress up, like, for an Oscars party, drink champagne and then order in pizza and wings.&#x201D; For the record, Buffalo chicken wings are messy but never trashy.</p><p>Capitalism is messy, so it&#x2019;s considered trash. And Gen C will loudly and proudly tell you this via Instagram and TikTok from their $1,000 parent-bought iPhones as if these things magically appear. No way were they created from the blood, sweat and beers of toiling engineers, massive amounts of human ingenuity melded with trillions in capital delivered along land, ship and jet trade routes.</p><p>Gen C hates the newly minted billionaires who provide these products and services because, well, it isn&#x2019;t fair. So they vote for democratic socialists like New York Mayor-elect&#xA0;Zohran Mamdani, demand free goodies, and agree there shouldn&#x2019;t be billionaires because everything they have all magically appeared, remember? Yes, even Wellesley econ majors must recognize they&#x2019;re voting for their own demise via expensive free stuff.</p><p>Gen C want jobs that make the world better. Who doesn&#x2019;t? Yes, we need museum curators to spread history and knowledge, but not ideology. Yes, we need artists to inspire but not twist their work to advertise the justicey message du jour. We even need the Greta Thunbergs of the world to champion issues from start to finish, but not angrily hop from one to the next, green to Gaza, to feed the news cycle. I respect their passion but sure wish it were directed to something useful.</p><p>There is poverty. Capitalism is solving it. U2 singer&#xA0;Bono&#xA0;reluctantly admitted this in 2022. &#x201C;There&#x2019;s a funny moment when you realize that as an activist: The off-ramp out of extreme poverty is, ugh, commerce, it&#x2019;s entrepreneurial capitalism.&#x201D; Ugh?</p><p>There is pollution. Capitalism is solving it. It&#x2019;s helping the move from coal to fracked oil and natural gas to nukes. High-school reading levels are atrocious. Capitalism can fix it&#x2014;especially if we could break the stranglehold of teachers&#x2019; unions and allow self-paced and technology-reinforced education.</p><p>There is disease and human suffering. Capitalism is solving it. Not by giving away free stuff, but by rolling up our sleeves and doing the hard and expensive work of drug discovery and disease eradication.</p><p>When Gen C eventually figures this out, their confusion will end.</p><p><em>Write to kessler@wsj.com.</em></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Leon de Winter über den Zustand der Niederlande: «Eine Minderheit diktiert die Politik»]]></title><description><![CDATA[Der Schriftsteller sieht sein Land nach den Wahlen in einer blamablen Verfassung. Die Eliten würden sich gegenseitig Pfründe zuschanzen – und mit Themen wie dem Gaza-Krieg Stimmung machen.]]></description><link>https://tat.xbopp.com/leon-de-winter-uber-den-zustand-der-niederlande-eine-minderheit-diktiert-die-politik/</link><guid isPermaLink="false">691d6eee983f4d5fe58665ae</guid><category><![CDATA[Politics]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Wed, 19 Nov 2025 07:21:21 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/11/w2100_h1546_x1125_y828_rp_35214f99-7eb425ced473cc0f.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/11/w2100_h1546_x1125_y828_rp_35214f99-7eb425ced473cc0f.jpg" alt="Leon de Winter &#xFC;ber den Zustand der Niederlande: &#xAB;Eine Minderheit diktiert die Politik&#xBB;"><p><strong>Der Schriftsteller sieht sein Land nach den Wahlen in einer blamablen Verfassung. Die Eliten w&#xFC;rden sich gegenseitig Pfr&#xFC;nde zuschanzen &#x2013; und mit Themen wie dem Gaza-Krieg Stimmung machen.</strong></p><p><em>NZZ, Leon de Winter18.11.2025</em></p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2025/11/17/8b586417-7165-4ecb-b099-993b6491d347.jpg?width=654&amp;height=457&amp;fit=bounds&amp;quality=75&amp;auto=webp&amp;crop=3925,2747,x520,y0" class="kg-image" alt="Leon de Winter &#xFC;ber den Zustand der Niederlande: &#xAB;Eine Minderheit diktiert die Politik&#xBB;" loading="lazy" width="653" height="457"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Die ber&#xFC;hmte Konzerthalle Concertgebouw in Amsterdam wollte die j&#xE4;hrliche Veranstaltung zum j&#xFC;dischen Chanukka-Fest streichen.Getty</span></figcaption></figure><p>Um die j&#xFC;ngsten Ereignisse in den Niederlanden zu verstehen, m&#xFC;ssen wir von einem Thema zum n&#xE4;chsten springen. Das wird ein wildes St&#xFC;ck. Es geht um Politik, Kultur, Migration, Judenhass.</p><p>Wir beginnen mit Musik, genauer gesagt mit einem der Leuchtt&#xFC;rme der europ&#xE4;ischen Musikkultur: dem klassischen Konzertsaal Concertgebouw in Amsterdam.</p><p>Grosse Komponisten und Dirigenten haben das Concertgebouw-Orchester geleitet; die niederl&#xE4;ndischen Eliten erleben seit Generationen hochstehende Musikdarbietungen. Ausser &#xFC;ber eine brillante Orchesterleitung verf&#xFC;gt das Concertgebouw &#xFC;ber gesch&#xE4;ftsf&#xFC;hrende Manager, die die Auff&#xFC;hrungen organisieren und daf&#xFC;r sorgen, dass die S&#xE4;le so gut wie m&#xF6;glich genutzt werden. Wie zum Beispiel f&#xFC;r das j&#xE4;hrlich stattfindende Chanukka-Konzert.</p><p>Jetzt wird es etwas komplizierter.</p><p>Was ist Chanukka? Chanukka ist ein altes j&#xFC;disches Fest. Die erste Feier kann genau datiert werden: auf das Jahr 164 v.&#xA0;Chr. Die Juden hatten gegen die Hellenisten rebelliert, die den Zweiten Tempel entweiht hatten, und nach dem Sieg ereignete sich in Jerusalem ein wahres Wunder: Ein kleines bisschen &#xD6;l, das normalerweise nur f&#xFC;r einen Tag ausreichte, beleuchtete acht Tage lang die Menora, den Leuchter.</p><h2 id="in-einen-nebenraum-verbannt">In einen Nebenraum verbannt</h2><p>Chanukka wird also schon seit zweitausend Jahren gefeiert, und seit einigen Jahren im Concertgebouw mit einem Konzert vor einem Publikum aus Amsterdamer Juden und zionistischen Christen. Aber jetzt hat die Leitung des Concertgebouw das Chanukka-Konzert gestrichen. Der Grund daf&#xFC;r war der Kantor, also der liturgische S&#xE4;nger. Er ist Israeli und singt auch f&#xFC;r Einheiten der israelischen Armee IDF.</p><p>In einer Presseerkl&#xE4;rung der Leitung heisst es: &#xAB;Als Chief Cantor spielt Abramson [der Kantor] eine wichtige Rolle in den IDF und vertritt die IDF bei offiziellen Anl&#xE4;ssen. F&#xFC;r das Concertgebouw ist entscheidend, dass die IDF aktiv an einem umstrittenen Krieg beteiligt sind und Abramson ein sichtbarer Vertreter davon ist.&#xBB; Mit anderen Worten: Die Leitung des Concertgebouw ist &#xFC;berzeugt, dass die IDF eine Armee von Kriegsverbrechern ist, also ist auch der Kantor einer.</p><p>Inzwischen ist ein Kompromiss &#xFC;ber dieses Chanukka-Konzert geschlossen worden: Die Juden d&#xFC;rfen in einem Nebenraum des grossen Concertgebouw eine geschlossene Vorstellung besuchen, die nun als religi&#xF6;se Veranstaltung definiert wird und daher unter andere Regeln f&#xE4;llt. Viele Juden sind dar&#xFC;ber entsetzt.</p><h2 id="israel-wurde-zum-zentralen-thema-bei-den-wahlen">Israel wurde zum zentralen Thema bei den Wahlen</h2><p>Warum hatten die Manager des Concertgebouw so viel Angst vor dem Kantor Abramson? Sie haben offensichtlich weder Zeit noch Interesse, sich mit dem komplexen Hintergrund des Nahostkonflikts auseinanderzusetzen, wie viele andere B&#xFC;rger auch. Sie verlassen sich auf die Berichte in den Medien und sind &#xFC;berzeugt, dass die IDF in Gaza etwas angerichtet haben, was in der Weltgeschichte seinesgleichen sucht.</p><p>Die Folgen davon beschr&#xE4;nken sich nicht darauf, ob ein israelischer S&#xE4;nger in Amsterdam willkommen ist. Israelische Touristen trauen sich nicht mehr, in der &#xD6;ffentlichkeit Hebr&#xE4;isch zu sprechen oder eine Kippa zu tragen. Die Synagogen in Amsterdam werden streng bewacht. Unz&#xE4;hlige kleine Angriffe gegen Juden werden stillschweigend hingenommen.</p><p>Doch was hat das mit der Politik zu tun und mit den vergangenen Wahlen?</p><p>Dazu muss man wissen: In den Niederlanden entspricht die Einstellung zu Israel und Gaza exakt der parteipolitischen Ausrichtung. Die Linke, der sich niederl&#xE4;ndische Muslime meist angeschlossen haben, steht hinter den Bewohnern Gazas, w&#xE4;hrend die Rechte proisraelisch ist. Infolgedessen widmeten Politiker rund um die j&#xFC;ngsten Wahlen einen Grossteil der Diskussionen dem Thema Gaza.</p><p>Das Bizarre daran: Ein Konflikt, der sich mehrere tausend Kilometer entfernt abspielt und keine direkten niederl&#xE4;ndischen Interessen betrifft, wurde zu einem der grossen Streitpunkte im Vorfeld des Wahltags, angeheizt von linken Parteien und den Medien.</p><h2 id="profiteure-des-politspiels">Profiteure des Politspiels</h2><p>Die Wahlen vom 29.&#xA0;Oktober zeigten, dass die Einstellung der niederl&#xE4;ndischen Bev&#xF6;lkerung relativ stabil geblieben ist: Die Mehrheit ist weiterhin konservativ. Dass die Linke erneut geschrumpft ist, ist ein Prozess, der seit Jahrzehnten zu beobachten ist: Alle linken Parteien haben zusammengerechnet kaum noch mehr Sitze als Geert Wilders&#x2019; populistische Partei f&#xFC;r die Freiheit (PVV) allein, die 26 Sitze gewonnen hat. Auch die progressiv-liberale D66 &#x2013; einst gegr&#xFC;ndet, um das niederl&#xE4;ndische politische System zu modernisieren &#x2013; kommt auf 26 von 150 Sitzen.</p><p>Im Ausland ist man sich oft nicht bewusst, dass sich die Strukturen der Beh&#xF6;rden in den Niederlanden seit 1848 in der Tiefe kein bisschen ver&#xE4;ndert haben. Nach den Wahlen bleiben die Spitzenbeamten unabh&#xE4;ngig vom Resultat auf ihren Posten, das Geld fliesst weiterhin an dieselben NGO, die Netzwerke von Beratern und Lobbyisten bleiben so einflussreich wie zuvor. Was besonders aufst&#xF6;sst: Das sogenannte Jobkarussell, also der Kreislauf, in dem altgediente Politiker mit einem guten Regierungsjob belohnt werden, dreht sich munter weiter.</p><p>Seit 1848 werden in den Niederlanden wichtige Posten in der Gesellschaft durch Ernennungen besetzt. B&#xFC;rgermeister werden nicht gew&#xE4;hlt, sondern ernannt, ebenso die &#xAB;Kommissare des K&#xF6;nigs&#xBB;, also die Provinzgouverneure, sowie die Direktoren staatlicher Unternehmen wie der Niederl&#xE4;ndischen Eisenbahn. Wer einmal, egal ob links oder rechts, vom Establishment aufgenommen wurde, kann profitieren.</p><p>Vor zwei Jahren gewann Geert Wilders mit grossem Abstand die Wahlen. Er erhielt 37 Sitze. Nun fiel er auf 26 zur&#xFC;ck &#x2013; aber das ist f&#xFC;r ihn immer noch das zweitbeste Ergebnis seiner Karriere. Der Erfolg n&#xFC;tzt ihm wenig: Wie vor 2023 wurde wieder ein Cordon sanitaire um ihn herum errichtet. Es muss eine Koalition gebildet werden, die anderen Parteien schliessen Wilders&#x2019; PVV von Anfang an bei den Verhandlungen aus.</p><h2 id="machtfaktor-postleitzahl-lotterie">Machtfaktor Postleitzahl-Lotterie</h2><p>Rob Jetten, der junge Vorsitzende der Partei D66, hat eindeutig eine Vorliebe f&#xFC;r die Linke, aber f&#xFC;r eine Koalition mit ihnen fehlen ihm die Mehrheiten. Selbst f&#xFC;r eine Mitte-links-Koalition braucht er in jedem Fall die VVD, die liberal-rechte Partei mit 22 Sitzen, die f&#xFC;r jede Koalition unentbehrlich ist. Die VVD will jedoch ausschliesslich eine Mitte-rechts-Koalition. Aber ich frage mich: Spielt das &#xFC;berhaupt eine Rolle?</p><p>Rob Jetten war einige Zeit Klimaminister, was f&#xFC;r einen so jungen Politiker bemerkenswert ist. Es wurde ein &#xAB;Klimabudget&#xBB; von 35 Milliarden Euro geschaffen, das, wie er auf eine Frage im Parlament antworten musste, zu einer Verringerung des Temperaturanstiegs auf der Erde f&#xFC;hren wird &#x2013; in der Tat: zu einer Verringerung des Anstiegs &#x2013; um 0,000036 Grad Celsius. Jetten musste selbst dar&#xFC;ber lachen. Aber er trat nicht zur&#xFC;ck.</p><p>Die linksliberalen Eliten aus Politik, Medien und Kunst sowie Heerscharen von Studenten und Angeh&#xF6;rigen der besseren Mittelschicht (das sind die W&#xE4;hler von Rob Jettens D66) schw&#xF6;ren auf die Idee, dass das Klima vom Menschen zerst&#xF6;rt wird und auch wieder repariert werden kann. Sie glauben auch, dass die Welt von populistischen Faschisten wie Wilders und Trump bedroht wird und dass Israel genozidale Gewalt anwendet. Dieser Teil der Bev&#xF6;lkerung ist zwar in der Minderheit, aber in den Medien, den Beh&#xF6;rden und der Kultur ausserordentlich stark vertreten.</p><p>Was die Situation in den Niederlanden noch komplizierter macht, ist die Rolle der &#x2013; man wundere sich nicht &#x2013; Postleitzahl-Lotterie. Ja, tats&#xE4;chlich: Es gibt eine nationale Postleitzahl-Lotterie. Diese beherrscht den Lotteriemarkt. Die damit verbundenen Ertr&#xE4;ge fliessen in &#xAB;gute Zwecke&#xBB;. Die Empf&#xE4;nger sind vor allem linke NGO, die sich mit dem Klima und Fl&#xFC;chtlingen befassen.</p><p>Die Lotteriemanager, NGO, linke Politiker, aktivistische Richter, die meisten Medien (einschliesslich der unabh&#xE4;ngigen &#xF6;ffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten) &#x2013; sie bilden zusammen ein erstickendes Geflecht, das immer weiterbesteht, egal, wer die Wahlen gewinnt.</p><h2 id="alles-ist-nur-noch-metapher">Alles ist nur noch Metapher</h2><p>Die niederl&#xE4;ndische Demokratie hat sich von einer Elite einlullen lassen, die glaubt, das Recht zu haben, ihre Macht zu festigen, unabh&#xE4;ngig davon, was die B&#xFC;rger als ihre Interessen ansehen. Die B&#xFC;rger w&#xFC;ssten nicht, was ihre Interessen seien, behaupten die Herrscher unseres Landes. Deshalb m&#xFC;ssen sie durch die zwingenden Erkenntnisse insbesondere der D66 aufgekl&#xE4;rt werden, also der Partei, die &#x2013; oh Ironie &#x2013; 1966 gegr&#xFC;ndet wurde, um das Modell von 1848 zu modernisieren, aber seit Jahrzehnten den Status quo bewahrt.</p><p>Welcher Verwaltungsbeamte oder Politiker hat die Zeit, sich Gegenstimmen anzuh&#xF6;ren? Und warum sollte er? Wer will schon mit der vorherrschenden Meinung brechen? Wer will schon ein verspotteter Dissident werden? Es ist sicherer, sich dem Tagesgeschehen anzuschliessen: Die Hamas sind Freiheitsk&#xE4;mpfer, die Juden Israels sind Monster, der Klimawandel kann mit Verboten und Milliardenbetr&#xE4;gen von den Steuerzahlern bek&#xE4;mpft werden.</p><p>Ich bin mittlerweile zur ern&#xFC;chternden Erkenntnis gelangt: Propaganda funktioniert. Die braven Direktoren des Concertgebouw sind Opfer davon. Auch die W&#xE4;hler von D66 sind Opfer. Eine perfekte Marketingkampagne, besser gesagt: Propagandawelle, hat Rob Jetten, der doch von vielen als Operettenfigur angesehen wird, popul&#xE4;r gemacht. Pl&#xF6;tzlich begann er viel zu lachen, war fr&#xF6;hlich und &#xFC;bernahm Barack Obamas wunderbaren Slogan &#xAB;Yes, we can&#xBB;. Jetten versprach viele sch&#xF6;ne Dinge, insbesondere versprach er zur L&#xF6;sung der Wohnungsnot den Bau von nicht weniger als zehn neuen St&#xE4;dten &#x2013; aber das sollten wir, so sagte ein prominenter D66-Politiker unmittelbar nach dem Wahlsieg, als Metapher betrachten.</p><p>So geht das mit Politikern: Alles ist auf einmal Metapher. Niemand ist verantwortlich. Es sind nur W&#xF6;rter.</p><p><em><strong>Leon de Winter</strong>&#xA0;geh&#xF6;rt zu den bekanntesten Schriftstellern der Niederlande. Zuletzt erschien von ihm der Roman &#xAB;Stadt der Hunde&#xBB; (Diogenes-Verlag).</em></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ich verstehe die Empörung über die Bezeichnung «Mohr» nicht: Denn ich bin selbst, per Definition des Wortes, ein Mohr]]></title><description><![CDATA[Man stelle sich vor, eine beliebte Süssigkeit hiesse «Sklavenkopf». Die Empörung wäre gross. Doch genau so wird das Schaumgebäck, um dessen Namen bei uns gestritten wird, in arabischen Ländern genannt: Ras al-Abd – wörtlich: «Sklavenkopf».]]></description><link>https://tat.xbopp.com/ich-verstehe-die-emporung-uber-die-bezeichnung-mohr-nicht-denn-ich-bin-selbst-per-definition-des-wortes-ein-mohr/</link><guid isPermaLink="false">69109b1c983f4d5fe586659c</guid><category><![CDATA[Racism]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Sun, 09 Nov 2025 13:50:20 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/11/Hll._Anno_und_Gregor_der_Mohr_-Inv._1474_Vorderseite-.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/11/Hll._Anno_und_Gregor_der_Mohr_-Inv._1474_Vorderseite-.jpg" alt="Ich verstehe die Emp&#xF6;rung &#xFC;ber die Bezeichnung &#xAB;Mohr&#xBB; nicht: Denn ich bin selbst, per Definition des Wortes, ein Mohr"><p><strong>Der hiesige Kampf gegen Rassismus sei aus den Fugen geraten, schreibt der Autor Kacem El Ghazzali. Mit der Realit&#xE4;t der Betroffenen habe er schon lange nichts mehr zu tun.</strong></p><p><em>NZZ, Kacem El Ghazzali, 07.11.2025, </em></p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2025/11/06/ac155595-c42e-4fc3-ac1b-aee937bf7431.jpg?width=654&amp;height=436&amp;fit=crop&amp;quality=75&amp;auto=webp" class="kg-image" alt="Ich verstehe die Emp&#xF6;rung &#xFC;ber die Bezeichnung &#xAB;Mohr&#xBB; nicht: Denn ich bin selbst, per Definition des Wortes, ein Mohr" loading="lazy" width="654" height="436"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Die S&#xFC;ssigkeit steht im Zentrum eines Kulturkampfs.Majdi Fathi / Nurphoto / Getty</span></figcaption></figure><p>Man stelle sich vor, eine beliebte S&#xFC;ssigkeit hiesse &#xAB;Sklavenkopf&#xBB;. Die Emp&#xF6;rung w&#xE4;re gross. Doch genau so wird das Schaumgeb&#xE4;ck, um dessen Namen bei uns gestritten wird, in arabischen L&#xE4;ndern genannt: Ras al-Abd &#x2013; w&#xF6;rtlich: &#xAB;Sklavenkopf&#xBB;. Wer auf Youtube auf Arabisch &#xAB;Sklavenkopf&#xBB; eingibt, findet Hunderte von Rezepten aus Marokko, Algerien, Tunesien und auch Syrien. Leider ohne Aufschrei &#x2013; denn Abd (Sklave) ist bis heute eine g&#xE4;ngige Bezeichnung f&#xFC;r schwarze Menschen in vielen dieser L&#xE4;nder. Diese Realit&#xE4;t wirft ein Schlaglicht auf eine bemerkenswerte Asymmetrie in der antirassistischen Debatte.</p><p>Die Z&#xFC;rcher Auseinandersetzung um historische Inschriften mit dem Wort &#xAB;Mohr&#xBB; an Altstadth&#xE4;usern f&#xFC;hrte zu einem jahrelangen Rechtsstreit und gipfelte schliesslich in der Ank&#xFC;ndigung, die Inschriften abzudecken. Der st&#xE4;dtische Antirassismus-Beauftragte, Christof Meier, vermied&#xA0;<a href="https://www.nzz.ch/zuerichs-antirassismus-fachmann-ueber-diskriminierung-heikle-woerter-und-zeitgeist-ld.1908591?ref=tat.xbopp.com">in einem NZZ-Interview</a>&#xA0;sogar, das Wort auszusprechen, und umschrieb es als &#xAB;M-Wort&#xBB; &#x2013; in Analogie zum &#xAB;N-Wort&#xBB;.</p><p>Will uns die Stadt Z&#xFC;rich damit sagen, dass &#xAB;Mohr&#xBB; so schlimm ist wie &#xAB;Sklave&#xBB;? Dass &#xAB;Mohr&#xBB; gleichzusetzen ist mit &#xAB;Neger&#xBB;? Diese implizite Gleichsetzung durch das Sprechverbot wirft grundlegende Fragen auf &#x2013; nicht nur semantische, sondern auch historische und moralische.</p><h2 id="menschen-werden-zu-opfern-gemacht">Menschen werden zu Opfern gemacht</h2><p>Ich verstehe diese Emp&#xF6;rung nicht. Denn ich bin selbst, per Definition des Wortes, ein Mohr &#x2013; ein Nachfahre jener nordafrikanischen Bev&#xF6;lkerung, die historisch so bezeichnet wurde. Und aus dieser Perspektive erscheint mir die Debatte in mehrfacher Hinsicht schief.</p><p>Der Mohr war in der Geschichte kein Opfer, sondern ein selbstbewusster Akteur. Zur Zeit der Griechen und R&#xF6;mer war Nordafrika integraler Teil der mediterranen Zivilisation. Die Grenze zum &#xAB;anderen&#xBB; verlief nicht am Mittelmeer, sondern in der Subsahara. Das antike Rom gab der Welt nordafrikanische Kaiser, Dichter und Denker.</p><p>W&#xE4;hrend des Christentums pr&#xE4;gten maurische Gelehrte die Religion fundamental. Der heilige Augustinus von Hippo, einer der einflussreichsten Kirchenv&#xE4;ter &#xFC;berhaupt, stammte aus dem heutigen Algerien.</p><p>Im Fr&#xFC;h- bis Sp&#xE4;tmittelalter war der Mohr ein Eroberer. Die maurische Herrschaft erstreckte sich &#xFC;ber die Iberische Halbinsel und dr&#xE4;ngte bis nach Frankreich vor, wo sie erst 732 in der Schlacht von Tours gestoppt wurde. Maurische Heere erreichten sogar den S&#xFC;den der heutigen Schweiz.</p><h2 id="nicht-zwangsl%C3%A4ufig-verletzend">Nicht zwangsl&#xE4;ufig verletzend</h2><p>Die Umschreibung als &#xAB;M-Wort&#xBB; ist mehr als eine sprachliche Vorsichtsmassnahme; sie ist eine implizite Gleichsetzung. Sie legt nahe, dass &#xAB;Mohr&#xBB; in seiner Toxizit&#xE4;t und Verletzungsmacht mit dem &#xAB;N-Wort&#xBB; oder eben dem Begriff &#xAB;Sklave&#xBB; vergleichbar sei. Diese Gleichsetzung ignoriert jedoch fundamentale Unterschiede.</p><p>&#xAB;Mohr&#xBB; ist historisch ambivalent. Der Begriff kann, wenn man es will, rassistisch konnotiert und verwendet werden. Er tr&#xE4;gt diese Bedeutung aber nicht in sich. Er kann historisch-deskriptiv, neutral oder sogar als positive Selbstbezeichnung verwendet werden. Die Weigerung, &#xAB;Mohr&#xBB; auszusprechen, schafft damit erst jene eindeutige negative Bedeutung, die sie eigentlich nur zu reflektieren vorgibt.</p><p>Die Z&#xFC;rcher Debatte operiert mit der Pr&#xE4;misse, dass der Begriff &#xAB;Mohr&#xBB; f&#xFC;r die Bezeichneten zwangsl&#xE4;ufig verletzend sei. Diese Annahme ignoriert jedoch die Diskurse innerhalb vieler nordafrikanischer und diasporischer Communitys.</p><p>In Marokko feiert eine junge Generation von Nationalisten, was sie als &#xAB;maurische/mohrische Kultur&#xBB; bezeichnet. Sie besetzen den Begriff positiv und betonen ausschliesslich die Heldentaten der Vorfahren &#x2013; oft in bewusster Abgrenzung und sogar abwertend gegen&#xFC;ber Arabern und anderen nicht nordafrikanischen Ethnien, inklusive schwarzer Afrikaner. Hier ist der Mohr wieder kein Opfer, sondern selbst Rassist und T&#xE4;ter.</p><p>Diese Perspektive findet in der eurozentrischen Z&#xFC;rcher Debatte kaum Beachtung. Es entsteht der Eindruck, dass ein postkolonial gepr&#xE4;gter Diskurs ein Opfernarrativ &#xFC;ber jene Gruppen legt, die sich selbst gar nicht prim&#xE4;r als Opfer dieses Begriffs verstehen.</p><h2 id="massst%C3%A4be-werden-vermischt">Massst&#xE4;be werden vermischt</h2><p>Die Debatte wird von Ans&#xE4;tzen der Critical Race Theory und der Postcolonial Studies gepr&#xE4;gt. Diese haben wichtige Perspektiven er&#xF6;ffnet, k&#xF6;nnen aber auch eine selbstreferenzielle Dynamik entwickeln. Es ist ein professionelles Umfeld (aus Diversit&#xE4;tsberatern, Kommissionen usw.) entstanden, dessen Aufgabe die Identifikation von Diskriminierungsformen ist.</p><p>Dies f&#xFC;hrt zu einer problematischen Verschiebung: Je weniger eindeutiger Rassismus sichtbar ist, desto intensiver muss nach symbolischen oder ambivalenten Formen gesucht werden. Es besteht ein struktureller Anreiz &#x2013; die Sicherung der eigenen Relevanz &#x2013;, den Fokus permanent auf der Identifikation neuer Rassismen zu halten. Diese Notwendigkeit, f&#xFC;ndig zu werden, verwischt die Massst&#xE4;be und erschwert die Differenzierung zwischen &#xAB;Sklavenkopf&#xBB;, &#xAB;Mohr&#xBB; und &#xAB;Neger&#xBB;.</p><p>Der professionelle Antirassismus st&#xFC;tzt sich hier auf ein zentrales soziolinguistisches Argument: Die urspr&#xFC;ngliche Etymologie des &#xAB;Mohren&#xBB; sei irrelevant. Entscheidend sei, dass der Begriff im deutschen Sprachgebrauch eine rassistische Aufladung erfahren habe &#x2013; als pauschalisierende Fremdbezeichnung, oft synonym mit &#xAB;Neger&#xBB; verwendet. Die Deutungshoheit, so das Argument, liege ausschliesslich bei den im hiesigen Kontext Betroffenen (zum Beispiel Afrodeutschen), und diese lehnten den Begriff ab.</p><p>Doch genau diese Argumentation, die vorgibt, kontextsensitiv zu sein, entlarvt ihre eigene Provinzialit&#xE4;t. Sie isoliert den deutschen Sprachraum und macht ihn zum Nabel der postkolonialen Welt. W&#xE4;re dieser Ansatz konsequent, m&#xFC;sste er auch Begriffe wie &#xAB;Araber&#xBB;, &#xAB;T&#xFC;rke&#xBB; oder den veralteten Begriff &#xAB;Mohammedaner&#xBB; problematisieren. Auch sie waren im kolonialen Diskurs oft pauschalisierend und rassistisch konnotiert, dennoch k&#xE4;me niemand auf die Idee, sie als &#xAB;A-Wort&#xBB; oder &#xAB;T-Wort&#xBB; zu umschreiben oder ihren Gebrauch zu verbieten.</p><h2 id="historischer-stolz">Historischer Stolz</h2><p>Die positive Selbstaneignung des &#xAB;Mohren&#xBB;-Begriffs in Nordafrika ist kein &#xAB;reclaiming&#xBB; nach westlichem Vorbild &#x2013; also keine bewusste Wiederaneignung eines als rassistisch erkannten Begriffs analog zum &#xAB;N-Wort&#xBB;. Im Gegenteil: Viele Marokkaner, die sich heute &#xAB;Mauren/Mohren&#xBB; nennen, tun dies aus purem historischem Stolz und wollen explizit so bezeichnet werden. Von der spezifisch deutschen Debatte, die den Begriff als rassistisch einstuft, haben sie oft nicht einmal Wind bekommen. Genau dieser Umstand offenbart die Provinzialit&#xE4;t des Z&#xFC;rcher Diskurses, der annimmt, seine lokale Einstufung habe globale G&#xFC;ltigkeit.</p><p>W&#xE4;hrend Z&#xFC;rich &#xFC;ber &#xAB;Mohr&#xBB; streitet, wird in Kairo &#xAB;Sklavenkopf&#xBB; serviert und in Libyen mit Menschen gehandelt. Diese Asymmetrie in der Wahrnehmung ist kein Zufall, sondern das Resultat eines Antirassismus, der paradoxerweise tief eurozentrisch ist. Er basiert oft auf der Annahme, Rassismus sei eine spezifisch westliche Pathologie, ein Produkt von Kolonialismus und Aufkl&#xE4;rung. Diese Sichtweise ignoriert, dass Rassismus ein universelles Ph&#xE4;nomen ist. Ibn Khaldun, einer der bedeutendsten nordafrikanischen Historiker des 14.&#xA0;Jahrhunderts, schrieb unverbl&#xFC;mt: &#xAB;Daher sind in der Regel die schwarzen V&#xF6;lker der Sklaverei unterw&#xFC;rfig, denn sie haben wenig Menschliches und haben Eigenschaften, die ganz &#xE4;hnlich denen von stummen Tieren sind.&#xBB; Die Gleichsetzung von &#xAB;schwarz&#xBB; und &#xAB;Sklave&#xBB; (Abd) im Arabischen ist jahrhundertealt, und der arabische Sklavenhandel war historisch von enormer Dimension.</p><p>Postkoloniale Ans&#xE4;tze tendieren dazu, diese Realit&#xE4;ten auszublenden. Die Sorge, als kulturell &#xFC;berheblich oder &#xAB;orientalistisch&#xBB; zu erscheinen, wenn man nichtwestlichen Rassismus kritisiert, f&#xFC;hrt zu einer selektiven Anwendung moralischer Standards. Man problematisiert &#xAB;Mohr&#xBB; mit grosser Inbrunst, weil es in die eigene (westliche) Schulderz&#xE4;hlung passt, w&#xE4;hrend man zu &#xAB;Sklavenkopf&#xBB; oder realer Sklaverei in anderen Regionen tendenziell schweigt. Man will Rassismus bei fremden Kulturen nicht kritisieren, um selbst nicht als Rassist bezeichnet zu werden &#x2013; und sucht stattdessen mit dem Mikroskop in der eigenen Sprache nach Rassismus.</p><p><em><strong>Kacem El Ghazzali</strong>&#xA0;ist ein marokkanisch-schweizerischer Islamwissenschafter und Publizist.</em></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[The ‘Human Right’ to Smoke in Prison]]></title><description><![CDATA[The European Court of Human Rights ruled that four longtime prisoners in Estonia were due restitution from the state for “weight gain, sleeping problems, depression, and anxiety” caused by not being allowed to smoke in prison.]]></description><link>https://tat.xbopp.com/the-human-right-to-smoke-in-prison/</link><guid isPermaLink="false">6910992c983f4d5fe5866589</guid><category><![CDATA[EU]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Sun, 09 Nov 2025 13:39:54 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/11/137190-176835-176834_rc.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<h2 id="if-you-want-to-know-where-a-%E2%80%98living-constitution%E2%80%99-leads-look-at-europe">If you want to know where a &#x2018;living constitution&#x2019; leads, look at Europe.</h2><hr><img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/11/137190-176835-176834_rc.jpg" alt="The &#x2018;Human Right&#x2019; to Smoke in Prison"><p>WSJBy&#xA0;John Masko, Nov. 7, 2025</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://opinion-images.wsj.net/im-56928396/?size=1.5" class="kg-image" alt="The &#x2018;Human Right&#x2019; to Smoke in Prison" loading="lazy" width="1280" height="853"></figure><p>If you want to see what a &#x201C;living constitution&#x201D; looks like, go to Europe. On Tuesday, in&#xA0;<em>Vainik v. Estonia,&#xA0;</em>the European Court of Human Rights ruled that four longtime prisoners in Estonia were due restitution from the state for &#x201C;weight gain, sleeping problems, depression, and anxiety&#x201D; caused by not being allowed to smoke in prison.</p><p>The decision was grounded on Article 8 of the European Convention on Human Rights. The text of Article 8 doesn&#x2019;t mention any right to enjoy a cigarette whenever one pleases. Rather, it protects a broad &#x201C;right to private life,&#x201D; which the court accused Estonia of violating in the&#xA0;<em>Vainik&#xA0;</em>case. &#x201C;The Court,&#x201D; the judges wrote, &#x201C;was sensitive to the context of the already limited personal autonomy of prisoners, and that the freedom for them to decide for themselves&#x2014;such as whether to smoke&#x2014;was all the more precious.&#x201D; An odd ruling, but perhaps Europe loves its cigarettes that much?</p><p>No, that isn&#x2019;t it. In&#xA0;<em>Elefteriadis v. Romania&#xA0;</em>(2011), the same court ruled that Romania owed restitution to a prisoner for health consequences resulting from his exposure to secondhand smoke in prison. This decision was grounded on Article 3 of the convention, which states that &#x201C;no one shall be subjected to torture or to inhuman or degrading treatment or punishment.&#x201D; That the prison had been overcrowded at the time didn&#x2019;t absolve it from its responsibility to provide the plaintiff, whose doctor had advised to avoid tobacco smoke, with a smoke-free environment.</p><p>The European Court of Human Rights has now declared that Europeans have both a right to smoke in prison and a right not to be exposed to smoke in prison. How can both those rights be enforced? No one bothers to explain.</p><p>For Americans, cases like this are useful because they illustrate the hell that awaits us if we stray too far down the path of judicial activism. The rights enshrined in the European Convention on Human Rights are broad, heavily qualified, and difficult to interpret to start with. Consider the unclarity of Article 9, which declares that &#x201C;everyone has the right to freedom of thought, conscience and religion&#x201D;&#x2014;but that such freedoms can be curtailed &#x201C;in the interests of public safety, for the protection of public order, health or morals.&#x201D;</p><p>Such text can be made to mean almost anything, particularly in the hands of creative jurists. Breathing in secondhand smoke in prison is &#x201C;inhuman and degrading treatment&#x201D; if the judges say so, while not being allowed to produce secondhand smoke is a violation of the &#x201C;right to private life.&#x201D; The result is a legal goulash in which supposedly fundamental human rights are made to contradict one another&#x2014;a state of affairs that can only create a disordered, profoundly illiberal society.</p><p><em>Mr. Masko is a freelance writer based in Boston.</em></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Niall Ferguson: Osama bin Laden’s Posthumous Victory]]></title><description><![CDATA[In short, comparing the world today with that of 24 years ago, I am tempted to say that bin Laden lost the war on terror but is winning the clash of civilizations. ]]></description><link>https://tat.xbopp.com/niall-ferguson-osama-bin-ladens-posthumous-victory/</link><guid isPermaLink="false">68c5274140f4b817b6bdb7e5</guid><category><![CDATA[Islam]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Sat, 13 Sep 2025 08:42:35 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/09/muslim_brotherhood.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/09/muslim_brotherhood.png" alt="Niall Ferguson: Osama bin Laden&#x2019;s Posthumous Victory"><p><em>The Free Press, 11. September 2025</em></p><p>This week&#x2019;s azure September skies over New York brought back memories. Twenty-four years ago, I was due to give a lecture at New York University. The date of the lecture was 9/12. I never flew.</p><p>On the day of the attacks, I sat in my study at Jesus College, Oxford, staring incredulously at the pixelated live video of the Twin Towers first blazing, then collapsing. Not long after, in April 2002, I accepted a chair at the Stern School of Business at NYU and resigned my Oxford professorship.</p><p>My motivation was partly the hereditary Scottish tendency to march toward the sound of gunfire. As a teenager in 1914, my grandfather John Ferguson had volunteered to fight the Germans. This seemed easier.</p><p>Regardless of the 9/11 attackers&#x2019; motives, I had a strong objection to terrorism as a political method&#x2014;a result of growing up in Glasgow in the 1970s, when &#x201C;the Troubles&#x201D; in nearby Northern Ireland did more than merely resonate. My first impulse after the attacks,&#xA0;<a href="https://www.nytimes.com/2001/09/20/opinion/the-war-on-terror-is-not-new.html?ref=tat.xbopp.com">in a piece</a>&#xA0;for&#xA0;<em>The New York Times</em>, was to liken the sympathetic British reaction to 9/11 to the American reaction to&#xA0;<a href="https://www.iwm.org.uk/history/the-blitz-around-britain?ref=tat.xbopp.com">the Blitz of 1940-41</a>. But I also warned Americans to &#x201C;steel themselves for a long, inglorious kind of war that governments in Europe already know only too well.&#x201D; In wars against terrorists, I wrote, &#x201C;there are no quick victories. The foe does not line up his tanks for you to flatten, his ships for you to sink. His troops live among you.&#x201D;</p><p>Yet this was not the&#xA0;<a href="https://www.bbc.com/news/uk-northern-ireland-49299060?ref=tat.xbopp.com">Provisional IRA</a>. Rereading a transcript of&#xA0;<a href="https://www.nytimes.com/2001/11/03/international/bin-ladens-statement.html?ref=tat.xbopp.com">Osama bin Laden</a>&#x2019;s first post-9/11 video, from November 3, 2001, I am reminded how explicitly he declared a war of religion. &#x201C;People were divided into two parts&#x201D; after 9/11, he declared. &#x201C;The first part supported these strikes against U.S. tyranny, while the second denounced them.&#x201D;</p><p>&#x201C;The vast majority of the sons of the Islamic world were happy about these strikes,&#x201D; bin Laden went on, &#x201C;because they believe that the strikes were in reaction to the huge criminality practiced by Israel and the United States in Palestine and other Muslim countries.&#x201D; There were demonstrations of support for his action &#x201C;from the farthest point in the eastern part of the Islamic world to the farthest point in the western part of the Islamic world.&#x201D; This revealed the key reality: &#x201C;This war is fundamentally religious. The people of the East are Muslims. They sympathized with Muslims against the people of the West, who are the crusaders.&#x201D;</p><p>With the passage of two and a half decades, it is startling just how unambiguous bin Laden was about his religious motive. &#x201C;Under no circumstances,&#x201D; he declared, &#x201C;should we forget this enmity between us and the infidels. For, the enmity is based on creed. . . . It is a question of faith, not a war against terrorism.&#x201D; The goal of all Muslims should now be to &#x201C;resist the most ferocious, serious, and violent Crusade campaign against Islam ever since the message was revealed to Muhammad.&#x201D;</p><p>Bin Laden saw the war he was waging as a counterattack&#x2014;&#x201C;to take revenge for those innocent children in Palestine, Iraq, southern Sudan, Somalia, Kashmir and the Philippines.&#x201D; The U.S. president, George W. Bush, might be the latest &#x201C;crusader,&#x201D; who &#x201C;carried the cross and raised its banner high,&#x201D; but bin Laden traced his war back to the aftermath of World War I, when &#x201C;the whole Islamic world fell under the crusader banner &#x2026; and Palestine was occupied by the British.&#x201D; Now the tables had been turned. And he had turned them with just 19 men whose faith exalted martyrdom.</p><p>Comparing the world today with that of 24 years ago, I am tempted to say that bin Laden lost the war on terror but is winning the clash of civilizations.</p><p>You can see why, at the time, many commentators saw 9/11 as vindicating the Harvard political scientist&#xA0;<a href="https://news.harvard.edu/gazette/story/2009/02/samuel-huntington-81-political-scientist-scholar/?ref=tat.xbopp.com">Samuel Huntington</a>, whose seminal essay on &#x201C;<a href="https://www.foreignaffairs.com/articles/united-states/1993-06-01/clash-civilizations?ref=tat.xbopp.com">The Clash of Civilizations</a>&#x201D; had been published in 1993, as well as the Princeton scholar&#xA0;<a href="https://www.princeton.edu/news/2018/05/22/bernard-lewis-eminent-middle-east-historian-princeton-dies-101?ref=tat.xbopp.com">Bernard Lewis</a>, who had&#xA0;<a href="https://www.theatlantic.com/magazine/archive/1990/09/the-roots-of-muslim-rage/304643/?ref=tat.xbopp.com">long argued</a>&#xA0;that Islam was chronically unable to modernize.</p><p>My wife,&#xA0;<a href="https://www.thefp.com/w/ayaan-hirsi-ali?ref=tat.xbopp.com">Ayaan Hirsi Ali</a>, was born in Somalia and shared this view, not because she was a scholar of Islam but because she was a Muslim&#x2014;and, indeed, a former member of&#xA0;<a href="https://www.cfr.org/backgrounder/egypts-muslim-brotherhood?ref=tat.xbopp.com">the Muslim Brotherhood</a>. In September 2001, she was working at a political think tank in the Netherlands, having sought asylum there in 1992 to escape war-torn Mogadishu and an arranged marriage.</p><p>In her&#xA0;<a href="https://bookshop.org/a/93116/9780743289696?ref=tat.xbopp.com">memoir,<u>&#xA0;</u></a><a href="https://bookshop.org/a/93116/9780743289696?ref=tat.xbopp.com"><em>Infidel</em></a>, she recalls how, after hearing bin Laden&#x2019;s video, she &#x201C;picked up the Quran and the hadith and started looking through them, to check. I hated to do it, because I knew that I would find bin Laden&#x2019;s quotations in there.&#x201D; She shot to notoriety by telling the Dutch that the 9/11 attackers were simply following the Prophet Muhammad&#x2019;s injunction to wage holy war.</p><p>Over the past 24 years, I have valiantly tried to see 9/11 differently&#x2014;not as a civilizational clash between Islam and &#x201C;the West&#x201D; but as something that fit better into my own secular frame of reference. Raised an atheist, trained as an economic historian, I felt obliged to look behind what I took to be the facade of religious zealotry.</p><p>A decade after the attacks, in&#xA0;<a href="https://www.nytimes.com/2001/12/02/magazine/2011.html?ref=tat.xbopp.com">a piece I wrote</a>&#xA0;for&#xA0;<em>The New York Times Magazine,</em>&#xA0;I portrayed them as the product of four underlying historical trends. First, the spread of terrorism from the Middle East and Europe to the United States. Second, the post-2000 economic downturn, combined with widening inequality between nations and a coming oil shock, possibly compounded by a Saudi revolution akin to the one that overthrew the Shah in 1979. (I completely failed to foresee the&#xA0;<a href="https://www.cfr.org/report/shale-gas-and-tight-oil-boom?ref=tat.xbopp.com">shale oil revolution</a>&#xA0;and bought into the &#x201C;<a href="https://www.forbes.com/sites/arielcohen/2022/11/30/peak-oil-the-perennial-prophecy-that-went-wrong/?ref=tat.xbopp.com">peak oil&#x201D; myth</a>). Third, the transition of American global power from informal to formal imperialism. And last, the fragmentation of the multicultural polity. (&#x201C;Rather than anticipating a clash between monolithic civilizations, we should expect a continued process of political disintegration as religious and ethnic conflicts challenge the integrity of existing multicultural nation-states.&#x201D;)</p><p>Missing in this&#x2014;and in much of my work that followed&#x2014;was Islam.</p><p>In&#xA0;<a href="https://bookshop.org/a/93116/9780143112396?ref=tat.xbopp.com"><em>The War of the World</em></a><em>&#xA0;</em>(2006), I got a little closer to Huntington, portraying 1979 as a much bigger turning point than 2001 in terms of the demographic as well as political rise of Islam, a point I returned to in&#xA0;<a href="https://bookshop.org/a/93116/9780143122067?ref=tat.xbopp.com"><em>Civilization: The West and the Rest</em></a>&#xA0;(2011). However, laboriously quantifying every war since Huntington&#x2019;s essay had appeared, I argued that most conflicts since 1993 had, in reality, been&#xA0;<em>within&#xA0;</em>rather than between civilizations. In&#xA0;<a href="https://bookshop.org/a/93116/9780735222939?ref=tat.xbopp.com"><em>The Square and the Tower</em></a><em>&#xA0;</em>(2017), I applied&#xA0;<a href="https://www.ebsco.com/research-starters/physics/network-theory?ref=tat.xbopp.com">network theory</a>&#xA0;to the problem, showing how al-Qaeda itself was a network within a much larger network of Islamist organizations; and that its expansion in response to the invasion of Iraq ultimately necessitated a networked response (in the form of&#xA0;<a href="https://www.businessinsider.com/gen-stanley-mcchrystal-transformed-jsoc-hierarchy-2018-12?ref=tat.xbopp.com">General Stan McChrystal&#x2019;s</a>&#xA0;Joint Special Operations Command). Most recently,&#xA0;<a href="https://bookshop.org/a/93116/9780593297391?ref=tat.xbopp.com">in</a><a href="https://bookshop.org/a/93116/9780593297391?ref=tat.xbopp.com"><em><u>&#xA0;</u>Doom</em></a><em>&#xA0;</em>(2021), I downgraded 9/11 to just another disaster, and not a very big one. &#x201C;In terms of excess mortality, April 2020 in New York City was &#x2026; three and a half times worse than September 2001, the month of the 9/11 terrorist attack.&#x201D;</p><p>On reflection, I see that I was overthinking the event. Or perhaps under-thinking it.</p><p>Huntington, Lewis, and my wife were right.</p><p>In Huntington&#x2019;s&#xA0;<a href="https://www.foreignaffairs.com/articles/united-states/1993-06-01/clash-civilizations?ref=tat.xbopp.com">original formulation</a>, &#x201C;the fundamental source of conflict&#x201D; in the world after the Cold War would be &#x201C;cultural&#x201D;; &#x201C;the principal conflicts of global politics&#x201D; would be &#x201C;between nations and groups of different civilizations&#x201D;&#x2014;&#x201C;Western, Confucian, Japanese, Islamic, Hindu, Slavic-Orthodox, Latin American, and possibly African.&#x201D; In particular, Huntington predicted, the &#x201C;centuries-old military interaction between the West and Islam&#x201D; could become &#x201C;more virulent.&#x201D; He also foresaw a &#x201C;Confucian-Islamic military connection&#x201D; that would culminate in a conflict between &#x201C;The West and the Rest.&#x201D;</p><p>Amongst the younger generation of proto-woke Ivy League professors, Huntington was widely mocked for his &#x201C;essentialism.&#x201D; But consider, with Huntington&#x2019;s argument in mind, all that has happened since September 2001. Terrorism has largely been contained in the U.S. and EU, though not globally. In that sense, we won the &#x201C;war on terror,&#x201D; which was successfully displaced from the U.S. to the periphery. It was ultimately defeated in Iraq, though not in Afghanistan. Today, as a result, terrorism in the world looks very different from what I foresaw in 2001. According to the&#xA0;<a href="https://www.economicsandpeace.org/global-terrorism-index/?ref=tat.xbopp.com">Global Terrorism Index 2025</a>, published by the Institute for Economics &amp; Peace, the top five countries most impacted by terrorism last year were: Burkina Faso, Pakistan, Syria, Mali, and Niger. Globally, terrorism peaked in 2014-2015. In countries such as Iraq, it has declined dramatically. (In 2007, terrorists claimed 6,249 lives in Iraq. Last year, the total was just 59.)</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!jK4-!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fc3a5a92f-278f-434c-9c40-dd4490eb3422_1024x683.jpeg" class="kg-image" alt="Niall Ferguson: Osama bin Laden&#x2019;s Posthumous Victory" loading="lazy" width="1024" height="683"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Burkina Faso servicemen carry a coffin during the burial of the soldiers killed in a clash with al-Qaeda, in Ouagadougou, Burkina Faso, on October 8, 2022. (Olympia De Maismont/AFP via Getty Images)</span></figcaption></figure><p>In the United States, it is&#xA0;<a href="https://www.politico.com/news/2020/09/04/white-supremacists-terror-threat-dhs-409236?utm_source=perplexity">widely asserted</a>, white supremacists now pose a bigger terrorist threat than Islamists&#x2014;although the attack in New Orleans on January 1, 2025, when Shamsud-Din Jabbar killed 14 people by driving a pickup truck into a crowd on&#xA0;<a href="https://www.thefp.com/p/has-europes-islamist-threat-come-to-america?ref=tat.xbopp.com">Bourbon Street</a>, is a reminder that Islamic State has not entirely gone away. We don&apos;t yet know who murdered Charlie Kirk yesterday. My wild guess: not a white supremacist. Still, the latest&#xA0;<a href="https://www.csis.org/analysis/global-terrorism-threat-assessment-2025?ref=tat.xbopp.com">Global Terrorism Threat Assessment</a>&#xA0;by the Center for Strategic and International Studies makes clear just how wrong I was in 2001 to anticipate a sustained campaign of jihadist terrorism in the United States. Say what you like about our national security agencies, they won that war.</p><p>Yet nonviolent radicalization (what Islam calls&#xA0;<em>dawa&#xA0;</em>as opposed to violent&#xA0;<em>jihad</em>) has advanced significantly everywhere in the Western world, wherever there are Muslim communities. The critical point&#x2014;as my wife explained&#xA0;<a href="http://www.hoover.org/sites/default/files/research/docs/ali_challengeofdawa_final_web.pdf?ref=tat.xbopp.com">in a book</a>&#xA0;on the subject&#x2014;is that Islamism as a deeply illiberal political ideology does not need to engage in acts of terrorism to spread.</p><p>I never cease to marvel at the ingenuity with which the Muslim Brotherhood and other proselytizing organizations spread their network, through mosques, Islamic centers, schools, colleges, and local politics. Consider only the effectiveness of the&#xA0;<a href="https://www.cair.com/?ref=tat.xbopp.com">Council of American-Islamic Relations</a>&#xA0;(CAIR), founded in 1994, which today boasts on its website of having &#x201C;100+ active lawsuits&#x201D; and &#x201C;600,000+ Legislative Action Alerts,&#x201D; whatever that means. It has almost 30 offices throughout the country.</p><p>Most people who encounter CAIR take it to be something like the&#xA0;<a href="https://www.adl.org/?ref=tat.xbopp.com">Anti-Defamation League</a>&#xA0;for Muslims&#x2014;a civil rights organization that just happens to be concerned about the rights of Muslims. But it is not that at all. Rather, it is more like a front organization for the Muslim Brotherhood of America. In a&#xA0;<a href="https://courage.media/2025/08/16/ending-the-muslim-brotherhoods-american-experiment/?ref=tat.xbopp.com">recent article</a>, Ayaan has brilliantly described the many ingenious ways that CAIR exploits the institutions of our open society, most recently settling a lawsuit to&#xA0;<a href="https://www.global-influence-ops.com/cair-settles-lawsuit-to-avoid-revealing-funding-sources/?ref=tat.xbopp.com">avoid revealing</a>&#xA0;its sources of funding.</p><p>Good luck following the money. In her words:</p><blockquote>The North American Islamic Trust (NAIT) controls mosque properties and financial assets. The Islamic Society of North America (ISNA) lends the Brotherhood a degree of religious legitimacy. The American Muslim Council (AMC) works the political front, cutting deals and building alliances. The Muslim American Society (MAS) runs operations on the ground, embedding itself firmly in local communities. In universities, the International Institute of Islamic Thought (IIIT) shapes the narrative. On campuses, the Muslim Students&#x2019; Association (MSA) targets the next wave of recruits. The Islamic Circle of North America (ICNA) and Young Muslims (YM) focus on families and youth.</blockquote><p>Even&#xA0;<a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2014-11-16/two-u-s-islamic-groups-called-terrorist-by-u-a-e-?ref=tat.xbopp.com">the UAE</a>&#xA0;has proscribed CAIR as a terrorist organization. Yet dozens of Democratic legislators are&#xA0;<a href="https://www.cair.com/about_cair/endorsements-awards-recognitions/?ref=tat.xbopp.com">on the record</a>&#xA0;on the CAIR website, praising its work as they doubtless also praise the National Association for the Advancement of Colored People.</p><p>A complementary effort is the way Qatar&#x2014;the largest source of foreign donations to U.S. universities since reporting began in 1986&#x2014;funnels money into academia. According to the&#xA0;<a href="https://www.thefp.com/p/explosion-in-foreign-funding-for-american-universities?ref=tat.xbopp.com">Network Contagion Research Institute</a>, as reported in&#xA0;<em>The Free Press</em>, nearly a third of Qatari donations to American colleges&#x2014;over $2 billion&#x2014;were given between 2021 and 2024. As Mitchell G. Bard shows in &#x201C;<a href="https://www.jewishvirtuallibrary.org/arab-funding-of-american-universities-donors-recipients-and-impact-update?ref=tat.xbopp.com">Arab Funding of American Universities</a>&#x201D; (2025), this money is one of the reasons college campuses have become such hotbeds of antisemitism in recent years.</p><p>It is not just that the West has been successfully penetrated by an antagonistic civilization that fundamentally rejects the fundamental division between religion and politics&#x2014;church and state&#x2014;that lies at the heart of both Christianity and Judaism. The West is also being geopolitically outmaneuvered by &#x201C;the rest&#x201D; in just the way Huntington foresaw.</p><p>Contrast the global order after 9/11 with the global order today. We have come a long way since NATO secretary-general George Robertson&#x2019;s&#xA0;<a href="https://www.youtube.com/watch?v=nAH5r3GeY9E&amp;ref=tat.xbopp.com">statement</a>&#xA0;on September 11, 2001&#x2014;&#x201C;Our message to the people of the United States is . . . &#x2018;We are with you.&#x2019;&#x2009;&#x201D;</p><p>In the past three years,&#xA0;<a href="https://sais.jhu.edu/news-press/remembering-zbigniew-brzezinski?ref=tat.xbopp.com">Zbig Brzezinski</a>&#x2019;s worst-case scenario has come about. &#x201C;Potentially, the most dangerous scenario,&#x201D; he wrote in&#xA0;<a href="https://bookshop.org/a/93116/9780465094356?ref=tat.xbopp.com"><em>The Grand Chessboard</em></a>&#xA0;(1997), &#x201C;would be a grand coalition of China, Russia, and perhaps Iran, an &#x2018;antihegemonic&#x2019; coalition united not by ideology but by complementary grievances.&#x201D; Since the Russian invasion of Ukraine, that grand coalition has come into being, with North Korea as a fourth member. The &#x201C;<a href="https://www.foreignaffairs.com/china/axis-upheaval-russia-iran-north-korea-taylor-fontaine?ref=tat.xbopp.com">Axis of Upheaval</a>&#x201D; (China, Russia, Iran, and North Korea) are now cooperating in military, economic and diplomatic ways. Moreover, the Trump administration&#x2019;s combative treatment of American allies (the European Union, Japan, South Korea) and neutrals (Brazil, India, and Switzerland), not least with respect to trade policy, is alienating not only the traditionally nonaligned but also key partners.</p><p>The upshot is that Israel is now virtually alone in fighting against the Islamists, so that even the United States wants plausible deniability when, as this week, the Israeli Air Force&#xA0;<a href="https://www.thefp.com/p/israel-strikes-hamas-in-qatar?ref=tat.xbopp.com">strikes the leadership</a>&#xA0;of Hamas in the Qatari capital, Doha.</p><p>The point is that the clash of civilization continues. Now ask yourself: Who&#x2019;s winning?</p><p>The Hamas attack on Israel two years ago was essentially an Israeli 9/11 (worse in relative terms). But compare the global reactions.&#xA0;<a href="https://digitallibrary.un.org/record/449020?ln=en&amp;v=pdf&amp;ref=tat.xbopp.com">UN Security Council Resolution 1373</a>, adopted unanimously on September 28, 2001, called on all member states to freeze terrorist financing, pass anti-terrorism laws, prevent suspected terrorists from traveling across international borders, and screen asylum seekers for possible terrorist ties. This was an unprecedented show of international unity.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!eYjj!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F33a35cbf-2895-431e-ab2f-41f331709316_1024x683.jpeg" class="kg-image" alt="Niall Ferguson: Osama bin Laden&#x2019;s Posthumous Victory" loading="lazy" width="1024" height="683"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Mourners grieve victims of Hamas&#x2019;s October 7, 2023, attacks during a funeral on October 18, 2023, in Hod HaSharon, Israel. (Alexi J. Rosenfeld via Getty Images)</span></figcaption></figure><p>By contrast, no Security Council resolution could be passed in the wake of 10/7.&#xA0;<a href="https://undocs.org/en/A/RES/ES-10/21?ref=tat.xbopp.com">UN General Assembly Resolution ES-10/21</a>&#x2014;which called for an &#x201C;immediate&#x201D; and &#x201C;sustained&#x201D; humanitarian truce and &#x201C;cessation of hostilities&#x201D; in Gaza and condemned &#x201C;all acts of violence aimed at Palestinian and Israeli civilians&#x201D;&#x2014;was introduced by Jordan on behalf of a group of Arab states. When it was adopted on October 27, 2023, 121 voted in favor, 44 abstained, 14 absented themselves, and only 14 (including Israel and the U.S.) voted against. Ten countries have recognized the non-existent Palestinian state since October 7, including three European Union member states, Ireland, Slovenia, and Spain. Canada, France, and the United Kingdom are itching to join them.</p><p>In short, comparing the world today with that of 24 years ago, I am tempted to say that bin Laden lost the war on terror but is winning the clash of civilizations. That&#x2019;s not to say his particular&#xA0;<a href="https://oxfordre.com/religion/display/10.1093/acrefore/9780199340378.001.0001/acrefore-9780199340378-e-255?ref=tat.xbopp.com">brand of Salafist</a>&#xA0;jihadism is winning; it can even be argued that it&#x2019;s in decline. Bin Laden&#x2019;s creed was always too uncompromising to form alliances of convenience. By contrast, the pro-Palestinian &#x201C;<a href="https://www.thefp.com/p/welcome-to-the-global-intifada?ref=tat.xbopp.com">global intifada</a>&#x201D; is much more omnivorous, and can easily absorb the old left (Marxism and&#xA0;<a href="https://www.britannica.com/topic/Pan-Arabism?ref=tat.xbopp.com">pan-Arabism</a>) and the new (anti-globalism and wokeism).</p><p>Demographically, Islam is certainly winning. According to&#xA0;<a href="https://www.pewresearch.org/religion/2025/06/09/muslim-population-change/?ref=tat.xbopp.com">Pew Research<u>&#xA0;</u></a>(June 2025), &#x201C;The number of Muslims around the world grew 21 percent between 2010 and 2020, from 1.7 billion to 2.0 billion.&#x201D; That was twice as fast as the rest of the world&#x2019;s population, increasing the Muslim share from 24 percent to 26 percent. Earlier research by&#xA0;<a href="https://www.pewresearch.org/religion/2015/04/02/religious-projections-2010-2050/?ref=tat.xbopp.com">Pew (from 2015)</a>&#xA0;forecast that &#x201C;if current trends continue, by 2050 the number of Muslims will nearly equal the number of Christians around the world.&#x201D; In Europe, Pew estimated, Muslims would make up 10 percent of the overall population, up from 5.9 percent in 2010. In the United States, Muslims would outnumber Jews. This does not seem implausible. Already in the United Kingdom,&#xA0;<a href="https://www.ons.gov.uk/peoplepopulationandcommunity/birthsdeathsandmarriages/livebirths/bulletins/babynamesenglandandwales/2023?ref=tat.xbopp.com">Muhammad</a>&#xA0;has overtaken Noah as the top name for baby boys in England and Wales, having been in the top 10 since 2016.</p><p>At the same time, Western civilization today is so much more divided than it was 24 years ago. The public response to 10/7 illuminated the divisions. Whereas older voters generally remain more pro-Israel than pro-Palestinian, younger cohorts have swung the other way. Perhaps that&#x2019;s because to Gen Z, 9/11 is a faint memory&#x2014;as distant as the Cuban Missile Crisis and Kennedy&#x2019;s assassination were to my generation. But it&#x2019;s also because the Islamists have done such a good job of co-opting the campus radicals, somehow overriding the cognitive dissonance in slogans such as &#x201C;Queers for Palestine,&#x201D; while at the same time tapping the antisemitism that&#xA0;<a href="https://www.thefp.com/p/when-the-right-plays-with-jew-hate?ref=tat.xbopp.com">still lurks</a>&#xA0;on the far right.</p><p>Walking the streets of New York this week, I felt old. To my children, my students, and my employees, 9/11 is not a memory. It is not even an historical fact.</p><p>According&#xA0;<a href="https://www.brookings.edu/articles/support-for-israel-continues-to-deteriorate-especially-among-democrats-and-young-people/?ref=tat.xbopp.com">to Brookings</a>, &#x201C;young Republicans aged 18-49 have shifted from 35 percent having an unfavorable view of Israel to 50 percent unfavorable. . . . Among Democrats, there has been an increase of 62 percent to 71 percent [with an unfavorable view of Israel] in the 18- to 49-year-old demographic. . . . Only 9 percent of those aged 18 to 34 approve of Israel&#x2019;s military actions in Gaza.&#x201D;</p><p>A recent poll in the UK by the&#xA0;<a href="https://antisemitism.org/extremism-rife-as-antisemitism-rises-to-highest-levels-on-record/?ref=tat.xbopp.com">Campaign Against Antisemitism</a>&#xA0;revealed a striking shift in attitudes towards Jews. Once again, the swing towards antisemitism is more pronounced amongst the young:</p><ul><li>&#x201C;45 percent of the British public &#x2026; believes that Israel treats the Palestinians like the Nazis treated the Jews &#x2026; 60 percent of young people believe this.&#x201D;</li><li>&#x201C;49 percent of 18-24-year-olds are uncomfortable spending time with people who openly support Israel.&#x201D;</li><li>&#x201C;Only 31 percent of young voters agree that Israel has a right to exist as a homeland for the Jewish people.&#x201D;</li><li>&#x201C;26 percent of the British public believes that Israel can get away with anything because its supporters control the media.&#x201D;</li><li>&#x201C;19 percent of young people believe that the Hamas attack on Israel was justified.&#x201D;</li></ul><p>Such attitudes can be found in Britain on both the political left and the political right. A third of Labour voters say that they are uncomfortable spending time with people who openly support Israel, as do 54 percent of Green Party voters, 15 percent of whom believe that Hamas&#x2019;s attack on Israel was justified. But almost one in four supporters of the rapidly growing Reform UK Party, led by Nigel Farage, believe that Jewish people &#x201C;chase money more than other people do.&#x201D; During the Cold War, the West was often referred to as a &#x201C;Judeo-Christian&#x201D; civilization. That term is starting to seem like an anachronism.</p><p>Two years ago, another bin Laden pronouncement&#x2014;his &#x201C;<a href="https://share.google/Ag8EqLfcELn3x8hDF?ref=tat.xbopp.com">Letter to America</a>,&#x201D; originally published on the first anniversary of 9/11&#x2014;enjoyed a sudden resurgence of interest, not least because its attacks on the power of American Jews seemed to strike a chord with young users of TikTok. One popular video showed a young woman brushing her hair with the caption, &#x201C;When you read Osama bin Laden&#x2019;s letter to America and you realize you&#x2019;ve been lied to your whole entire life.&#x201D; At one point in November 2023, a TikTok search for #lettertoamerica found videos with 14.2 million views. In total, approximately&#xA0;<a href="https://pols.sites.haverford.edu/studentvoices/terrorists-gain-followers-tiktoks-troubling-role-in-spreading-extremism/?ref=tat.xbopp.com">300 videos</a>&#xA0;were posted under that hashtag.</p><p>Walking the streets of New York this week, I felt old. To my children, my students, and my employees, 9/11 is not a memory. It is not even an historical fact. It is something people argue about on social media. As I write,&#xA0;<a href="https://x.com/HatsOffff/status/1965290370864144494?ref=tat.xbopp.com">Tucker Carlson</a>&#xA0;has just told Piers Morgan that an &#x201C;FBI document&#x201D; indicated &#x201C;an Israeli spy ring in the United States &#x2026; knew 9/11 was coming.&#x201D; The reality is, of course, that only the conspirators themselves knew that. They also knew, very clearly, why they were going to do it.</p><p>It has taken me all these years to understand that 9/11 really was a clash of civilizations. And it has taken me until this week finally to face the reality that ours is losing.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Auf leisen Sohlen radikal – der Islamismus arbeitet daran, Europa zu unterwerfen]]></title><description><![CDATA[Die Unterwanderung durch Islamisten ist kein apokalyptisches Zukunftsszenario aus einem Roman von Michel Houellebecq. Sie ist Realität. Spätestens seit dem 7. Oktober 2023 ist das auch in Europa erkennbar – für alle, die bereit sind, der Gefahr ins Auge zu sehen.]]></description><link>https://tat.xbopp.com/auf-leisen-sohlen-radikal-der-islamismus-arbeitet-daran-europa-zu-unterwerfen/</link><guid isPermaLink="false">68c525ed40f4b817b6bdb7d1</guid><category><![CDATA[Islam]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Sat, 13 Sep 2025 08:10:46 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/09/Coverislam-1.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/09/Coverislam-1.jpg" alt="Auf leisen Sohlen radikal &#x2013; der Islamismus arbeitet daran, Europa zu unterwerfen"><p><em>NZZ, Ahmad Mansour, 06.09.2025</em></p><p><em>Die Unterwanderung durch Islamisten ist kein apokalyptisches Zukunftsszenario aus einem Roman von Michel Houellebecq. Sie ist Realit&#xE4;t. Sp&#xE4;testens seit dem 7.&#xA0;Oktober 2023 ist das auch in Europa erkennbar &#x2013; f&#xFC;r alle, die bereit sind, der Gefahr ins Auge zu sehen.</em></p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://img.nzz.ch/2025/09/04/81004046-9c77-440d-89b9-7541fa003900.jpg?width=1952&amp;height=1097&amp;fit=bounds&amp;quality=75&amp;auto=webp&amp;crop=1920,1079,x0,y0" class="kg-image" alt="Auf leisen Sohlen radikal &#x2013; der Islamismus arbeitet daran, Europa zu unterwerfen" loading="lazy" width="1920" height="1079"></figure><p>Ein streng geheimer Bericht, der Ende Mai in Paris an die &#xD6;ffentlichkeit gelangte, zeichnet ein beklemmendes Bild. Die Muslimbruderschaft, seit Jahrzehnten globaler Vorreiter des politischen Islam, verfolgt in Frankreich eine pr&#xE4;zise ausgearbeitete Strategie: zun&#xE4;chst die Verankerung in Stadtteilen, wo Perspektivlosigkeit und soziale Not den N&#xE4;hrboden bereiten. Dann die Inszenierung als K&#xFC;mmerer, der scheinbar Gemeinschaftsbed&#xFC;rfnisse stillt &#x2013; Nachhilfe, Sozialarbeit, Freizeit. Als N&#xE4;chstes folgt die schrittweise Durchsetzung religi&#xF6;ser Normen: Kopftuch, Geschlechtertrennung, Loyalit&#xE4;t gegen&#xFC;ber der &#xAB;Umma&#xBB;. Am Ende steht der Eintritt in die kommunale Politik, um Einfluss und Deutungshoheit zu sichern.</p><h2 id="untersch%C3%A4tzte-gefahr">Untersch&#xE4;tzte Gefahr</h2><p>Wer heute vor der Unterwanderung durch Islamisten warnt, wird gern als Panikmacher abgetan. Doch das ist ein fataler Fehler. Die Bedrohung wirkt unsichtbar &#x2013; und genau darin liegt ihre T&#xFC;cke.</p><p>Der Einfluss legal agierender islamistischer Gruppierungen ist l&#xE4;ngst Realit&#xE4;t in den Metropolen Europas. Tag f&#xFC;r Tag, St&#xFC;ck f&#xFC;r St&#xFC;ck dringen Denkweisen des politischen Islam in die freien, demokratischen Gesellschaften ein &#x2013; in Beh&#xF6;rden, Parteien, Schulen, Vereine, Universit&#xE4;ten, Kliniken.</p><blockquote>Muslime sind Individuen, nicht bloss Teile einer Gruppe. Als solche geh&#xF6;ren sie angesprochen und einbezogen.</blockquote><p>Der politische Islam sucht seine ersten Ankn&#xFC;pfungspunkte an den R&#xE4;ndern der Gesellschaft: in migrantischen Milieus, wo der Verlust von Identit&#xE4;t gef&#xFC;rchtet wird, wo Eltern die Grundwerte der Aufkl&#xE4;rung nicht als Chance, sondern als Bedrohung empfinden &#x2013; und ihre Kinder davor &#xAB;sch&#xFC;tzen&#xBB; wollen. Besonders unter Gefl&#xFC;chteten, die entwurzelt, orientierungslos und misstrauisch sind, findet er ein Reservoir.</p><p>Gern gibt sich der politische Islam als Besch&#xFC;tzer und F&#xFC;rsprecher. Er inszeniert sich als kultureller Schild gegen Verwestlichung und zugleich als Ansprechpartner f&#xFC;r eine Politik, die um Integration ringt. Doch in Wahrheit steht er f&#xFC;r das Gegenteil: f&#xFC;r Abkapselung, Desintegration, Parallelgesellschaft. Nur Menschen, die emotional nicht in Europa ankommen, sind empf&#xE4;nglich f&#xFC;r seine Ideologie.</p><p>So spielt er ein doppeltes Spiel: nach innen mit der Pose der F&#xFC;rsorglichkeit, nach aussen mit jener der Integrationswilligkeit. In Wirklichkeit aber erzeugt der politische Islam die Bruchlinien, von denen er lebt &#x2013; und ohne die er keine Zukunft h&#xE4;tte.</p><h2 id="vereine-als-trojanisches-pferd">Vereine als trojanisches Pferd</h2><p>Geschickt gr&#xFC;nden Islamisten Vereine, die sich f&#xFC;r &#xAB;Integration&#xBB;, &#xAB;Dialog&#xBB; oder &#xAB;Vielfalt&#xBB; einsetzen. Sie fischen nach Anh&#xE4;ngern und F&#xF6;rdermitteln, nach Aufmerksamkeit in Medien, Politik und Wissenschaft. Sie bedienen sich der Sprache der Menschenrechte, des V&#xF6;lkerrechts und der Verfassung. Doch die Liebe zur Demokratie der &#xAB;Ungl&#xE4;ubigen&#xBB; ist vorget&#xE4;uscht.</p><p>Die Strategie der Muslimbr&#xFC;der ist der &#xAB;lange Marsch durch die Institutionen&#xBB; &#x2013; eine Parole einst der Linken. Sie sind &#xFC;ber muslimisch gepr&#xE4;gte Staaten hinweg vernetzt, handeln diskret und lassen ihre Strukturen nur schemenhaft erkennen. Viele Mitglieder sind gebildet, haben hohen Status und Einfluss in Communitys und Netzwerken. Heute wirken sie weniger in Moscheen als in Kinderg&#xE4;rten und Jugendzentren &#x2013; sowie als Influencer in sozialen Netzwerken mit Millionen Followern.</p><p>Der politische Islam funktioniert l&#xE4;ngst &#xFC;ber ein Cluster informeller Codes: mittels Sprechweisen, Haltungen, Loyalit&#xE4;ten. Begriffsbildungen wie &#xAB;antimuslimischer Rassismus&#xBB; oder &#xAB;Islamophobie&#xBB; dienen dazu, Kritik am Islamismus moralisch zu diskreditieren. Fixe Ideen von &#xAB;Diversit&#xE4;t&#xBB; und &#xAB;Religionsfreiheit&#xBB; &#xF6;ffnen Lehrerinnen mit Kopftuch die T&#xFC;r ins Klassenzimmer.</p><p>&#xDC;berall in Europa mischen Vertreter des politischen Islam dort mit, wo es grosse muslimische Communitys gibt. Das ist keine Fiktion, sondern Praxis, Alltag, Realit&#xE4;t &#x2013; so funktioniert Unterwanderung.</p><p>Am weitesten ist die Islamisierung Europas in den Parallelgesellschaften Frankreichs, Belgiens und Grossbritanniens fortgeschritten. Noch hinkt Deutschland hinterher. Doch ohne klare Gegenstrategie drohen auch hier binnen eines Jahrzehnts &#xAB;franz&#xF6;sische Verh&#xE4;ltnisse&#xBB;.</p><p>Der politische Islam agiert auf zwei Ebenen: Einerseits infiltriert er linke Parteien, um deren Agenda f&#xFC;r seine Ziele nutzbar zu machen. Andererseits bereitet er die Gr&#xFC;ndung eigener muslimischer Parteien vor &#x2013; Formationen, die schon bald als politische Kraft auftreten k&#xF6;nnten. Kritik an ihren Programmen oder an ihrem Personal wird reflexhaft als &#xAB;fremdenfeindlich&#xBB; oder &#xAB;islamophob&#xBB; abgewehrt &#x2013; eine rhetorische Waffe, die nicht nur Muslime mobilisiert.</p><p>Die Folgen der Etablierung solcher Parteien w&#xE4;ren gravierend: Zuerst tr&#xE4;fe es die Politik gegen&#xFC;ber Israel und die j&#xFC;dischen Gemeinden, denn Antisemitismus ist integraler Bestandteil der islamistischen Ideologie. Weiter w&#xE4;re mit einem massiven politischen Backlash zu rechnen. Kurz- und mittelfristig wird Europa keine islamistische Regierung erleben &#x2013; wohl aber ein massives Anwachsen des Rechtsradikalismus.</p><p>Eine gef&#xE4;hrliche Polarisierung w&#xE4;re die Folge. Europa st&#xFC;nde damit vor einer doppelten Bedrohung: dem politischen Islam und seinen Verb&#xFC;ndeten von links auf der einen Seite &#x2013; und dem erstarkenden rechten Fremdenhass als Reaktion darauf auf der anderen Seite.</p><h2 id="woher-stammt-der-islamismus">Woher stammt der Islamismus?</h2><p>Der politische Islam entstand nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende von Kalifat und Osmanischem Reich. Die Siegerm&#xE4;chte schufen im Nahen Osten erste Nationalstaaten. Soziale und kulturelle Normen der islamisch gepr&#xE4;gten Gesellschaften wichen denen des &#xFC;berlegenen Westens. Muslimische Eliten adaptierten Nationalismus und Sozialismus. Religi&#xF6;se Milieus hingegen empfanden dies als Dem&#xFC;tigung. In dieser Identit&#xE4;tskrise entstand 1928 in &#xC4;gypten die Muslimbruderschaft. Sie predigte eine totalit&#xE4;re R&#xFC;ckkehr zur sunnitischen Orthodoxie: &#xAB;Der Islam ist die L&#xF6;sung.&#xBB; Der Buchstabe des Koran sollte einzig und allein das Leben bestimmen.</p><p>Im Westen lebende Muslime waren f&#xFC;r diese Dogmatiker zun&#xE4;chst nicht von Interesse. Doch 1984 ver&#xF6;ffentlichte der &#xE4;gyptische Theologe Muhammed al-Ghazzali sein Buch &#xAB;Die Zukunft des Islam ausserhalb seiner Grenzen&#xBB;. Er warnte davor, dass Muslime im Westen durch Anpassung ihre Religion verlieren w&#xFC;rden. Seine Remedur: Moscheen bauen, Halal-Superm&#xE4;rkte er&#xF6;ffnen, Ehen vermitteln, Kulturvereine gr&#xFC;nden, Koranschulen etablieren. Europa solle durch eine kulturelle Gegeninvasion islamisiert werden.</p><p>In Unkenntnis dieser Kampfansage wurde die soziale T&#xE4;tigkeit der Muslimbr&#xFC;der in Europa lange begr&#xFC;sst. Die Pflege ihrer Religion und ihrer Kultur sollte die muslimischen &#xAB;Gastarbeiter&#xBB; ruhigstellen, bis sie in ihre Herkunftsl&#xE4;nder zur&#xFC;ckkehren w&#xFC;rden. Integration schien nicht notwendig, Parallelgesellschaften empfand man als normal.</p><p>Weil man dem Islam kirchen&#xE4;hnliche Strukturen geben wollte, brauchte man Repr&#xE4;sentanten. Aus dem Ausland entsandte konservative Islam-Funktion&#xE4;re sprangen ein. Demokratische Parteien wiederum lechzten nach W&#xE4;hlerstimmen, schwiegen &#xFC;ber Missst&#xE4;nde und posierten lieber vor Moscheen. Damit lieferten sie dem politischen Islam Legitimation und Prestige. Islamistische Dogmatiker verachten die Demokratie &#x2013; und dennoch werden sie bis heute als Dialogpartner hofiert. Kritik wird aus Angst vermieden. Ein Klima der Selbstzensur grenzt auch s&#xE4;kulare Muslime aus.</p><h2 id="die-frage-der-demografie">Die Frage der Demografie</h2><p>Europa verharrt in Naivit&#xE4;t: Radikale Islamisten f&#xFC;hlen sich hier inzwischen wohler als in vielen muslimischen Staaten, wo die Muslimbruderschaft verboten ist. Warum wird aggressives Islam-Gebaren an Schulen hingenommen? Warum wird zugelassen, dass s&#xE4;kulare Kinder Furcht vor islamistischen Peer-Groups haben? Warum verbergen j&#xFC;dische Sch&#xFC;ler ihre Religion? Das sind unhaltbare Zust&#xE4;nde.</p><p>Was es braucht, ist echte Integrationsarbeit &#x2013; um nicht jene Muslime zu verlieren, die l&#xE4;ngst das Gef&#xFC;hl haben, sich zwischen Islam und Demokratie entscheiden zu m&#xFC;ssen. Obwohl Integration mittlerweile grossfl&#xE4;chig scheitert, werden Probleme ignoriert. F&#xFC;r das soziale Klima z&#xE4;hlt nicht nur, wer einwandert, sondern auch, wie viele es tun. Demografie aber wird dann zum Problem, wenn Demokratien die Muslime an die Radikalen verlieren.</p><p>Allen Migranten, die aus Diktaturen, Theokratien und Monarchien herkommen, muss klar sein: Leben in Europa bedeutet, Demokratie anzuerkennen. Das gilt f&#xFC;r M&#xE4;nner, Frauen und Kinder. Wer dies verweigert, st&#xF6;sst auf Widerstand.</p><p>Der Einfluss dogmatischer islamischer Verb&#xE4;nde muss massiv begrenzt werden. Es darf keine Toleranz f&#xFC;r islamistische Kinderg&#xE4;rten oder f&#xFC;r Kopftuchzwang bei kleinen M&#xE4;dchen geben. Keine Sonderrechte beim Schwimmunterricht, keine Ausnahmen bei Exkursionen. Schulen haben die Aufgabe, Kinder zu m&#xFC;ndigen B&#xFC;rgern zu erziehen. Muslimische Eltern m&#xFC;ssen lernen, dass ihre Kleinen Grundrechte haben &#x2013; und nicht ihr Eigentum sind.</p><p>Generell gilt es, mehr S&#xE4;kularismus zu wagen. Proaktiv, klar, furchtlos. Muslime sind Individuen, nicht bloss Teile einer Gruppe. Als solche m&#xFC;ssen sie angesprochen, einbezogen und gest&#xE4;rkt werden.</p><p>Europa braucht Staaten, die Vereine und Verb&#xE4;nde, mit denen sie kooperieren, nach demokratischen Massst&#xE4;ben ausw&#xE4;hlen. Staaten, die ihnen feindlich gesinnte Gegner identifizieren, sie benennen und robust behandeln. Nur durch ein konsequentes Durchsetzen der zivilisatorischen Normen und Werte des Westens l&#xE4;sst sich die Spirale der islamischen Radikalisierung durchbrechen, deren Zeuge wir derzeit werden.</p><p><em><strong>Ahmad Mansour</strong>&#xA0;ist ein deutscher Psychologe, Israeli arabischer Herkunft und Muslim aus einer pal&#xE4;stinensischen Familie. Er setzt sich seit Jahren f&#xFC;r Integration, Aufkl&#xE4;rung und den Kampf gegen Antisemitismus und Extremismus ein.</em></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[«Populismus ist ein Aufstand gegen die Entmachtung der Nationalstaaten»]]></title><description><![CDATA[Gerichte griffen zunehmend ins politische Geschäft ein und schränkten damit die parlamentarische Demokratie ein, sagt der Politikwissenschafter Philip Manow. Die Balance zwischen Politik und Recht stimme nicht mehr.]]></description><link>https://tat.xbopp.com/populismus-ist-ein-aufstand-gegen-die-entmachtung-der-nationalstaaten/</link><guid isPermaLink="false">68a5a67f6c1bc7904a53c7c9</guid><category><![CDATA[Politics]]></category><category><![CDATA[Deutschland]]></category><category><![CDATA[EU]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Wed, 20 Aug 2025 10:47:02 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/ersterSenat.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/ersterSenat.jpg" alt="&#xAB;Populismus ist ein Aufstand gegen die Entmachtung der Nationalstaaten&#xBB;"><p><strong><em>Gerichte griffen zunehmend ins politische Gesch&#xE4;ft ein und schr&#xE4;nkten damit die parlamentarische Demokratie ein, sagt der Politikwissenschafter Philip Manow. Die Balance zwischen Politik und Recht stimme nicht mehr.</em></strong></p><p><em>NZZ, Andreas Ernst, Benedict Neff, 18.08.2025, 15.50</em></p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2025/08/16/185f8a61-f0c7-4beb-8037-1aedcd029933.jpg?width=1360&amp;height=907&amp;fit=bounds&amp;quality=75&amp;auto=webp&amp;crop=3179,2120,x0,y0" class="kg-image" alt="&#xAB;Populismus ist ein Aufstand gegen die Entmachtung der Nationalstaaten&#xBB;" loading="lazy" width="1360" height="907"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Ministerpr&#xE4;sident Viktor Orban begr&#xFC;sst Marine Le Pen, die Anf&#xFC;hrerin des Rassemblement national, bei einem Treffen nationalistischer Politiker aus ganz Europa.Benoit Tessier / Reuters</span></figcaption></figure><p><em>Herr Manow, alte und gut funktionierende Demokratien wie die Schweiz und England haben kein Verfassungsgericht. K&#xF6;nnte man die Verfassungsgerichte anderswo nicht einfach abschaffen?</em></p><p>Mir geht es nicht um die Abschaffung des deutschen Bundesverfassungsgerichts. Seine Stellung und Macht kritisch zu betrachten, scheint mir allerdings schon notwendig. Das w&#xE4;re auch ein Schritt aus einer provinziell-deutschen Betrachtung. Hierzulande sieht man ja gerne die h&#xF6;chste Entwicklungsstufe der Demokratie verwirklicht. Das ist selbstverst&#xE4;ndlich Unsinn. L&#xE4;nder wie die Schweiz, Schweden und die Niederlande haben kein Verfassungsgericht, und niemand w&#xFC;rde ernsthaft behaupten, dort herrsche die Tyrannei der Mehrheit und Minderheiten m&#xFC;ssten in Angst und Schrecken leben.</p><p><em>Wieso wurde ausgerechnet das deutsche Modell mit einem m&#xE4;chtigen Verfassungsgericht f&#xFC;r viele andere L&#xE4;nder zum Vorbild?</em></p><p>Das ist historisch begr&#xFC;ndet. Starke verfassungsrechtliche Kontrolle war f&#xFC;r viele L&#xE4;nder insbesondere Osteuropas nach 1990 enorm attraktiv, weil sie die hohe Unsicherheit ihrer Transformationsprozesse zu verringern versprach. Die sind also 1989 massenhaft nach Karlsruhe und Berlin gepilgert. Hinzu kommen das Sendungsbewusstsein und internationale Standing deutscher Juristen und ein paradoxes Missionswerk: Weil wir das Land der nationalsozialistischen Verbrechen sind, erz&#xE4;hlen wir gerne anderen, welche Lehren sie denn aus der deutschen Geschichte zu ziehen h&#xE4;tten. Dazu geh&#xF6;rt das tiefe Misstrauen gegen&#xFC;ber der parlamentarischen Demokratie und ihren Mehrheiten, Hitler sei ja schliesslich &#x2013; so heisst es &#x2013; auf demokratischem Wege an die Macht gelangt.</p><p><em>Sie halten die Darstellung f&#xFC;r falsch?</em></p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://img.nzz.ch/2025/08/18/3b82cfae-7271-4c5e-911c-53a648dc3e92.jpg?width=480&amp;height=640&amp;fit=bounds&amp;quality=75&amp;auto=webp&amp;crop=413,550,x0,y0" class="kg-image" alt="&#xAB;Populismus ist ein Aufstand gegen die Entmachtung der Nationalstaaten&#xBB;" loading="lazy" width="413" height="550"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">Philip Manow, geboren 1963, ist Professor f&#xFC;r Politikwissenschaft an der Universit&#xE4;t Siegen. 2024 ver&#xF6;ffentlichte er bei Suhrkamp sein j&#xFC;ngstes Buch: &#xAB;Unter Beobachtung. Die Bestimmung der liberalen Demokratie und ihrer Freunde&#xBB;.PD</span></figcaption></figure><p>Die g&#xE4;ngige Erz&#xE4;hlung geht nicht auf. Nicht alle europ&#xE4;ischen Demokratien sind in der ersten H&#xE4;lfte des 20.&#xA0;Jahrhunderts gescheitert &#x2013; auch ohne starke Verfassungsgerichte &#x2013;, und die Politik h&#xE4;tte Hitler 1932 aufhalten k&#xF6;nnen, aber nicht das Recht. Oder anders gesagt: Es h&#xE4;tte den politischen Willen geben m&#xFC;ssen, das Recht zu nutzen. Demokratie- und Rechtszerst&#xF6;rung gehen immer Hand in Hand. Es ist schon fast komisch: Andere L&#xE4;nder sollen die Lehren aus der Geschichte einer gescheiterten Demokratie ziehen, aber die Deutschen nicht die Lehren aus L&#xE4;ndern ber&#xFC;cksichtigen, deren Demokratien im 20.&#xA0;Jahrhundert nicht gescheitert sind?</p><p><em>Wie w&#xFC;rden Sie die Lehren dieser L&#xE4;nder beschreiben?</em></p><p>Als Grundvertrauen in die Mechanismen demokratischer Machtwechsel und in die F&#xE4;higkeit einer Gesellschaft, sich vermittels dieser Mechanismen selbst zu regieren. Im politischen System der Bundesrepublik manifestiert sich hingegen das Misstrauen gegen&#xFC;ber diesen Mechanismen. Ohne institutionelle Prothesen traut man der Demokratie nicht zu, laufen zu k&#xF6;nnen.</p><p><em>Es klingt so, als w&#xFC;rden Sie das Verfassungsgericht doch ganz gern abschaffen.</em></p><p>Das starke Verfassungsgericht ist aus der deutschen Geschichte heraus nachvollziehbar und hat ja f&#xFC;r lange Zeit auch leidlich gut funktioniert. Wir erkennen aber gerade, dass zu den Erfolgsbedingungen dieses Modells auch ein stabiles Parteiensystem geh&#xF6;rte. Diese Bedingung f&#xFC;r die Balance zwischen Politik und Recht steht in Deutschland mittlerweile infrage.</p><p><em>Warum funktioniert das nicht mehr?</em></p><p>Das herk&#xF6;mmliche Parteiensystem l&#xF6;st sich auf. Das Bundesverfassungsgericht hat gar kein stabiles Gegen&#xFC;ber. Zum Teil wollen die an Bedeutung verlierenden etablierten Parteien ihre Macht dann eben durch die Besetzung des Verfassungsgerichts wahren. Die Idee zu einem AfD-Verbots-Verfahren r&#xFC;ckt dadurch auch in ein sehr ung&#xFC;nstiges Licht. Dazu kommt die Problematik mit der EU-Rechtsprechung. Wir sehen ja gerade, wie sehr die Urteile supranationaler Gerichte zu einer wachsenden Entfremdung zwischen den Gerichten und den Mitgliedstaaten f&#xFC;hren.</p><p><em>Sie fragen in Ihrem Buch: Wer sch&#xFC;tzt die Politik vor den Gerichten? W&#xE4;hrend in vielen L&#xE4;ndern Politiker die Gerichte herausfordern, hat man in Deutschland eher den Eindruck, die Parteien f&#xFC;gten sich schon vorauseilend dem Bundesverfassungsgericht &#x2013; insbesondere in der Migrationspolitik.</em></p><p>Migrationsfragen sind heute l&#xE4;ngst aus dem deutschen Verfassungsrecht hinausgewandert und europ&#xE4;isch geworden. Generell gab es zwar immer wieder Konflikte zwischen Bonn beziehungsweise Berlin und Karlsruhe. Gleichzeitig funktionierte die alte Bundesrepublik gerade deswegen so gut, weil sowohl Politiker als auch Richter sich die notwendige Selbstbeschr&#xE4;nkung auferlegten: Politiker fragten sich, was geht rechtlich, Richter fragten sich, was geht politisch. Das hat sich ge&#xE4;ndert.</p><p><em>K&#xF6;nnte es sein, dass das Problem weniger die starken Gerichte sind, sondern vielmehr Politiker, die in wesentlichen Fragen keine Kompromisse mehr zustande bringen?</em></p><p>Ich sehe den Wirkungszusammenhang eher umgekehrt: Weil viele politische Fragen durch das europ&#xE4;ische Recht dem demokratischen Mehrheitswillen entzogen worden sind, werden die Parteien schw&#xE4;cher, das Parteiensystem fragmentierter, und der Einfluss der Parlamente schwindet. Der Populismus w&#xE4;chst, weil die parlamentarische Demokratie weniger anpassungsf&#xE4;hig auf neue Problemlagen reagiert.</p><p><em>K&#xF6;nnen Sie das erl&#xE4;utern?</em></p><p>Ganz konkret hatten wir zwei grosse Populismussch&#xFC;be in Europa, und beide reagierten auf die Verwerfungen durch Konstitutionalisierungsprozesse. Damit meine ich die Verlagerung in die quasi unab&#xE4;nderlichen europ&#xE4;ischen Vertr&#xE4;ge, die dann nur noch durch Richter ausgelegt, aber kaum mehr durch Politiker ge&#xE4;ndert werden k&#xF6;nnen. Das war zuerst die Konstitutionalisierung des Geldes durch den Euro, wodurch die L&#xE4;nder ihre geldpolitische Souver&#xE4;nit&#xE4;t verloren, aber damit auch grosse Teile ihrer fiskalpolitischen Souver&#xE4;nit&#xE4;t. Die Folgen haben wir in der Euro-Krise gesehen. Sie rief im Norden Europas die Rechtspopulisten auf die B&#xFC;hne, die sagten: Warum sollen wir f&#xFC;r den S&#xFC;den bezahlen? Und im S&#xFC;den traten die Linkspopulisten &#x2013; wie Cinque Stelle, Podemos, Syriza &#x2013; auf den Plan, die sagten: Es ist Fremdherrschaft, wenn die EU-Troika hier einfliegt und uns vorschreibt, welche Sparmassnahmen wir umsetzen m&#xFC;ssen.</p><p><em>Und der zweite Populismusschub?</em></p><p>Die zweite grosse Welle, in der wir uns immer noch befinden, betrifft die unkontrollierte Migration. Die L&#xE4;nder verloren mit Schengen und der Europ&#xE4;isierung des Asylrechts die Souver&#xE4;nit&#xE4;t &#xFC;ber ihre Grenzen, ohne dass sich auf europ&#xE4;ischer Ebene ein funktionierendes Regime an der Aussengrenze etablierte. Das hat sich ab 2015 dann krisenhaft zugespitzt. Es ist dasselbe Muster wie in der Fiskalpolitik: Ein Politikbereich wird der Souver&#xE4;nit&#xE4;t des Nationalstaats entzogen und auf die europarechtliche Ebene gehoben. Die entstehenden Dysfunktionalit&#xE4;ten kann die nationale Politik durch demokratische Mehrheiten dann allerdings nicht mehr kontrollieren und korrigieren.</p><p><em>Das Recht hebelt die Politik aus.</em></p><p>Ja, Konstitutionalisierung f&#xFC;hrt zur Entdemokratisierung. Populismus ist so gesehen ein Aufstand gegen die Entmachtung der Nationalstaaten, weil diese in Kernbereichen keine echten Entscheidungsspielr&#xE4;ume mehr haben. Daraus resultiert &#xFC;brigens auch ein Rekrutierungsproblem. Wer will noch in die Politik gehen, wenn man dort sowieso nichts bewirken kann? Diejenigen, die politisch wirken wollen, engagieren sich in der Spektakeldemokratie dann lieber in sozialen Bewegungen: Luisa Neubauer, Greta Thunberg.</p><p><em>Wie kommen wir aus dieser fatalen Dynamik wieder heraus?</em></p><p>Demokratien haben einen eingebauten Mechanismus der Krisenbearbeitung und Selbstkorrektur: Wenn es nicht gut l&#xE4;uft, wird neu gew&#xE4;hlt, es gibt eine neue Regierung und eine neue Politik. Wenn man die Konflikte aber auf die konstitutionelle Ebene schiebt, dann geht dieser Steuermechanismus verloren. Das ist die Dialektik zwischen Konstitutionalisierung und Krise: Die Konstitutionalisierung ruft die Krise hervor, und darauf wird mit noch mehr Konstitutionalisierung reagiert.</p><p><em>Sie beschreiben die Dynamik. Aber was ist der Ausweg?</em></p><p>Den kenne ich nicht. Momentan scheint der Modus des Umgangs mit diesen Problemen das Wegschauen, Sichdurchwursteln und die Nichtanwendung der eigenen Regeln zu sein. Vor kurzem bin ich bei Schengen &#xFC;ber die deutsch-luxemburgische Grenze gefahren, an diesem symboltr&#xE4;chtigen Ort. Und nat&#xFC;rlich standen da deutsche Polizisten und haben kontrolliert. Ein paar Tage sp&#xE4;ter wurden dort 40 Jahre Schengen-Abkommen feierlich begangen, ein System, das faktisch tot ist. Die Skandinavier kontrollieren, die Franzosen kontrollieren, die Polen kontrollieren, Ungarn sowieso &#x2013; als Letzte, wie immer, haben auch die Deutschen mit Grenzkontrollen begonnen. Wenn die geltenden Regeln nicht mehr praktikabel sind, werden sie irgendwann einfach ignoriert.</p><p><em>Einer, der sich seit je gegen die Macht der Verfassungsgerichte stemmte, ist Viktor Orban. Sie beschreiben das in ihrem Buch. Untersch&#xE4;tzen Sie nicht, dass es Orban weniger um die Demokratie geht als um die Kontrolle der Institutionen durch seine Fidesz-Partei?</em></p><p>Ich wollte mit dem Buch Orban nicht in Schutz nehmen, ich hege keinerlei politische Sympathien f&#xFC;r sein Programm. Die Diskussion um ihn blendet allerdings regelm&#xE4;ssig die Vorgeschichte aus: Das ungarische Verfassungsgericht war in den 1990er Jahren das wohl machtvollste und aktivistischste der Welt, und sein Vorsitzender meinte sowohl die ungarische Verfassung durch unbegrenzte Auslegung festlegen zu k&#xF6;nnen wie auch die Gesellschaft per Rechtsprechung liberalisieren zu k&#xF6;nnen. Die Entmachtung des Gerichts durch die Fidesz-Partei 2011 ist ohne diese Vorgeschichte nicht zu verstehen. Es ist f&#xFC;r mein Argument aber unerheblich, ob Orban die Demokratie zerst&#xF6;ren will oder nicht. Das Argument, dass es die liberale Demokratie selber ist, die den Aufstieg solcher Figuren bef&#xF6;rdert, wird dadurch ja nicht ung&#xFC;ltig &#x2013; eher sogar wichtiger.</p><p><em>In Deutschland gab die Nominierung von Frauke Brosius-Gersdorf als Richterin f&#xFC;r das Verfassungsgericht wochenlang zu reden. Rechte Journalisten und Politiker hielten sie wegen ihrer Positionen zu Abtreibung, AfD-Verbot und Impfpflicht f&#xFC;r untragbar. Steht der Fall f&#xFC;r einen inszenierten Kulturkampf oder f&#xFC;r die berechtigte Abwehr aktivistischer Richter?</em></p><p>Weder noch. Es ist ein Lehrst&#xFC;ck &#xFC;ber das politische System der Bundesrepublik und dessen zunehmende Risse und f&#xFC;r die Einsicht: Die Verrechtlichung der Politik f&#xFC;hrt zur Politisierung der Justiz.</p><p><em>Hatten Sie als B&#xFC;rger Vorbehalte gegen&#xFC;ber Brosius-Gersdorf als Richterin in Karlsruhe?</em></p><p>Ich m&#xF6;chte mich &#xF6;ffentlich nicht als B&#xFC;rger &#xE4;ussern, sondern in meiner Rolle als Politikwissenschafter. Da st&#xF6;rt mich, was Frau Brosius-Gersdorf &#xFC;ber die Zul&#xE4;ssigkeit gesagt hat, Parteien vorzuschreiben, ihre Listen geschlechterparit&#xE4;tisch aufzustellen. Das steht im Widerspruch zu g&#xE4;ngiger Rechtsprechung. Ich w&#xFC;rde das als schweren Eingriff in den Parteienwettbewerb und als schwere Verletzung des Rechts der freien Wahl ansehen. Parteien sollten frei sein, ihre Listen so aufzustellen, wie sie es f&#xFC;r gut befinden. Wenn ich hier von neuen Vorschriften h&#xF6;re, geht mein demokratietheoretischer Blutdruck sehr schnell sehr hoch.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die deutsche Regulierungswut kostet Milliarden – das sind die zehn teuersten Gesetze]]></title><description><![CDATA[Fragt man Unternehmen nach den grössten Standortnachteilen Deutschlands, landet die Bürokratie regelmässig auf dem ersten Platz, noch vor den hohen Steuern, Lohn- und Energiekosten.]]></description><link>https://tat.xbopp.com/die-deutsche-regulierungswut-kostet-milliarden-das-sind-die-zehn-teuersten-gesetze/</link><guid isPermaLink="false">68a445c56c15558fd8210471</guid><category><![CDATA[Deutschland]]></category><category><![CDATA[EU]]></category><category><![CDATA[Politics]]></category><dc:creator><![CDATA[Jacques Bopp]]></dc:creator><pubDate>Tue, 19 Aug 2025 10:15:01 GMT</pubDate><media:content url="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/5d9274f1-1983-4eb6-aa83-2813359f51c8.webp" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/5d9274f1-1983-4eb6-aa83-2813359f51c8.webp" alt="Die deutsche Regulierungswut kostet Milliarden &#x2013; das sind die zehn teuersten Gesetze"><p><em>Der B&#xFC;rokratie-Check der NZZ zeigt, was B&#xFC;rger und Wirtschaft am st&#xE4;rksten belastet. Ein Gesetz sticht dabei besonders hervor.</em></p><p><em>NZZ, Malte Fischer, Simon Off0, 2.08.2025</em></p><p>Fragt man Unternehmen nach den gr&#xF6;ssten Standortnachteilen Deutschlands, landet die B&#xFC;rokratie regelm&#xE4;ssig auf dem ersten Platz, noch vor den hohen Steuern, Lohn- und Energiekosten. In einer&#xA0;<a href="https://www.familienunternehmer.eu/presse-news/umfragen/magazin/jahresausblick-auf-2025/backto/3848/action/detail/d.html?cHash=48199da6b5300e43a04d8c1ce2c660b3&amp;ref=tat.xbopp.com">Umfrage</a>&#xA0;des Verbandes der Familienunternehmer vom Juni gaben 77 Prozent der Befragten an, die Bundesregierung m&#xFC;sse vor allem die Regulierungsflut eind&#xE4;mmen, damit Unternehmen wieder mehr am Standort Deutschland investierten.</p><p>Doch wie gross ist das Ausmass der B&#xFC;rokratie wirklich? Und wie hat sie sich im Laufe der Jahre entwickelt? Um diese Fragen zu beantworten, versuchen &#xD6;konomen, die Dichte staatlicher Regulierungen messbar zu machen. Einer von ihnen ist Stefan Wagner, Professor f&#xFC;r Technologie und Innovationsmanagement an der Universit&#xE4;t Wien.</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/image-4.png" class="kg-image" alt="Die deutsche Regulierungswut kostet Milliarden &#x2013; das sind die zehn teuersten Gesetze" loading="lazy" width="997" height="657" srcset="https://tat.xbopp.com/content/images/size/w600/2025/08/image-4.png 600w, https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/image-4.png 997w" sizes="(min-width: 720px) 720px"></figure><p>Als gr&#xF6;sster Treiber der Gesetzesflut erwies sich laut Wagner das Wirtschaftsrecht, dessen gemessener Umfang sich in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt hat. Dicht dahinter folgt das Finanz- und Steuerrecht, das sich um 88 Prozent aufbl&#xE4;hte. Einen Grund daf&#xFC;r sieht Wagner in der Finanzkrise, auf die der Gesetzgeber mit einer F&#xFC;lle von zus&#xE4;tzlichen Gesetzen zur Bankenregulierung und zur Finanzaufsicht reagiert hat. Hinzu kommen wachsende Regulierungsvorgaben aus der EU im Bereich des Verbraucherschutzes, des Binnenmarktes und der Energiewirtschaft.</p><p>Vergleichsweise moderat fiel hingegen der Zuwachs an Gesetzesb&#xFC;rokratie im Sozial- und im Verwaltungsrecht aus. Der Umfang der Gesetze legte dort um 46 beziehungsweise um 54 Prozent zu.</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/image-1.png" class="kg-image" alt="Die deutsche Regulierungswut kostet Milliarden &#x2013; das sind die zehn teuersten Gesetze" loading="lazy" width="1002" height="886" srcset="https://tat.xbopp.com/content/images/size/w600/2025/08/image-1.png 600w, https://tat.xbopp.com/content/images/size/w1000/2025/08/image-1.png 1000w, https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/image-1.png 1002w" sizes="(min-width: 720px) 720px"></figure><p>Auch wenn die Gesetzesf&#xFC;lle in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, l&#xE4;sst sich daraus nicht unbedingt ableiten, dass neue Gesetze grunds&#xE4;tzlich &#xFC;berfl&#xFC;ssig oder sinnlos seien. So k&#xF6;nnen diese auch Bestimmungen enthalten, die das Ausmass der Regulierung verringern.</p><p>Ein differenzierter Massstab zur Beurteilung der B&#xFC;rokratie ist der sogenannte Erf&#xFC;llungsaufwand. Er erfasst nicht nur klassischen Papierkram, sondern auch Folgekosten einzelner Gesetze und Verordnungen &#x2013; etwa durch die gesetzlich vorgeschriebene Nachr&#xFC;stung von Maschinen und Anlagen. Zugleich ber&#xFC;cksichtigt er auch Regelungen, die Verwaltungsaufwand verringern, zum Beispiel durch Digitalisierung.</p><p>Um diese Effekte systematisch zu erfassen, hat die Bundesregierung den Nationalen Normenkontrollrat (NKR) ins Leben gerufen. Sein Auftrag: zeigen, was neue Regeln kosten &#x2013; und ob es einfacher geht.</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/image-5.png" class="kg-image" alt="Die deutsche Regulierungswut kostet Milliarden &#x2013; das sind die zehn teuersten Gesetze" loading="lazy" width="1002" height="652" srcset="https://tat.xbopp.com/content/images/size/w600/2025/08/image-5.png 600w, https://tat.xbopp.com/content/images/size/w1000/2025/08/image-5.png 1000w, https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/image-5.png 1002w" sizes="(min-width: 720px) 720px"></figure><p>Wann der neu gew&#xE4;hlte Bundestag die entsprechenden Gesetze beschliesst, ist unklar. Fest steht: EU-Richtlinien m&#xFC;ssen in deutsches Recht &#xFC;berf&#xFC;hrt werden &#x2013;&#xA0;<a href="https://www.nzz.ch/wirtschaft/buerokratieabbau-der-eu-wird-nachhaltigkeits-und-lieferkettenberichterstattung-entschlackt-ld.1872829?ref=tat.xbopp.com">ihre Umsetzung</a>&#xA0;ist bindend.</p><h2 id="neues-gesetz-sorgt-f%C3%BCr-mehr-b%C3%BCrokratie">Neues Gesetz sorgt f&#xFC;r mehr B&#xFC;rokratie</h2><p>Mehr B&#xFC;rokratie f&#xFC;r Unternehmen und Verwaltungen bringt auch das von der Bundesregierung angek&#xFC;ndigte und vom NKR noch nicht bewertete&#xA0;<a href="https://www.bmas.de/DE/Service/Gesetze-und-Gesetzesvorhaben/tariftreuegesetz.html?ref=tat.xbopp.com">Tariftreuegesetz</a>, das der Bundestag noch dieses Jahr verabschieden soll. Es fordert die Unternehmen auf, bei &#xF6;ffentlichen Auftr&#xE4;gen zu dokumentieren, dass sie die f&#xFC;r ihre Branche g&#xFC;ltigen Tarifbedingungen einhalten.</p><p>Dennoch bleibt Br&#xFC;ssel der gr&#xF6;sste Kostentreiber, zumindest f&#xFC;r die Wirtschaft. Schaut man auf die zehn teuersten Gesetze, finden sich auff&#xE4;llig viele Regelungen, die massgeblich durch EU-Recht getrieben sind.</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/image-2.png" class="kg-image" alt="Die deutsche Regulierungswut kostet Milliarden &#x2013; das sind die zehn teuersten Gesetze" loading="lazy" width="979" height="934" srcset="https://tat.xbopp.com/content/images/size/w600/2025/08/image-2.png 600w, https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/image-2.png 979w" sizes="(min-width: 720px) 720px"></figure><p>Dass die EU-Richtlinien die B&#xFC;rokratie hierzulande aufbl&#xE4;hen, liegt allerdings auch an Deutschland. Denn die Bundesregierungen haben die Br&#xFC;sseler Vorgaben in den vergangenen Jahren bei der Umsetzung in nationales Recht meist versch&#xE4;rft und dadurch die Erf&#xFC;llungskosten f&#xFC;r die Unternehmen unn&#xF6;tig in die H&#xF6;he getrieben.</p><h2 id="teures-strebertum-in-eu-fragen">Teures Strebertum in EU-Fragen</h2><p>In der vergangenen Legislaturperiode setzte der Bundestag neun Richtlinien und drei Verordnungen um, bei denen er &#xFC;ber das von der EU geforderte Mindestmass an Regulierung hinausging. Das geht aus einer&#xA0;<a href="https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1013116?ref=tat.xbopp.com">Antwort der Bundesregierung</a>&#xA0;auf eine kleine Anfrage der AfD hervor. Die Folge: Selbst wenn man die Kosten f&#xFC;r die drei neuen EU-Richtlinien (<a href="https://www.nzz.ch/wirtschaft/buerokratieabbau-der-eu-wird-nachhaltigkeits-und-lieferkettenberichterstattung-entschlackt-ld.1872829?ref=tat.xbopp.com">NIS-2, CSRD und CER</a>) herausrechnet, entfallen noch immer 27 Prozent der Kosten f&#xFC;r die zehn teuersten Gesetze auf Regelungen, die auf EU-Richtlinien beruhen.</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/image-3.png" class="kg-image" alt="Die deutsche Regulierungswut kostet Milliarden &#x2013; das sind die zehn teuersten Gesetze" loading="lazy" width="969" height="628" srcset="https://tat.xbopp.com/content/images/size/w600/2025/08/image-3.png 600w, https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/image-3.png 969w" sizes="(min-width: 720px) 720px"></figure><p>Auch wenn die EU an dem Ausmass der B&#xFC;rokratie in Deutschland massgeblichen Anteil hat, ist die gr&#xF6;sste Einzelbelastung gleichwohl hausgemacht: das von der Ampelkoalition aus SPD, Gr&#xFC;nen und FDP verabschiedete Heizungsgesetz ist der einsame Spitzenreiter in der Hitparade der B&#xFC;rokratie. Kein anderes Gesetz belastet Unternehmen und B&#xFC;rger st&#xE4;rker.</p><h2 id="heizungsgesetz-schl%C3%A4gt-eu-b%C3%BCrokratie">Heizungsgesetz schl&#xE4;gt EU-B&#xFC;rokratie</h2><p>Es schreibt vor, dass neue Heizungen sp&#xE4;testens Mitte 2028 mit 65 Prozent erneuerbarer Energie betrieben werden m&#xFC;ssen. Die B&#xFC;rger haben im Kern die Wahl zwischen W&#xE4;rmepumpe, dem Anschluss an ein Fernw&#xE4;rmenetz und Heizungen, die auf den Betrieb mit Wasserstoff umr&#xFC;stbar sind.</p><p>In allen F&#xE4;llen wird es teuer: Mit mehr als 5&#xA0;Milliarden Euro pro Jahr verursacht das Heizungsgesetz zehnmal so hohe Kosten wie die zweitplatzierte Verordnung zur Energieeffizienz von Geb&#xE4;uden.</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/image.png" class="kg-image" alt="Die deutsche Regulierungswut kostet Milliarden &#x2013; das sind die zehn teuersten Gesetze" loading="lazy" width="1005" height="976" srcset="https://tat.xbopp.com/content/images/size/w600/2025/08/image.png 600w, https://tat.xbopp.com/content/images/size/w1000/2025/08/image.png 1000w, https://tat.xbopp.com/content/images/2025/08/image.png 1005w" sizes="(min-width: 720px) 720px"></figure><p>Auff&#xE4;llig ist auch: Die &#xAB;Ampel&#xBB; hat zwar bis zum Koalitionsbruch deutlich&#xA0;<a href="https://de.statista.com/infografik/33400/zahl-der-gesetzesvorhaben-der-bundesregierung?ref=tat.xbopp.com">weniger Gesetze</a>&#xA0;auf den Weg gebracht als jede einzelne Merkel-Regierung davor &#x2013; viele davon waren jedoch besonders teuer. Sechs der zehn kostspieligsten Vorhaben f&#xFC;r B&#xFC;rger und Unternehmen gehen auf das Konto der rot-gelb-gr&#xFC;nen Koalition.</p><p><em><strong>Das steckt hinter den Zahlen:</strong><br>Der von Stefan Wagner&#xA0;</em><a href="https://tim.univie.ac.at/buerokratie-index2025-deutschland/?ref=tat.xbopp.com"><em>berechnete Index</em></a><em>&#xA0;erfasst die im Bundesgesetzblatt verk&#xFC;ndeten Gesetze im Zeitraum 2006 bis 2024. Um die Gesetzestexte trotz ihren unterschiedlichen Schrifttypen und Drucks&#xE4;tzen vergleichbar zu machen, hat Wagner den Umfang in Normseiten umgerechnet. Eine Normseite besteht aus 1500 Zeichen.<br>Mit dem Erf&#xFC;llungsaufwand (Stand: Juli 2025) pr&#xFC;ft und dokumentiert der Normenkontrollrat die von den Bundesministerien gesch&#xE4;tzten Zeit- und Sachkosten f&#xFC;r Gesetze und Verordnungen. Unterschieden wird zwischen einmaligem Aufwand (z.&#x202F;B. Schulungen, IT-Umstellungen) und laufendem j&#xE4;hrlichen Aufwand (z.&#x202F;B. wiederkehrende Meldungen, Wartungen). In der NZZ-Analyse werden ausschliesslich die j&#xE4;hrlichen Belastungen ber&#xFC;cksichtigt &#x2013; dazu z&#xE4;hlen auch die f&#xFC;r den Einbau einer W&#xE4;rmepumpe anfallenden Investitionskosten. Ein m&#xF6;glicher Nutzen wird nicht gegengerechnet, der Erf&#xFC;llungsaufwand bildet demnach nur die Kostenseite ab.</em></p>]]></content:encoded></item></channel></rss>